Vernetztes Fahren: Lobbyschlacht um WLAN und 5G in Europa

Die EU-Kommission will das vernetzte Fahren mit Hilfe des WLAN-Standards ITS-G5 vorantreiben. Doch Telekommunikationsprovider, Ausrüster und einige Autohersteller wollen dies verhindern und 5G durchsetzen. Am Mittwoch könnte im Europaparlament eine Vorentscheidung fallen.

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Anders als im gleichnamigen Bestseller von Ralph Nader sollen Autos in der EU sicherer werden.
Anders als im gleichnamigen Bestseller von Ralph Nader sollen Autos in der EU sicherer werden. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Mit welcher Technik sollen Autos künftig miteinander kommunizieren? Aus dieser scheinbar unpolitischen Frage ist in den vergangenen Tagen ein Politikum geworden. Denn es ist einer Gruppe aus Mobilfunkkonzernen, Telekommunikationsausrüstern und Autoherstellern gelungen, im Europaparlament Stimmung gegen die Mitte März dieses Jahres vorgestellten Pläne der EU-Kommission zu machen. Während die Kommission ausdrücklich auf einen "hybriden Kommunikationsmix" aus verschiedenen Mobilfunkstandards setzt, sehen die Konzerne darin eine Bevorzugung des WLAN-Standards 802.11p, der auch pWLAN oder ITS-G5 genannt wird und im 5,9-GHz-Frequenzband funkt.

Inhalt:
  1. Vernetztes Fahren: Lobbyschlacht um WLAN und 5G in Europa
  2. Volkswagen und NXP setzen auf WLAN

Mit ihrem sogenannten delegierten Rechtsakt (PDF) will die Kommission die Einführung kooperativer intelligenter Verkehrssysteme (C-ITS) auf Europas Straßen beschleunigen. "Die neue Technologie wird es Fahrzeugen ermöglichen, miteinander, mit der Straßeninfrastruktur und mit anderen Verkehrsteilnehmern zu 'sprechen', zum Beispiel über Gefahrensituationen, Straßenarbeiten und die Steuerung der Ampelphasen", hieß es in der Pressemitteilung. Dadurch solle der Verkehr "sicherer, sauberer und effizienter" werden.

Warnbrief an Verkehrsminister Scheuer

Mit Blick auf die verwendeten Kommunikationstechniken will die Kommission sicherstellen, "dass jeder mit jedem sprechen kann (Interoperabilität) und dass jeder in der Lage bleibt, mit jedem sprechen zu können (Kompatibilität). Um den Nutzen zu maximieren, müssen die unterschiedlichen Vorteile der verschiedenen, sich ergänzenden Technologien eingesetzt werden". Für kurze, zeitkritische Dienste soll ITS-G5 genutzt werden. Dieser Standard sei eigens für diesen Zweck entwickelt worden und "ist jetzt ausgereift, getestet und bereits im Einsatz", heißt es weiter.

  • Das WLAN-Modul ermöglicht die Kommunikation von Autos untereinander und mit der Infrastruktur. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Es warnt Fahrer beispielsweise vor gefährlichen Situationen an Kreuzungen. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Zebrastreifen können ebenfalls per WLAN auf sich aufmerksam machen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch Baustellen können künftig mit Warnsendern ausgestattet werden, sogenannte Roadside Units. (Grafik: Delphi)
  • Fahrzeuge können sich per WLAN gegenseitig vor Stau warnen. (Grafik: Delphi)
  • Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Warnung vor einer engen Kurve. (Grafik: Delphi)
  • Ampeln können dem Fahrzeug kommunizieren, wann die Rotphase beginnt. (Grafik: Delphi)
  • Durch Funk können auch verdeckte Verkehrszeichen schon den Fahrer warnen. (Grafik: Delphi)
  • Chiphersteller wie NXP halten eine strikte Trennung zwischen dem sicherheitskritischen WLAN-Chip und dem Entertainment-Modul für erforderlich. (Grafik: NXP)
Das WLAN-Modul ermöglicht die Kommunikation von Autos untereinander und mit der Infrastruktur. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)

Doch diese Formulierung gefällt Unternehmen wie BMW und der Deutschen Telekom gar nicht. In einem Schreiben an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) fordern sie die Bundesregierung auf, sich "für echte Technologieneutralität in dem delegierten Rechtsakt einzusetzen". In dem Brief, der Golem.de vorliegt, heißt es weiter: "Sollte Deutschland kein Veto gegen den Rechtsakt im Rat einlegen, wäre das de facto eine Entscheidung gegen die 5G-Technologie." Hinter der Forderung stünden zudem die Autokonzerne Daimler, Ford und PSA, die Chiphersteller Intel, Qualcomm und Samsung sowie die Telekommunikationsprovider.

Ausbau von 5G sei in Gefahr

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Die Behauptung der Konzerne wirkt überraschend, denn in dem Vorschlag der Kommission heißt es ausdrücklich: Für größere Entfernungen und "weniger zeitkritische Dienste" sollen bestehende oder künftige Mobilfunknetzwerke genutzt werden. Dazu zählt die Regelung die Standards 3G und 4G, "die bereits in weiten Teilen der EU eine gute Abdeckung bieten". Eine Überprüfungsklausel soll die Integration neuer Standards erleichtern, wie etwa LTE-V2X und 5G. Bei LTE-V2X können Fahrzeuge auch direkt miteinander per Mobilfunk kommunizieren, ohne die Basisstationen zu nutzen.

Doch die genannten Firmen befürchten, dass durch die Regelung die Einführung der von ihnen präferierten 5G-Technik unnötig erschwert wird. Denn der Rechtsakt sehe vor, "dass jeder neu eingeführte Standard mit bestehenden Technologien kompatibel sein muss". Daher müsste bei der Einführung von neuen Technologien immer auch WLAN eingebaut werden. "Kein Hersteller wird diese Doppelinvestition dem Kunden zumuten", heißt es weiter. Der Ausbau von 5G sei in Gefahr.

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Volkswagen und NXP setzen auf WLAN 
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Urbautz 24. Apr 2019

Ich muster mein Handy jährlich aus. Das alte geht dann aber abwechseln an die Eltern und...

Frostwind 19. Apr 2019

Plan B ist wohl das Telefon, das nahezu jeder dabei haben wird.

ark 18. Apr 2019

Alles klar, danke für die Klarstellung. Ist wahrscheinlich grad ein wunder Punkt für...

ChrisE 17. Apr 2019

Diese doppelten Entwicklungskosten sind doch kein wirklicher Grund. Seit Ewigkeiten hat...



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