Autoindustrie wird für dumm verkauft

Die von A.T. Kearney genannte Zahl von 215 MByte beruht daher auf so vielen spekulativen Annahmen, dass sie für eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema nicht geeignet ist. Daher war es wohl eine gute Idee, sie nicht in die endgültige Fassung des Strategiepapiers von 2014 aufzunehmen. Das hat die Bundestagsfraktionen aber nicht davon abgehalten, sie für ihren Antrag zu verwenden, der am 25. Februar 2016 vom Bundestag beschlossen wurde.

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Unklar bleibt jedoch, warum die Politik mit Hilfe dieser Fantasiezahlen den Ausbau des Mobilfunknetzes für Standards wie LTE Advanced oder 5G legitimieren möchte. Zwar gibt es in der Tat mögliche Anwendungen für Car-to-Car-Kommunikation, die auch per Mobilfunk realisiert werden könnten. Der Datenaustausch erfolgt dabei jedoch innerhalb einer LTE-Mobilfunkzelle und nicht über das Internet. Zudem ergibt sich die Notwendigkeit solch geringer Latenzzeiten lediglich auf Autobahnen und das ließe sich auch per WLAN-Technik umsetzen. Ein flächendeckender Ausbau eines schnellen Internets lässt sich damit nicht begründen. Hier wird Internet pauschal mit mobiler Kommunikation gleichgesetzt.

Fraktionen fordern weiter Spezialdienste

Das gilt auch für die Einführung von sogenannten Spezialdiensten. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat in einer umfangreichen Studie erläutert, warum für hochautomatisiertes Fahren die Netzneutralität nicht eingeschränkt werden müsste. Eine Car-to-X-Kommunikation, um vor einem unerwarteten Stauende zu warnen, lasse sich problemlos ohne "industriepolitische oder regulatorische Aktivitäten" zur Netzneutralität realisieren. Darauf antwortete die Unionsfraktion: "Die Studie schließt damit nicht aus, dass es weitere Anwendungsfälle gibt, für die ergänzende regulatorische oder industriepolitische Maßnahmen erforderlich sind." Das stimmt. Allerdings scheinen derzeit weder das Fraunhofer-Institut noch die Fraktionen solche Anwendungen zu kennen.

Glaubt die Politik vielleicht, dass sich automatisierte Fahrzeuge nur verkaufen werden, wenn die Autofahrer dann auf der Autobahn Videostreams anschauen können? Das wäre derzeit die einzige Möglichkeit, um einen Zusammenhang zwischen autonomen Autos und der Notwendigkeit zu konstruieren, ein erhöhtes Datenvolumen flächendeckend zur Verfügung stellen zu müssen. Oder ist es am Ende so, dass die Zahlen des Strategiepapiers tatsächlich einfach als Fakt genommen und von der Politik nie infrage gestellt wurden? Die Vehemenz, mit der hochrangige Politiker wie EU-Digitalkommissar Günther Oettinger und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Märchen vom internetgesteuerten Auto verbreiten, lassen eine interessengesteuerte Kampagne vermuten. Die Art und Weise, wie die Automobilindustrie dabei vor den Karren der Mobilfunkkonzerne gespannt wird, ist eine besonders intelligente Form der Mobilität.

Besser fantasievolle Politik als Fantasiezahlen

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"Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast", ist ein Bonmot, das häufig Winston Churchill zugeschrieben wird. Dabei stammt es offenbar gar nicht von dem britischen Premier selbst, sondern wurde ihm von den Nazis in den Mund gelegt, um damit britische Kriegsstatistiken pauschal zu diskreditieren. Denn zuverlässige Zahlen sind in der politischen Debatte unverzichtbar. An den beiden anfangs zitierten Sätzen mit ihren dubiosen Zahlen lässt sich aber leider das ganze Elend der deutschen Netzpolitik ablesen. Anstatt eine fantasievolle Politik zu machen, wird mit Fantasiezahlen und technischer Ahnungslosigkeit lieber das Geschäft der großen Telekommunikationskonzerne betrieben.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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 Anteil der Autofunktionen nur minimal
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Horsty 11. Mär 2016

...wohl kaum und damit ist Frage nach schnellerem Internet auch bereits beantwortet...

Peter(TOO) 11. Mär 2016

Hallo Zuiken, Ich habe kein Auto, aber das hilft nicht wirklich, wenn die Regale in den...

css_profit 08. Mär 2016

Hauptsache sie wird nicht großgeschossen...

user unknown 07. Mär 2016

Dafür braucht man nun gar keinen Ausbau, außer in den Autos selbst.



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