Vernetztes Fahren: Autoindustrie weiter scharf auf Wetter- und Staudaten

Die Debatte über die Datenhoheit beim vernetzten Fahren geht an der Automobilbranche völlig vorbei. Fast alle Firmen fordern weiterhin eine gesetzliche Verpflichtung zum Transfer von Wetter - und Staudaten.

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Die Autobranche will eine gesetzliche Pflicht für Datentransfer.
Die Autobranche will eine gesetzliche Pflicht für Datentransfer. (Bild: Here)

Wem gehören die Daten vernetzter Fahrzeuge? Nach dem Willen der Autoindustrie sollen die Fahrzeugbesitzer keine Möglichkeit erhalten, die Übertragung bestimmter Daten ihrer Autos zu unterbinden. Wie aus einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom hervorgeht, verlangen weiterhin 86 Prozent der befragten 177 Unternehmen aus der Automobilbranche eine gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung anonymisierter Fahrzeugdaten. Jedes vierte dieser Unternehmen will sogar, dass alle generierten Daten bereitgestellt werden müssen.

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Damit hat sich die Position der Branche seit einer vergleichbaren Bitkom-Umfrage vor zwei Jahren nicht geändert. Allerdings sind in der Zwischenzeit von zahlreichen Verbänden und Institutionen Forderungen laut geworden, den Fahrzeugführern die Hoheit über die Autodaten zu überlassen. Dazu zählen beispielsweise der Verbraucherzentrale Bundesverband, die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff und die Ethikkommission der Bundesregierung zum hochautomatisierten Fahren. Der Automobilverband ADAC fordert ebenfalls einen Ausschaltknopf für Datentransfers.

Bitkom fordert verlässliche Regeln

Von den Automobilfirmen, die eine gesetzliche Verpflichtung befürworten, wollen 98 Prozent, dass anonymisierte Wetter- und Staudaten gesammelt werden. 80 Prozent plädieren für die Bereitstellung von Positionsdaten des Fahrzeugs, drei Viertel (76 Prozent) für die Nutzung von Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Beschleunigung oder Bremsvorgänge. Vier von zehn Unternehmen (42 Prozent) halten der Umfrage zufolge auch eine Auswertung von Daten über den technischen Zustand des Fahrzeugs auf gesetzlicher Grundlage für sinnvoll.

Der neue Bitkom-Präsident Achim Berg hält eine Auswertung der Fahrzeugdaten ebenfalls für sinnvoll. "Fahrer können so rechtzeitig gewarnt oder auf eine bessere Strecke geschickt werden. Diese Datenschätze müssen wir besser nutzen", sagte Berg. Allerdings forderte er "gerade aber auch mit Blick auf selbstfahrende Autos klare und verlässliche Regeln, wer welche Daten erheben und nutzen darf".

Autofahrer wollen teilen, aber auch Kontrolle

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Ob es dazu tatsächlich eine gesetzliche Verpflichtung geben muss, ist bislang fraglich. Je nach Umfrage sind die Autofahrer zwar auf der einen Seite mehrheitlich bereit, ihre Fahrzeugdaten zu teilen, wenn dies beispielsweise die Verkehrssicherheit erhöht. Einer anderen Umfrage zufolge will dennoch die große Mehrheit von ihnen den Datenstrom selbst abstellen können. Dies wäre bei einer gesetzlichen Verpflichtung dann nicht mehr möglich.

Die künftige Bundesregierung müsste sich daher entscheiden, ob sie die Interessen der Automobilbranche höher gewichtet als die der Verbraucher. Aus den Wahlprogrammen der Parteien lässt sich keine eindeutige Präferenz für eine bestimmte Position herauslesen. Für eine Lösung des Problems müsste zunächst geklärt werden, wem die Daten eigentlich "gehören" und welche Fahrzeugdaten einen Personenbezug besitzen.

Autobranche mit eigenem Konzept

Ein im Juni vorgestelltes Konzept der Automobilindustrie sieht vor, dass die Fahrzeugdaten in in fünf Kategorien unterteilt werden, von denen nur eine einzige personenbezogene Daten enthalten soll und daher unter den Datenschutz fällt. Die anderen Daten sollen sich beispielsweise zur Verbesserung der Verkehrsicherheit, für markenübergreifende Dienste und für die Komponentenanalyse und Produktoptimierung nutzen lassen.

Die Hersteller wollen dem Fahrzeugnutzer in allen Kategorien "Entscheidungsmöglichkeiten, die er jederzeit widerrufen kann, zur Verfügung stellen". Die Wahlmöglichkeit entfällt nur bei gesetzlich vorgeschriebenen Funktionen. Es ist daher kein Wunder, dass es nach Ansicht der Autoindustrie möglichst viele dieser Zwangsübertragungen geben soll, damit ihre Geschäftsmodelle gut funktionieren.

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