Verschlüsselung: Audit findet schwerwiegende Sicherheitslücken in Enigmail

Mozillas Secure Open Source Fund und der Berliner E-Mail-Anbieter Posteo haben einen Security-Audit für Thunderbird und die Erweiterung Enigmail in Auftrag gegeben. Dabei sind einige kritische und schwerwiegende Lücken gefunden worden.

Artikel veröffentlicht am , Kristian Kißling/Linux Magazin
Die Enigma ist Namenspate für Enigmail.
Die Enigma ist Namenspate für Enigmail. (Bild: Antoine Taveneaux, Wikimedia/CC-BY-SA 3.0)

Seit rund zweit Jahren gibt es das Projekt Mozilla Open Source Support (MOSS), mit dem die gemeinnützige Stiftung freie Software finanziell unterstützen will. Ein wichtiger Teil davon ist das Programm Secure Open Source (SOS), bei dem die Sicherheit wichtiger Projekte überprüft werden soll. Wie bereits zuvor hat Mozilla einen dieser Aufträge an das Berliner Pentest-Unternehmen Cure53 vergeben, das sich nun den E-Mail-Client Thunderbird und das Verschlüsselungsplugin Enigmail näher angesehen und dabei teils schwerwiegende Fehler gefunden hat.

Stellenmarkt
  1. Full Stack Software Developer (m/f/d)
    Lufthansa Technik AG, Hamburg
  2. IT Netzwerk-Ingenieur (m/w/d)
    Techniker Krankenkasse, Hamburg
Detailsuche

Ein erster Bericht der Untersuchung (PDF) erteilt über einige, aber nicht alle der gefundenen Lücken in Enigmail Auskunft. Darunter befindet sich etwa die TBE-01-002 getaufte Lücke, die es ermöglicht, einen Fehler im E-Mail-Parser funcs.jsm von Enigmail auszunutzen. Der soll eigentlich E-Mail-Adressen extrahieren, ist aber bei mehreren kommaseparierten Adressen über einen regulären Ausdruck angreifbar. Kommunizieren nun die in Kryptoerklärungen notorischen Bob und Alice miteinander, kann ein Angreifer Alice vortäuschen, er sei Bob und ihr einen falschen und vom Angreifer kontrollieren Schlüssel unterschieben.

Die Lücke TBE-01-005 ermöglicht es einem Angreifer, verschlüsselte Inhalte in Plaintext zu sehen. Dazu muss er Bobs verschlüsselten Text an Alice abfangen. Dann beginnt er selbst eine Konversation mit Alice und bettet irgendwann in deren Verlauf den verschlüsselten Datenblock unauffällig in den Körper der unverschlüsselten E-Mail ein. Antwortet Alice nun direkt auf die E-Mails von Bob, ohne die Originalnachricht zu löschen, erscheint der Ursprungstext von Bob an Alice unverschlüsselt. Das ist möglich, weil Enigmail teilweise verschlüsselte E-Mail-Bodys erlaubt, in denen nur ein Teil der Nachricht verschlüsselt ist.

TBE-01-021 ist eine weitere kritische Lücke. Dabei fälscht der Angreifer die Absenderadresse seiner E-Mail, so dass Alice glaubt, sie komme von Bob. Zugleich hat er im Vorfeld eine signierte E-Mail von Bob gespeichert und hängt diese nun als Attachment an die E-Mail mit dem Fake-Absender. Da Enigmail die Mail in diesem Fall nicht neu signiert, erscheint sie bei Alice als signierte E-Mail von Bob.

Enigmail wird noch gebraucht

Golem Akademie
  1. Linux-Shellprogrammierung: virtueller Vier-Tage-Workshop
    8.–11. März 2021, Virtuell
  2. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    13.–17. Dezember 2021, virtuell
Weitere IT-Trainings

In dem PDF finden sich noch weitere Hinweise auf potenzielle Schwachstellen, die Angreifern das Leben leichter machen. So nutzt Enigmails PEP-Implementierung (Pretty Easy Privacy) einen unsicheren Zufallszahlengenerator, der Javascript-Funktion math.random(). Auch lassen sich weitere reguläre Ausdrücke für potenzielle DoS-Angriffe ausnutzen.

Der Bericht von Cure53 benennt vor allem die gefundenen Lücken in Enigmail. Die Thunderbird-Fehler sind demnach noch nicht alle behoben, eine vollständige Auswertung soll nach Abschluss der Reparaturarbeiten erscheinen. Beim Schließen der vorhandenen Lücken hat neben Mozilla auch der E-Mail-Anbieter Posteo als zweiter Auftraggeber mitgewirkt. Enigmail soll künftig das von Posteo unterstützte Autocrypt-Verfahren implementieren, das E-Mail-Verschlüsselung einfacher machen soll.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Giga Factory Berlin
Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste

Tesla kann die Milliarde Euro Förderung für die Akkufabrik Grünheide nicht beantragen - weil es sonst zu Verzögerungen beim Einsatz neuer Technik käme.

Giga Factory Berlin: Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste
Artikel
  1. Nachhaltigkeit: Kawasaki plant E-Motorräder und Wasserstoff-Verbrenner
    Nachhaltigkeit
    Kawasaki plant E-Motorräder und Wasserstoff-Verbrenner

    Kawasaki will elektrische Antriebe für seine Fahrzeuge entwickeln, 2022 sollen drei Elektromotorräder erscheinen.

  2. Doppelbildschirm: Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg
    Doppelbildschirm
    Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg

    Das Kickstarter-Projekt Slidenjoy kann nach 6 Jahren seinen Doppelbildschirm Slide für Notebooks ausliefern.

  3. Elektroauto: Tesla stellt Model Y in China auf AMD-Ryzen um
    Elektroauto
    Tesla stellt Model Y in China auf AMD-Ryzen um

    Tesla hat in China damit begonnen, den Ryzen von AMD in das Model Y zu verbauen. Käufer berichten von einem viel flüssigerem Scrolling.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • WD Blue SN550 2 TB ab 149€ • LG UltraGear 34GP950G-B 999€ • SanDisk Ultra 3D 500 GB M.2 44€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops • Cooler Master V850 Platinum 189,90€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /