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Volkswagen und NXP setzen auf WLAN

Das sehen verschiedene andere Anbieter jedoch anders. In einem Schreiben an die Mitglieder des Europaparlaments fordern Unternehmen wie Volkswagen, Renault, MAN, NXP und Kapsch die Abgeordneten auf, dem Rechtsakt zuzustimmen. "Die Behauptung, dass der aktuelle Kommissionsvorschlag nicht technologieneutral sei, ist einfach falsch", heißt es in dem Brief, der Golem.de vorliegt. Der Rechtsakt blockiere nicht den 5G-Ausbau, sondern ergänze die 5G-Strategie Europas. Darüber hinaus sei 5G noch nicht einsatzfähig.

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Dem widersprechen wiederum BMW und Telekom. Anders als behauptet sei das sogenannte Cellular V2X (C-V2X), also die Vernetzung über Mobilfunktechnik, "heute schon markteinsatzbereit". C-V2X könne die bestehende LTE-Basisinfrastruktur nutzen, die WLAN-Technik hingegen nicht. "Sie benötigt eine parallele Infrastruktur, die erhebliche Investitionskosten verursacht", schreiben die Firmen.

Erste Tests von Huawei in Berlin

In der Tat gibt es bereits erste kommerzielle Produkte für LTE-V2X vom chinesischen Hersteller Huawei. Diese Produkte werden seit Oktober 2018 vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus) in Berlin getestet. Allerdings sind diese Produkte noch nicht im selben Umfang getestet worden wie die ITS-G5-Geräte.

  • Das WLAN-Modul ermöglicht die Kommunikation von Autos untereinander und mit der Infrastruktur. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Es warnt Fahrer beispielsweise vor gefährlichen Situationen an Kreuzungen. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Zebrastreifen können ebenfalls per WLAN auf sich aufmerksam machen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch Baustellen können künftig mit Warnsendern ausgestattet werden, sogenannte Roadside Units. (Grafik: Delphi)
  • Fahrzeuge können sich per WLAN gegenseitig vor Stau warnen. (Grafik: Delphi)
  • Eine weitere Anwendungsmöglichkeit ist die Warnung vor einer engen Kurve. (Grafik: Delphi)
  • Ampeln können dem Fahrzeug kommunizieren, wann die Rotphase beginnt. (Grafik: Delphi)
  • Durch Funk können auch verdeckte Verkehrszeichen schon den Fahrer warnen. (Grafik: Delphi)
Das WLAN-Modul ermöglicht die Kommunikation von Autos untereinander und mit der Infrastruktur. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)

Eine NXP-Sprecherin sagte auf Nachfrage von Golem.de, dass bereits erste Produkte mit ITS-G5 in Serienfahrzeuge verbaut worden seien, beispielsweise bei Volkswagen und General Motors. Ihr Unternehmen habe bereits eine Million Testtage investiert. Das Testen der C-V2X-Technik stecke hingegen erst in den Anfängen. Der Automobilzulieferer Delphi hatte Golem.de bereits auf der CES 2017 das weltweit erste serienmäßige System für eine Auto-zu-Auto-Kommunikation vorgeführt.

Mobilfunkgebühren bei 5G

Doch die WLAN-Technik hat noch weitere Vorteile: Anders als beim Mobilfunk fallen dabei keine Verbindungskosten an. Es habe schon seinen Grund, warum die Telekommunikationsfirmen stattdessen das kostenpflichtige 5G propagieren würden, hatte ein Delphi-Entwickler bei der Präsentation auf der CES erläutert.

Darüber hinaus dürften die Telekommunikationsprovider und Autohersteller auch Interesse an den generierten Fahrzeugdaten haben. Anders als bei der WLAN-Technik können beispielsweise die Standortdaten beim Mobilfunk problemlos weitergeleitet und für Telematik-Dienste genutzt werden. Auch aus diesem Grund ist die lokale WLAN-Kommunikation nicht so lukrativ. Der angebliche Vorteil der 5G-Technik, die geringe Latenz der Datenübertragung, ist eher ein Mythos.

EU-Ausschuss lehnt Vorschlag ab

Dennoch haben die 5G-Lobbyisten im Europaparlament schon einen wichtigen Erfolg erzielt. Der zuständige Transport- und Tourismusausschuss stimmte am 8. April 2019 bereits mit knapper Mehrheit gegen den Vorschlag der Kommission. Das Plenum des Europaparlaments soll nun am Mittwoch über den Beschluss des Ausschusses abstimmen. In dem entsprechenden Entschließungsantrag wird festgestellt, "dass die Kommission durch die Anforderung einer Rückwärtskompatibilität mit ITS-G5 die Entwicklung innovativer C-ITS-Verkehrslösungen in ganz Europa einschränkt".

Außerdem würde dem Antrag zufolge "eine wirklich technologieneutrale Herangehensweise alle bestehenden Verwendungen, die auf Mobilfunknetze zurückgreifen, berücksichtigen und auf Ebene der Dienste eine gegenseitige Interoperabilität ermöglichen". Auf diese Weise könnten "zusätzlich zu ITS-G5 sämtliche neuen Technologien eingeführt werden". Sollte das Plenum dem Ausschuss folgen, müsste die Kommission ihren Entwurf zurücknehmen und einen neuen Vorschlag machen, "mit dem den Empfehlungen des Parlaments Rechnung getragen wird", wie es in der Geschäftsordnung des Parlaments heißt. Dann könnte sich Verkehrsminister Scheuer sogar sein Veto sparen.

Nachtrag vom 17. April 2019, 17:33 Uhr

Das Plenum des Europaparlaments lehnte am Mittwoch den Vorschlag des Transportausschusses ab. Mit einer Mehrheit von 304 Nein-Stimmen bei 270 Ja-Stimmen und 30 Enthaltungen wiesen die Abgeordneten den Antrag zurück.

 Vernetztes Fahren: Lobbyschlacht um WLAN und 5G in Europa
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Urbautz 24. Apr 2019

Ich muster mein Handy jährlich aus. Das alte geht dann aber abwechseln an die Eltern und...

Frostwind 19. Apr 2019

Plan B ist wohl das Telefon, das nahezu jeder dabei haben wird.

ark 18. Apr 2019

Alles klar, danke für die Klarstellung. Ist wahrscheinlich grad ein wunder Punkt für...

ChrisE 17. Apr 2019

Diese doppelten Entwicklungskosten sind doch kein wirklicher Grund. Seit Ewigkeiten hat...


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