• IT-Karriere:
  • Services:

Verschlüsselung 2013: Das Jahr der Kryptokalypse

2013 war kein gutes Jahr für die Verschlüsselung. Auch jenseits des NSA-Skandals gab es etliche Schwachstellen, die zwar bereits bekannt waren, 2013 aber akut wurden.

Artikel veröffentlicht am ,
2013 gab es viele schlechte Nachrichten zur Verschlüsselung.
2013 gab es viele schlechte Nachrichten zur Verschlüsselung. (Bild: CCC/Piraten)

2013 war das Jahr der Kryptopartys. Nach den Enthüllungen über die massenhafte Überwachung durch Geheimdienste sehen viele darin die einzige Möglichkeit, ihre Privatsphäre zu wahren. Nicht alle sind davon begeistert, sogar für Glenn Greenwald war es zunächst zu kompliziert, seine E-Mails zu verschlüsseln. Aber auch die Verschlüsselung selbst geriet in Verruf.

Auf dem 30C3 haben die drei Kryptographieexperten Nadia Heninger, Tanja Lange und Daniel Bernstein einen Rückblick auf die Probleme in der Kryptographie 2013 gewagt. Es gab wenig gute Nachrichten. Vor allem die Rolle des Nist (National Institute of Standards and Technology) und der NSA machten den Kryptographieexperten Sorgen. Aber auch Schwächen in TLS entfachten 2013 einen Skandal - obwohl die Probleme bereits bekannt waren.

Löchriges TLS

Bereits im Frühjahr gab es den erfolgreichen Angriff auf TLS - genauer: auf den dort verwendeten Cipher Block Chaining Mode (CBC Mode). Dass CBC in TLS möglicherweise unsicher ist, stand schon 2008 in dem RFC 5246 für TLS selbst. Damals wurde ein Angriffsszenario allerdings als weitgehend unwahrscheinlich eingestuft. Das Gegenteil bewiesen die Forscher Nadhem AlFardan und Kenny Paterson. Die Schwachstelle steckte in praktisch allen Implementierungen von SSL 3.0, TLS 1.1 und 1.2 sowie DTLS 1.0 und 1.2.

Angreifer konnten die von den beiden Forschern gefundene und "Lucky Thirteen" genannte Schwachstelle für Man-in-the-Middle-Angriffe nutzen und erhielten letztendlich den Klartext der über eine TLS- oder DTLS-Verbindung übertragenen Daten, wenn diese per CBC verschlüsselt wurden. Bevor Patches das Problem behoben, reagierten Provider mit dem Rat, die Clientsoftware lieber auf das sichere RC4-SHA umzustellen und CBC damit zu umgehen.

RC4 kaputt

Stellenmarkt
  1. ista International GmbH, Essen
  2. noris network AG, Nürnberg, Aschheim (bei München), München, Berlin

Kurze Zeit später meldete ein Team um den Kryptographieexperten Dan Bernstein Sicherheitsprobleme in der von TLS genutzten RC4-Stromverschlüsselung. Dass RC4 kein besonders sicheres Verschlüsselungsverfahren ist, ist schon länger bekannt. Der Kryptograph Ron Rivest, der sie entwickelte, wollte die Stromverschlüsselung eigentlich gar nicht veröffentlichen. 1994 wurde der Quellcode der RC4-Verschlüsselung auf einer Mailingliste trotzdem anonym veröffentlicht. RC4 ist relativ einfach zu implementieren, arbeitet sehr schnell und wurde deswegen schnell beliebt.

Der Zufallsstrom von RC4 ist jedoch nicht immer zufällig. Schnell fanden Kryptographen heraus, dass an bestimmten Stellen im Schlüsselstrom bestimmte Bits mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auftauchen. Genau diese Schwäche nutzte nun der neue Angriff aus. Notwendig für den Angriff ist eine große Zahl von Datenblöcken, die mit denselben Daten anfangen. Das ist beispielsweise bei HTTPS-Verbindungen oft der Fall.

Schleppende Umstellung

Da sowohl CBC als auch RC4 Schwächen aufweisen, sollten Serveradministratoren auf beide verzichten. Das ist allerdings erst mit der TLS-Version 1.2 möglich. Dort wurde die AES-Verschlüsselung in Kombination mit dem sogenannten Galois/Counter-Modus (GCM) eingeführt. Im Unterschied zu CBC gewährleistet GCM sowohl Verschlüsselung als auch Authentifizierung in einem Schritt. Alle Schwächen, unter denen CBC leidet, sind bei GCM somit beseitigt. Es wird aber dauern, bis die Umstellung vollzogen wird.

Denn obwohl dieser Standard als RFC 5246 bereits 2008 veröffentlicht wurde, kann bislang kaum ein Browser GCM nutzen. Für die von Firefox eingesetzte NSS-Bibliothek existiert lediglich ein experimenteller Patch. Microsofts Internet Explorer und Opera unterstützen theoretisch TLS 1.2, allerdings ist die Nutzung in der Standardkonfiguration abgeschaltet. OpenSSL unterstützt TLS 1.2 seit der Version 1.0.1, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Ältere OpenSSL-Versionen sind jedoch noch häufig im Einsatz.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Kaputte Chipkarten, verseuchte Hardware 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Anzeige
Hardware-Angebote

chris m. 04. Jan 2014

ich habs einfach so gelesen :D

chris m. 04. Jan 2014

die kryptokatzlypse

Julius Csar 03. Jan 2014

Bei mir hängt es nach Betreten der Seite ebenfalls für eine kurze Zeit (beim Browser...


Folgen Sie uns
       


Flight Simulator Grafikvergleich (Low, Medium, High, Ultra)

Wir haben einen Start von New York City aus in allen vier Grafikstufen durchgeführt.

Flight Simulator Grafikvergleich (Low, Medium, High, Ultra) Video aufrufen
Vivo X51 im Test: Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera
Vivo X51 im Test
Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera

Das Vivo X51 hat eine gute Kamera mit starker Bildstabilisierung und eine vorbildlich zurückhaltende Android-Oberfläche. Der Startpreis in Deutschland könnte aber eine Herausforderung für den Hersteller sein.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Software-Entwicklung Google veröffentlicht Android Studio 4.1
  2. Jetpack Compose Android bekommt neues UI-Framework
  3. Google Android bekommt lokale Sharing-Funktion

Big Blue Button: Das große blaue Sicherheitsrisiko
Big Blue Button
Das große blaue Sicherheitsrisiko

Kritische Sicherheitslücken, die Golem.de dem Entwickler der Videochat-Software Big Blue Button meldete, sind erst nach Monaten geschlossen worden.
Eine Recherche von Hanno Böck


    CalyxOS im Test: Ein komfortables Android mit einer Extraportion Privacy
    CalyxOS im Test
    Ein komfortables Android mit einer Extraportion Privacy

    Ein mobiles System, das sich für Einsteiger und Profis gleichermaßen eignet und zudem Privatsphäre und Komfort verbindet? Ja, das geht - und zwar mit CalyxOS.
    Ein Test von Moritz Tremmel

    1. Alternatives Android im Test /e/ will Google ersetzen

      •  /