Abo
  • Services:

Vernetztes Fahren: Daimler setzt bei automatisierten Lkw-Konvois auf WLAN

Die berüchtigten Elefantenrennen auf der Autobahn könnten bald der Vergangenheit angehören. Daimler testet das automatisierte Fahren im Verbund und hält die Ausbaupläne von Verkehrsminister Dobrindt für überflüssig.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Lkw-Fahrer können im automatisierten Modus zusätzlich im Konvoi fahren.
Die Lkw-Fahrer können im automatisierten Modus zusätzlich im Konvoi fahren. (Bild: Daimler)

Der Daimler-Konzern will mit vernetzten Lkw-Konvois den Gütertransport effizienter und sicherer machen. Dazu demonstrierte das Unternehmen in dieser Woche eine Verbundfahrt mit drei hochautomatisierten Lkw auf der A 52 in Nordrhein-Westfalen. "Wir nutzen ein gut abgesichertes Wifi, die Technik ist preiswert und überall verfügbar. Auf dieser Basis können die Fahrzeuge im Radius von 200 Metern untereinander kommunizieren", sagte Nutzfahrzeug-Vorstand Wolfgang Bernhard in einem Interview mit der Wirtschaftswoche. Eine Car-to-Car-Kommunikation über Mobilfunk, wie sie beispielsweise auf der A 9 getestet wird, ist damit nicht erforderlich.

Stellenmarkt
  1. Visteon Electronics Germany GmbH, Karlsruhe
  2. SCHUFA Holding AG, Wiesbaden

Dies gelte auch für eine aufwendige Infrastruktur an den Autobahnen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) "muss also nicht erst Milliarden in ein Datensystem investieren", sagte Bernhard. Die Herausforderungen bestünden weniger bei den Kosten der Technik, sondern darin, branchenweite Standards und einen gesetzlichen Rahmen zu bekommen. Denn die Fahrt im vernetzten Konvoi ist nur dann sinnvoll, wenn der Sicherheitsabstand so gering ist, dass die Lkw im Windschatten voneinander fahren können.

Sicherheitsabstand nur 15 Meter

Derzeit schreibt Paragraf 4 der Straßenverkehrsordnung jedoch noch einen Mindestabstand von 50 Metern vor, wenn Lkw schneller als mit 50 km/h auf der Autobahn unterwegs sind. Im vernetzten Konvoi sollen die Lkw jedoch auf 15 Meter aneinander heranrücken. Dies hat laut Daimler den weiteren Vorteil, dass ein solcher Verbund nur noch 80 statt 150 Meter lang ist und damit deutlich weniger Platz auf der Straße braucht.

Die Spritersparnis soll insgesamt bei sieben Prozent liegen. Selbst der erste Lkw in einem Dreier-Konvoi kann wegen einer besseren Aerodynamik zwei Prozent seines Treibstoffs sparen. Der mittlere spart mit elf Prozent am meisten, beim dritten Fahrzeug sind es noch sieben Prozent. Damit seien Verbrauchswerte von 25 Litern auf 100 Kilometern für einen beladenen Sattelzug mit 40 Tonnen Gesamtgewicht möglich, teilte Daimler mit.

Reaktionszeit liegt bei 100 Millisekunden

Laut Bernhard verändert sich der Sicherheitsabstand von 15 Metern bei einer unerwarteten Vollbremsung nicht. "Die Reaktionszeit liegt bei einer Zehntelsekunde. Selbst ein aufmerksamer Fahrer reagiert erst nach 1,2 Sekunden", sagte der Lkw-Vorstand. Zudem könnten die Fahrer über das Kamerasystem die Aussicht vor dem ersten Truck des Konvois sehen. Damit könnten sie erkennen, "ob bei der Verkehrslage ein Überholvorgang überhaupt sinnvoll ist. Das hilft auch, den Stress abzubauen, die Lage auf der Autobahn zu entspannen und letztendlich den Verkehr zu vermindern". Für die WLAN-Kommunikation zwischen Fahrzeugen wurde der Standard IEEE 802.11p entwickelt.

Daimler will sich mit anderen Herstellern auf ein gemeinsames Protokoll verständigen, damit die Fahrzeuge markenübergreifend miteinander kommunizieren können. Bernhard rechnet damit, die im vergangenen Jahr von Golem.de getesteten hochautomatisierten Funktionen in wenigen Jahren zur Serienreife bringen zu können. Das Koppeln im Verbund, das auf dem sogenannten Highway Pilot basiert, könne zeitnah umgesetzt werden. Die Lkw könnten laut Daimler übergangslos vom Konvoi entkoppeln und alleine im automatisierten Modus weiterfahren.

Die Verbreitung der neuen Technik könnte dabei schneller erfolgen als bei Pkw. "Wir haben es nicht mit Einzelkunden zu tun, sondern unsere Kunden haben große Flotten, die recht kostengünstig aufgerüstet werden können. Deshalb erwarten wir, dass sich die Technologie schneller verbreiten wird und wir auch mit einem geringeren Anteil auskommen werden", sagte Bernhard. Bis 2020 will das Unternehmen 500 Millionen Euro in das vernetzte Fahren investieren.

Daimler wünscht sich bessere Netzabdeckung

Auch wenn die Konvoi-Fahrten kein schnelles Mobilfunknetz benötigen: Die vernetzten Lkw sind durchaus auf eine gute Netzabdeckung angewiesen. "Die Telekommunikationsunternehmen haben bislang unzureichend verstanden, welche Umsatzmöglichkeiten sich auf den Autobahnen und Straßen ergeben", sagte Bernhard und fügte hinzu: "Natürlich muss niemand einen HD-Film im Auto herunterladen können, aber heute haben sie selbst mit der Übertragung von Real-Time-Traffic-Information auf einigen Streckenabschnitten ein Problem. Eine verlässliche und durchgängige LTE-Abdeckung auf den wichtigsten Transitstrecken in Europa wäre wirklich kein Luxus, wir sind dort einfach hinter der Zeit." Darüber hinaus sehe er "keine echten Blockaden".



Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 53,99€
  2. 12,49€
  3. 28,99€
  4. 99,99€

Lasse Bierstrom 26. Mär 2016

Alles negativ und schlecht ist. Wenn du Argumente dagegen bringst bist du ein Jünger der...

Der Spatz 25. Mär 2016

Mal mit Eisen (Ironie) Stell Dir halt mal die typische Autobahnsituation vor: PKW-Fahrer...

Kondratieff 24. Mär 2016

Ich gehe davon aus, dass Bernhard sich seiner etwas unpräzisen Aussage nicht bewusst war...


Folgen Sie uns
       


Sony Xperia XZ2 Compact - Test

Sony hat wieder ein Oberklasse-Smartphone geschrumpft: Das Xperia XZ2 Compact hat leistungsfähige Hardware, eine bessere Kamera und passt bequem in eine Hosentasche.

Sony Xperia XZ2 Compact - Test Video aufrufen
Razer Nommo Chroma im Test: Blinkt viel, klingt weniger
Razer Nommo Chroma im Test
Blinkt viel, klingt weniger

Wenn die Razer Nommo Chroma eines sind, dann auffällig. Dafür sorgen die ungewöhnliche Form und die LED-Ringe, die sich beliebig konfigurieren lassen. Die Lautsprecher sind aber eher ein Hingucker als ein Hinhörer.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Razer Kiyo und Seiren X im Test Nicht professionell, aber schnell im Einsatz
  2. Stereolautsprecher Razer Nommo "Sind das Haartrockner?"
  3. Nextbit Cloud-Speicher für Robin-Smartphone wird abgeschaltet

Underworld Ascendant angespielt: Unterirdische Freiheit mit kaputter Klinge
Underworld Ascendant angespielt
Unterirdische Freiheit mit kaputter Klinge

Wir sollen unser Können aus dem bahnbrechenden Ultima Underworld verlernen: Beim Anspielen des Nachfolgers Underworld Ascendant hat Golem.de absichtlich ein kaputtes Schwert bekommen - und trotzdem Spaß.
Von Peter Steinlechner

  1. Otherside Entertainment Underworld Ascendant soll mehr Licht ins Dunkle bringen

P20 Pro im Kameratest: Huaweis Dreifach-Kamera schlägt die Konkurrenz
P20 Pro im Kameratest
Huaweis Dreifach-Kamera schlägt die Konkurrenz

Mit dem P20 Pro will Huawei sich an die Spitze der Smartphone-Kameras katapultieren. Im Vergleich mit der aktuellen Konkurrenz zeigt sich, dass das P20 Pro tatsächlich über eine sehr gute Kamera verfügt: Die KI-Funktionen können unerfahrenen Nutzern zudem das Fotografieren erleichtern.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Android Huawei präsentiert drei neue Smartphones ab 120 Euro
  2. Wie Samsung Huawei soll noch für dieses Jahr faltbares Smartphone planen
  3. Porsche Design Mate RS Huawei bringt 512-GByte-Smartphone für 2.100 Euro

    •  /