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Vernetztes Fahren: Wie mit Fantasiezahlen Politik gemacht wird

Die Politik nimmt die autonomen Autos immer wieder zum Vorwand, um Spezialdienste und schnelles Internet zu fordern. Wir haben uns auf die Suche nach den Zahlen gemacht, die diesen Bedarf zu begründen versuchen.

Artikel von veröffentlicht am
Die vernetzten Autos senden nur wenige Daten an die Cloud.
Die vernetzten Autos senden nur wenige Daten an die Cloud. (Bild: Here)

Zahlen sind etwas Feines. Man kann in der Politik viel behaupten, aber wenn man es mit konkreten Zahlen belegen kann, wirkt eine Aussage um ein Vielfaches glaubwürdiger. Mindestens 6,4-mal so glaubwürdig - grob geschätzt. Was wirklich hinter bestimmten Zahlen steckt, wird häufig nicht infrage gestellt und lässt sich bisweilen gar nicht mehr überprüfen. Falls doch, kann man dabei Erstaunliches entdecken. Wir haben uns beim Thema autonomes Fahren auf die Suche gemacht.

Inhalt:
  1. Vernetztes Fahren: Wie mit Fantasiezahlen Politik gemacht wird
  2. Anteil der Autofunktionen nur minimal
  3. Autoindustrie wird für dumm verkauft

So haben wir etwa einen Satz gefunden, der sich in einem Antrag der Bundestagsfraktionen von Union und SPD zum Thema Intelligente Mobilität findet. "Für das automatisierte Fahren bedarf es eines flächendeckend schnellen Internets in Deutschland. Denn das Datenvolumen, das ein Fahrzeug pro gefahrene Stunde sendet und empfängt, wird sich von heute rd. 27 MByte auf rund 215 MByte im Jahr 2020 vervielfachen." Wer so genaue Angaben machen kann, wird die Zahlen schon belegen und nachweisen könnten. Sollte man denken.

Autohersteller wundern sich

Die Aussage der beiden Sätze scheint ebenfalls klar: Weil automatisierte Autos viele Daten mit allen möglichen Verkehrsdiensten austauschen, entstehen in Zukunft ein hohes Datenvolumen und die Notwendigkeit für ein schnelles Internet. Die Hersteller von hochautomatisierten Autos sollten daher ungefähr wissen, wie viele Daten ihre Autos mit ihrem Backend, Kartendiensten oder untereinander austauschen und ob die genannten Zahlen zutreffen.

Unsere Anfrage bei BMW, Daimler und Audi löste bei den Herstellern aber eher Verwunderung und Verwirrung aus. "Die Höhe der Daten können wir weder bestätigen noch dementieren, da sie (natürlich) abhängig von der Menge der Daten sein wird, die dann 2020 im Umlauf sein werden. Und das genau zu prognostizieren, fällt aufgrund der vielen damit zusammenhängenden Komponenten schwer", antwortet beispielsweise Daimler.

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Ähnlich reagiert BMW. "Die genannten Werte können wir für unsere Fahrzeuge derzeit nicht bestätigen. Ein durchschnittliches Fahrzeug überträgt typischerweise circa zwischen 20 und 30 MByte pro Monat", teilte die Pressestelle mit und ergänzte: "Wir gehen davon aus, dass sich das Datenvolumen mit zunehmender Automatisierung und Digitalisierung deutlich erhöhen wird. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genauen Aussagen zu dem Datenvolumen machen können, welche unsere Fahrzeuge mittelfristig in Zukunft senden und empfangen werden." Bei Audi will man überhaupt keine Stellungnahme zu den Zahlen abgeben.

Radio und Fernsehen zählen mit

Wenn schon die Hersteller keine Angaben machen können, sollten zumindest die Fraktionen von Union und SPD wissen, woher die Werte kommen. "Die Zahlen stammen vom Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung 2014, im Strategiepapier der Arbeitsgruppe 8", heißt es auf Anfrage von Golem.de. In der Tat findet sich ein entsprechendes Papier im Netz. Darin heißt es auf Seite 7: "Das durch Fahrzeuge generierte mobile Datenvolumen wird mit intelligenter Mobilität stark zunehmen. Schon heute senden und empfangen Automobile umgerechnet rd. 27 MByte an Daten pro gefahrene Stunde über Mobilfunk, analoges und digitales Radio sowie - mit noch geringer Verbreitung - terrestrisches Fernsehen."

Werden hier tatsächlich Mobilfunk, Radio und Fernsehen in einen Topf geworfen? Und was hat das mit vernetzten Autos zu tun? Zumal die quantitativen Anteile der einzelnen Übertragungsmedien überhaupt nicht genannt werden. Im Bundestagspapier ist von diesen unterschiedlichen Medien nicht mehr die Rede. Sicher nicht ganz zufällig. Was ebenfalls verwundert: In dem Strategiepapier findet sich keine Zahl über das Datenvolumen im Jahr 2020. Aber auch hier können die Fraktionen weiterhelfen. Diese Zahl von rund 215 MByte pro Stunde stamme aus einer früheren Version. In der endgültigen Fassung sei sie dann gestrichen worden. Dem Entwurf zufolge, der Golem.de vorliegt, erhöht sich das Volumen "durch zusätzliche vernetzte Dienste aus dem Bereich der intelligenten Mobilität". Was immer damit gemeint ist.

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Horsty 11. Mär 2016

...wohl kaum und damit ist Frage nach schnellerem Internet auch bereits beantwortet...

Peter(TOO) 11. Mär 2016

Hallo Zuiken, Ich habe kein Auto, aber das hilft nicht wirklich, wenn die Regale in den...

css_profit 08. Mär 2016

Hauptsache sie wird nicht großgeschossen...

user unknown 07. Mär 2016

Dafür braucht man nun gar keinen Ausbau, außer in den Autos selbst.

ChevalAlazan 05. Mär 2016

Vielleicht ist genau das der Grund. Ein gut recherchierter Artikel, welcher tatsächlich...


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