Vernetztes Fahren: Forscher finden 14 Sicherheitslücken in BMW-Software

Beim vernetzten und autonomen Fahren soll die IT-Sicherheit eine große Rolle spielen. Sicherheitsexperten konnten sich jedoch auf verschiedenen Wegen die Autosoftware von BMW hacken.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Das Mainboard der Haupteinheit des Infotainment-Systems von BMW
Das Mainboard der Haupteinheit des Infotainment-Systems von BMW (Bild: Tencent Keen Lab Security)

Bei einer ausführlichen Analyse der Fahrzeugsoftware von BMW-Modellen haben chinesische Experten mehr als ein Dutzend Sicherheitslücken gefunden. Die Lücken betrafen dabei das Infotainment-System mit der Haupteinheit, das Telematiksteuergerät (TCU) und das zentrale Gateway-Modul, das die Hauptbusse und die einzelnen Steuergeräte (ECU) miteinander verknüpft. Den Experten des Tencent Keen Security Lab gelang es dabei unter anderem, über einen gehackten Mobilfunkzugang Befehle auf den internen CAN-Bus zu senden.

Inhalt:
  1. Vernetztes Fahren: Forscher finden 14 Sicherheitslücken in BMW-Software
  2. Angriff aus der Ferne möglich

Der 26-seitigen Studie zufolge (PDF) war es möglich, sowohl über physische Schnittstellen wie eine USB-Buchse oder den OBD-II-Stecker als auch über Bluetooth oder Mobilfunk einen unautorisierten Zugang zu den Fahrzeugsystemen zu bekommen. Aus Sicherheitsgründen sollen die technischen Details der Lücken erst im kommenden Jahr veröffentlicht werden, damit BMW in der Lage ist, rechtzeitig für Abhilfe zu sorgen. Während manche Lücken über ein Fernupdate der Software (Over-the-Air) geschlossen werden können, ist bei anderen ein Werkstattbesuch erforderlich. Der Untersuchung zufolge finden sich die Lücken in zahlreichen BMW-Modellen, darunter die Reihen i, X, 3, 5 und 7. Von der TCU-Lücke seien alle Modelle seit 2012 betroffen, die über dieses Gerät verfügen.

Viele Schnittstellen ermöglichen Angriffe

Angesichts der zunehmenden Bedeutung von vernetzten Autos hat die Frage der IT-Sicherheit für die Autohersteller eine hohe Priorität bekommen. Das Problem: Moderne Autos verfügen über ein halbes Dutzend Schnittstellen, die ein Einfallstor für Schadcode sein können. Experten nennen beispielsweise aufgerufene Internetseiten mit Drive-by-Downloads; empfangene Nachrichten wie SMS, E-Mails oder sogar DAB+-Radio; angeschlossene Geräte wie Smartphones, Navis oder OBD-II-Stecker; Backends von Herstellern und Zulieferern für Cloud-Dienste oder Software-Updates; vernetzte Drittanbieter wie Versicherungen oder Telematikdienste; angeschlossene Drittgeräte wie Anhänger, Ladestationen oder digitale Tachographen sowie zu guter Letzt Verkehrsinfrastrukturen wie Verkehrsmanagement- und Abrechnungssysteme oder Car-to-X-Anwendungen.

Die Studie von Keenlab Security zeigt, dass es mit einem gewissen Aufwand möglich ist, in etlichen dieser Schnittstellen Lücken zu finden und diese auszunutzen. So fanden die Forscher heraus, dass die USB-Schnittstelle so konfiguriert ist, dass sie nach Updates auf eingesteckten Sticks sucht. Da nicht alle Updates von BMW signiert sein müssten, könnten über die Ausnutzung von Sicherheitslücken im Update-Dienst Root-Rechte auf dem Intel-System der Haupteinheit erlangt werden. Diese stammt von US-Hersteller Harman und hat die Abkürzung NBT, was für Next Big Thing stehen soll.

Lücken bei Bluetooth und E-Net

Stellenmarkt
  1. Software Entwicklungsingenieur*in (d/m/w)
    OSRAM GmbH, Paderborn
  2. Mitarbeiter (m/w/d) im internen IT-Support
    NOVENTI Health SE, Bietigheim-Bissingen, München
Detailsuche

Möglich sei der Zugriff auf die Haupteinheit auch beim sogenannten E-Net, einem internen Ethernet, das über die OBD-II-Diagnoseschnittstelle des Autos erreichbar ist. Über diese Verbindung kommunizieren auch die Haupteinheit und das zentrale Gateway miteinander. Mit Hilfe von Reverse Engineering sei es gelungen, den Code-Signing-Mechanismus zu umgehen und einen Root-Zugriff auf die Haupteinheit zu erhalten.

Über diesen Root-Zugang gelang es den Forschern zudem, Lücken im Bluetooth-System zu finden. Über dieses lassen sich Smartphones mit dem Infotainment-System verbinden. Mit Hilfe von Reverse Engineering sei die Bluetooth-Stack-Bibliothek eines Drittanbieters gefunden worden. Schließlich sei es gelungen, über manipulierte Nachrichten an den Stack einen Speicherfehler zu erzeugen. Damit gelang es zumindest, den Stack beim Pairing ohne PIN-Code zum Absturz zu bringen, so dass die Haupteinheit neu booten musste.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Angriff aus der Ferne möglich 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Niaxa 28. Mai 2018

Ich weis nicht was du hast. Ich bekomme bei fast allen Autos die Austattung die ich...

Niaxa 28. Mai 2018

Kannst du uns das mal nachweisen? So krasse Sachen glaube ich leider immer erst wenn ich...

Niaxa 28. Mai 2018

Nichts ist autonom. Das ist lediglich ein Buzzword, welches einen technischen Fortschritt...

S-Talker 28. Mai 2018

WOW. Das fällt erst jetzt auf? Das steht auch im krassen Widerspruch zu dem was ich...

Vinnie 28. Mai 2018

Um so komplexer die Programmierung, umso größer die Angriffsfläche und um so mehr Bugs...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Pornhub, Youporn, Mydirtyhobby
Gericht bestätigt Zugangsverbot für Pornoportale

Die Landesmedienanstalt NRW hat zu Recht gegen drei Pornoportale mit Sitz in Zypern ein Zugangsverbot verhängt.

Pornhub, Youporn, Mydirtyhobby: Gericht bestätigt Zugangsverbot für Pornoportale
Artikel
  1. Zip: Ratenzahlung in Microsoft Edge empört die Community
    Zip
    Ratenzahlung in Microsoft Edge empört die Community

    Die App Zip wird seit Microsoft Edge 96 standardmäßig aktiviert. Diese bietet Ratenzahlung an, schürt aber nur Hass in der Community.

  2. Kompakter Einstieg in die Netzwerktechnik
     
    Kompakter Einstieg in die Netzwerktechnik

    Die Golem Akademie bietet Admins und IT-Sicherheitsbeauftragten in einem Fünf-Tage-Workshop einen umfassenden Überblick über Netzwerktechnologien und -konzepte.
    Sponsored Post von Golem Akademie

  3. Razer Zephyr im Test: Gesichtsmaske mit Stil bringt nicht viel
    Razer Zephyr im Test
    Gesichtsmaske mit Stil bringt nicht viel

    Einmal Cyberpunk mit Beleuchtung bitte: Tragen wir Razers Zephyr in der U-Bahn, fallen wir auf. Allerdings ist das Produkt nicht ausgereift.
    Ein Test von Oliver Nickel

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Last Minute Angebote bei Amazon • Crucial-RAM zu Bestpreisen (u. a. 16GB Kit DDR4-3600 73,99€) • HP 27" FHD 165Hz 199,90€ • Razer Iskur X Gaming-Stuhl 239,99€ • Adventskalender bei MM/Saturn (u. a. Surface Pro 7+ 849€) • Alternate (u. a. Adata 1TB PCIe-4.0-SSD für 129,90€) [Werbung]
    •  /