Vernetztes Fahren: US-Firma will Autostandorte ans Militär verkaufen

Was passiert eigentlich mit den vielen Daten, die vernetzte Fahrzeuge an Auto-Hersteller und Service-Anbieter senden?

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Solche Standortdaten will Ulysses an das Militär verkaufen.
Solche Standortdaten will Ulysses an das Militär verkaufen. (Bild: Ulysses/Screenshot: Golem.de)

Das US-Unternehmen Ulysses will die Daten vernetzter Fahrzeuge für militärische Zwecke nutzbar machen. Das geht aus einer Präsentation des Unternehmens hervor, die das IT-Portal Motherboard am Mittwoch veröffentlicht hat. "Ulysses liefert telematikbasierte Standortaufklärung, sowohl in Echtzeit als auch für die Vergangenheit", heißt es in der Präsentation (PDF).

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Derzeit verfügt Ulysses nach eigenen Angaben weltweit über 15 Milliarden Standortdaten von Fahrzeugen im Monat. Der Massenzugriff auf die kommerziellen Telematikdaten stelle eine revolutionäre Möglichkeit dar, Echtzeitdaten mobiler Ziele überall auf der Welt zu sammeln und zu analysieren, schreibt das Unternehmen. Das gelte sowohl für einzelne Fahrzeuge als auch für Tausende gleichzeitig. Die Präsentation zeigt dazu eine Karte von Osteuropa, auf der in Ländern wie der Ukraine, Russland und der Türkei die Standorte von Fahrzeugen zu sehen sind.

Nur Nordkorea und Kuba nicht vertreten

Weiterhin wirbt Ulysses damit, dass die Daten dazu dienen könnten, andere Quellen zu aktivieren und einzubinden, Verhaltensmuster zu bestimmen, Netzwerke und Verbindungen zu erkennen und das Situationsbewusstsein zu verbessern. Lediglich über Nordkorea und Kuba seien keine Daten verfügbar. Laut Ulyssses werden die Telematikdaten generell vom Fahrzeug zum Hersteller übermittelt. Bis zum Jahr 2025 seien vermutlich alle neu produzierten Fahrzeuge vernetzt und würden Daten liefern.

Ulysses ist ein eher kleiner Hersteller von Überwachungstechnik, der schon in früheren Fällen mit dem US-Militär zusammengearbeitet hat. Zu den Kunden gehörten demnach das US-Kommando für Spezialoperationen (Socom), das für Aufstandsbekämpfung, Terrorismusbekämpfung und Sonderaufklärung zuständig ist.

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Aus der Präsentation geht allerdings nicht hervor, ob Ulysses die Daten direkt von den einzelnen Herstellern bezieht oder über Aggregatoren, die die Daten verschiedener Hersteller auswerten. Dazu könnten dem Bericht zufolge Kartendienstleister oder Anbieter von Telematiksystemen oder Parkplatzdaten gehören.

Bislang ist die Weitergabe von Fahrzeugdaten nur unklar geregelt. Allerdings sollten die Hersteller solche Daten in der Regel nur anonymisiert an Dritte weitergeben, so dass von einem Standort nicht auf ein bestimmtes Fahrzeug und dessen Halter geschlossen werden kann. In Deutschland dürfte es eine gesetzliche Regelung über die Datenhoheit in Fahrzeugen frühestens in der nächsten Legislaturperiode geben.

Aggregatoren werten Millionen Fahrzeuge aus

Als Beispiel für Datenaggregatoren nennt Motherboard die israelische Firma Otonomo. Die verfügt nach eigenen Angaben (PDF) über Kooperationen mit 16 Herstellern, hat Zugriff auf die Daten von 40 Millionen Fahrzeugen und sammelt 4,3 Milliarden Datenpunkte pro Tag bei 150 verschiedenen Parametern. BMW liefert demnach Daten von weltweit 12 Millionen Fahrzeug, Daimler in Europa von 3 Millionen.

Laut Motherboard wollte Otonomo keine Angaben dazu machen, ob Ulysses ein Kunde des Unternehmens ist. Es sei bislang nicht geplant, dass Otonomo seine Daten an Streitkräfte oder Geheimdienste verkauft.

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