Offene Schnittstellen und neutrale Server

Was genau mit "sicherheitspolitischer Hinsicht" gemeint ist, erscheint unklar. Es könnte beispielsweise darum gehen, auf Basis von Standortdaten ein Bewegungsprofil eines Verdächtigen zu erstellen oder dessen Aufenthaltsort zu bestimmen. Unklar ist zudem, ob nur die im Fahrzeug selbst gespeicherten Daten oder auch die hochgeladenen gemeint sind.

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Eher unkritisch aus Datenschutzsicht erscheint hingegen die anonymisierte Weitergabe von Fahrzeugdaten, wie sie in dieser Woche der Autohersteller BMW angekündigt hat. Hierbei werden die Daten zum einen dem Kartendienst Here über eine CC-Lizenz zur Verfügung gestellt, zum anderen auf einen "neutralen Server" übertragen. Bei der Initiative geht es laut BMW darum, die Fahrzeugdaten über eine standardisierte Schnittstelle bereitzustellen. Das Prinzip dahinter sei Reziprozität: "Wer sicherheitsrelevante Daten teilt, erhält im Gegenzug die Services zur Verbesserung der Verkehrssicherheit."

Verrat durch den eigenen Pkw?

Die genannten Beispiele machen deutlich: Künftig könnten die Daten vernetzter Fahrzeuge auf einer ganzen Reihe von Servern landen, über die der Halter kaum noch eine Kontrolle haben dürfte. Schon 2014 fragte die Verkehrsrechtlerin Daniela Mielchen auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar, wie man sich vor dem "Verrat durch den eigenen Pkw" schützen kann (PDF). Andererseits nannte sie in ihrem Vortrag auch den Fall, bei dem ein Hersteller die Herausgabe verschlüsselter Daten, die den Halter hätten entlasten können, "aufgrund der technischen Überlegenheit" nicht ermöglicht habe.

Dem Elektroautobauer Tesla wiederum wird vorgeworfen, sehr freigiebig Fahrzeugdaten herauszurücken, wenn damit die Schuld eines Autofahrers an einem Unfall nachgewiesen werden kann. "Während das Unternehmen nach einem Unfall Daten an Medien herausgegeben hat, will es die Logdaten des Kunden nicht den Fahrern selbst zur Verfügung stellen", berichtete der britische Guardian im April 2017. Damit versuchte das Unternehmen unter anderem die Aussagen von Unfallfahrern öffentlich zu widerlegen. In der aktuellen Kundendatenschutzrichtlinie räumt sich Tesla ausdrücklich das Recht zur Weitergabe von Daten ein, "um die Rechte, das Eigentum oder die Sicherheit unserer Produkte und Dienstleistungen von Tesla, Dritter, von Besuchern oder der Öffentlichkeit zu schützen, was wir ausschließlich nach unserem eigenen Ermessen bestimmen". Dazu gehörten auch Informationen, "die möglicherweise Rückschlüsse" auf die Identität des Kunden zulassen könnten. Zwar lässt sich bei Tesla die Erhebung von Telematikdaten laut Datenschutzrichtlinie unterbinden, doch das ist nur per E-Mail-Anfrage möglich. Nicht gerade kundenfreundlich.

Niemand muss sich selbst belasten

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Für jeden Halter ist die Vernetzung seines Fahrzeugs und die Speicherung seiner Daten daher ein zweischneidiges Schwert. Einerseits möchte er von den Vorteilen der Vernetzung profitieren, andererseits weiß er häufig gar nicht, welche Daten der Hersteller überhaupt sammelt und zu welchen Zwecken speichert. Mielchen unterscheidet zwischen "geheim", "offziell" und "freiwillig" erhobenen Daten. Der Rechtsgrundsatz, wonach sich niemand selbst belasten muss, werde durch die Herausgabe von Daten durch den Hersteller ausgehebelt, schreibt die Juristin.

Zudem gibt es in der Regel keine Möglichkeit, im Auto die Übertragung für bestimmte Arten von Daten, die den Fahrer vor Gericht belasten könnten, gezielt zu aktivieren und zu deaktivieren. "Häufig steht für eine Funktion wie etwa 'Navigation' nur ein Dienst zur Auswahl, und innerhalb von Diensten hat man nur die Optionen, ihn zu nutzen oder nicht zu nutzen, ohne feiner differenzieren zu können in Hinblick auf Nutzungsweisen, die mehr oder weniger Preisgabe von Daten verlangen", heißt es in einer Studie zum Selbstdatenschutz im vernetzten Fahrzeug (PDF) vom August 2017. Nutzer erlebten "jene Situationen, in denen sie etwa Datenschutzerklärungen akzeptieren und Einverständniserklärungen für Berechtigungen erteilen sollen als Momente der Preisgabe von Daten und der Aufgabe von Kontrolle".

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 Kein schnelles Gesetz geplantDroht eine automobile Vorratsdatenspeicherung? 
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quineloe 18. Jun 2019

Student fährt in 30er Zone mit 73 km/h auf der Busspur und fährt dabei ein Kind tot...

quineloe 17. Jun 2019

Weil der profitablste Blitzer dieses Landes sogar vorher mit einem Radarwarnschild...

chefin 14. Jun 2019

Und das alles nur weil andere Menschen ihre Daten teilen statt wie du zu verstecken. In...

UVzk 09. Jun 2019

Nicht wie im Satz davor durch Vergleich mit Unfällen suggeriert wird Teslafahrer. Was...

teenriot* 07. Jun 2019

Ja was soll an der Verwendung eines Spruches schon menschenverachtend und...



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