Verschlüsselung: Ist die Crypto AG wirklich Geschichte?

Der Fall der Crypto AG wirbelt in der Schweiz immer noch Staub auf. In Deutschland hingegen ist es auffallend still.

Eine Analyse von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Die Zentrale der Crypto AG in Steinhausen im Februar 2020
Die Zentrale der Crypto AG in Steinhausen im Februar 2020 (Bild: Fabrice Coffrini/AFP via Getty Images)

Eine Nachfolgefirma der berüchtigten Crypto AG bekommt Probleme mit der Justiz. In der ersten Märzwoche hat die Schweizer Bundesanwaltschaft die Räumlichkeiten der Crypto International AG, wie das Unternehmen heißt, durchsucht. Der Verdacht lautet: Verstoß gegen das Exportkontrollrecht.

Inhalt:
  1. Verschlüsselung: Ist die Crypto AG wirklich Geschichte?
  2. Schwarze Kassen bleiben ungeklärt
  3. Erfolg mit GnuPG

Bei der Razzia wurden Geräte beschlagnahmt, mehr wurde über die Durchsuchungen bisher nicht bekannt. Der Schweizer Handelszeitung teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft mit, sie habe "die unaufschiebbaren sichernden Maßnahmen getroffen", die einem Strafverfahren vorangehen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hatte Strafanzeige gegen die Firma gestellt.

Hintergrund ist, dass die Crypto AG, also die Vorgängerfirma, jahrzehntelang manipulierte Chiffriergeräte ausgeliefert und damit die Kommunikation anderer Staaten abgehört haben soll. Betreiber des Unternehmens sollen die CIA und der Bundesnachrichtendienst gewesen sein. Unter den mehr als 100 Kunden waren offenbar nicht nur Diktaturen, sondern auch Nato-Partner. Kompromittiert wurden die Geräte mit Hilfe von Siemens und BND-Chiffrierexperten nach Vorgaben der CIA, die das Unternehmen verdeckt steuerte.

Der BND stieg 1993 aus dem Unternehmen aus, die CIA zog sich erst 2018 zurück. Daraufhin übernahm der schwedische Unternehmer Dan Ove Andreas Linde das Unternehmen und nannte es in Crypto International AG um. Heute arbeiten rund 100 Mitarbeiter für die Firma, die IT-Sicherheitslösungen für Unternehmen und Behörden anbietet.

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Schon im Dezember, als die ersten Recherchen anliefen, stoppte der Schweizer Wirtschaftsminister die bestehenden Generalausfuhrbewilligungen in sichere Länder. Seither werden Exportanträge einzeln geprüft. Laut Neuer Zürcher Zeitung (NZZ) brachte dies die Crypto International AG in existenzielle Probleme.

Nach den ersten Veröffentlichungen reichte das Seco Ende Februar Anzeige gegen unbekannt ein. Es ist nicht bekannt, ob konkrete Anhaltspunkte für einen Gesetzesverstoß vorliegen. Das Unternehmen kommentierte die Razzia mit einem Verweis auf laufende Gespräche zu den Generalexportlizenzen nicht.

Bislang gingen Schweizer Bundesbehörden Verdachtsmeldungen nicht nach und stellten Untersuchungen rasch ein. Anders könnte das nun bei den aktuellen Untersuchungen der Bundesanwaltschaft laufen.

Geheimnisvolle Eigentümer

Als Eigentümer der Crypto AG fungierte eine liechtensteinische Gesellschaft. Vergangene Woche wurde bekannt, dass ein zweites Schweizer Unternehmen von derselben liechtensteinischen Gesellschaft gesteuert wurde: die IT-Sicherheitsfirma Infoguard AG aus Baar. Über diese soll der US-Auslandsgeheimdienst von 2002 bis 2018 das Unternehmen kontrolliert haben.

Diese Umstände gehen aus einer komplizierten Holdingstruktur hervor, die sich aus dem Zuger Handelsregister erschließt. So gehörte Infoguard der The Crypto Group AG, deren Aktionärin die Anstalt Europäische Handelsgesellschaft (AEH) mit Sitz in Liechtenstein war. Infoguard beliefert nicht nur Behörden, sondern auch Großbanken wie die UBS und Credit Suisse. Es bezeichnete sich gegenüber Journalisten als "unabhängige Schwestergesellschaft" der Crypto AG.

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Schwarze Kassen bleiben ungeklärt 
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