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Vernetzte Hörgeräte und Hearables: Ich filter mir die Welt widdewiddewie sie mir gefällt

Gleiche Funktionen, gegenteiliges Ziel: Mit Hilfe smarter Hörgeräte sollen Hörgeschädigte wieder optimal hören, gut Hörende dagegen filtern damit heraus, was sie nicht hören wollen. Und das ist ziemlich attraktiv.
/ Sebastian Wochnik
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Das Linx 2 von Resound ist mit dem Smartphone vernetzt und hinter dem Ohr fast nicht zu erkennen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Das Linx 2 von Resound ist mit dem Smartphone vernetzt und hinter dem Ohr fast nicht zu erkennen. Bild: Martin Wolf/Golem.de

Noch haben es nicht einmal Fitnesstracker und Smartwatches geschafft, den Massenmarkt zu erreichen, da sehen Analysten(öffnet im neuen Fenster) die Zukunft(öffnet im neuen Fenster) schon bei einer anderen Art von Wearables: den Hearables. Diese kleinen, vernetzten und smarten Geräte sollen wir in unserem Ohr tragen, genau wie wir jetzt schon immer das Smartphone in unserer Nähe haben. Große Unternehmen wie auch kleine Startups planen an diesen Wearables der Zukunft – dabei gibt es sie eigentlich bereits: Hörgeräte.

Durch die Vernetzung mit dem Smartphone und der Miniaturisierung von Technik sind diese längst mehr als reine Hörhilfen. Ich habe ausprobiert, wie vielversprechend es für gut Hörende ist, so ein Gerät im Ohr zu tragen und nachgefragt, ob es auch der eigentlichen Zielgruppe hilft, den Schwerhörigen. Nach diesen Wochen voller spannender Erfahrungen und Gespräche finde ich das Konzept durchaus überzeugend.

So hip wie eine Apple Watch

Drei Wochen lang habe ich das Linx 2(öffnet im neuen Fenster) von GN Resound getragen – das High-End-Gerät des Herstellers -, ein Gerät, das nicht einfach nur Geräusche und Stimmen verstärkt, um einen Hörverlust auszugleichen. Auch der nächste Schritt wird angegangen: die Gehör-Erweiterung. Dass die Geräte dadurch auch für gut Hörende wie mich interessant werden, ist eigentlich ein Nebeneffekt: Mit der Ausrichtung ins Lifestyle-Segment wollen die Hersteller vor allem das schlechte Image der Hörgeräte bekämpfen.

In Deutschland gibt es, je(öffnet im neuen Fenster) nach(öffnet im neuen Fenster) Statistik(öffnet im neuen Fenster) , sechs bis sieben Millionen mittel- bis hochgradig schwerhörige Menschen. Mit Hörgeräten versorgt sind aber nur 2,5 Millionen. Das liegt laut den Herstellern an Vorurteilen: Viele gestehen sich nur ungern ein, dass sie ein Gerät brauchen, das doch nur etwas für alte Leute oder Menschen mit Behinderung ist. Um dem etwas entgegenzusetzen, positionieren die Hersteller ihre Hörgeräte mittlerweile nicht nur als reine Medizintechnik, sondern als Lifestyle-Produkt: Das Hörgerät in einer Reihe mit dem iPhone und der Apple Watch – zugespitzt formuliert: ein weiteres Gadget, das den Alltag angenehmer machen soll. Natürlich mit vielen Funktionen wie Streamen von Musik oder Tracken per GPS.

Aber braucht man das wirklich alles?

Das Baby ist stumm

Bevor ich mein Hörgerät einsetzen kann, wird ein kurzer Hörtest durchgeführt. Jedes Gerät muss nämlich individuell an den Träger angepasst werden. Bei Schwerhörigen ist das Einstellen ein Prozess, der sich über mehrere Wochen zieht: In regelmäßigen Sitzungen stellt der Hörgeräteakustiker dabei die Geräte auf die Wünsche der Kunden ein. Da ich ein recht gutes Gehör habe, muss kein Frequenzbereich besonders verstärkt werden und auch die verschiedenen Umgebungsfilter müssen nicht besonders angepasst werden.

Für die kommenden Wochen habe ich vier Hörprogramme, die mir den Alltag erleichtern sollen: der Restaurantmodus, dessen Filter besonders Stimmen hervorheben und klirrende Teller und Besteck dämpfen sollen. Auch einen Naturmodus gibt es, der besonders Windgeräusche unterdrückt, sowie einen Allroundmodus, der die restlichen Alltagssituationen abdecken soll und den ich in den kommenden Wochen am häufigsten verwenden werde. Der vierte Modus ist für das Audiostreaming vom Smartphone oder von anderen Zubehörteilen gedacht.

Jetzt kann ich endlich das Hörgerät, ein Resound Linx 2, aufsetzen und einschalten. Dreimal gibt das kleine Gerät einen Signalton ab und ich weiß, es ist eingeschaltet. Dass es auf meinem Ohr liegt, merke ich gar nicht. Das Hörgerät ist so klein und leicht, dass ich einzig das Kabel spüre, das sich in meinem Ohr befindet. Und auch das vergesse ich schon nach ein paar Tagen. Jetzt entscheidet nicht mehr mein Hirn, welche akustischen Signale wichtig sind, sondern das Hörgerät – anfangs ist das noch sehr ungewohnt.

Das Hörgerät entscheidet, was wichtig ist

Ich setze mich in einen Park am Rande der Altstadt und stelle fest, dass ich die Umwelt durch das Hörgerät ganz anders wahrnehme: Die vielen Autos um mich herum klingen sehr dumpf, dafür klingt das Vogelgezwitscher in der Frühlingssonne Münsters sehr hell. Vielleicht 20 Meter vor mir schreit ein kleines Baby – das sehe ich aber nur, die Störgeräuschfilter haben die Frequenzen des Geschreis stark abgesenkt. Ab jetzt entscheidet das Hörgerät, was wichtig ist und was ich hören muss – der unwichtige Rest wird einfach heruntergeregelt.

Für mich als gut Hörenden ist die starke Filterung auch nach ein paar Tagen noch ungewohnt: Plötzlich höre ich den Kaffee wesentlich lauter in die Tasse plätschern, meine auf nassem Boden leicht quietschenden Schuhe aber gar nicht mehr. Würde ich das leichte Quietschen der Schuhe aber tatsächlich vermissen, könnte der Hörgeräteakustiker das Gerät entsprechend einstellen.

Viele Dinge können aber auch in der Smartphone-App des Hörgeräts nachjustiert werden: Wie stark Umgebungsgeräusche gefiltert werden sollen, kann ich jederzeit ändern. Oder aber, ob ich höhere oder niedrigere Frequenzen betont haben möchte. Ebenfalls sehr praktisch: das Einstellen des Hörkegels im Restaurantmodus.

Die App kennt meine Stammkneipe

Der Restaurantmodus verstärkt besonders die Stimme des Gegenübers und soll alle anderen Geräusche wegfiltern. Und das klappt sehr gut: Auch wenn ich in einer vollen und recht lauten Bar mit Freunden unterwegs bin, kann ich mein Gegenüber immer gut verstehen – besser als ohne Hörgerät. Noch vor ein paar Jahren stellte eine solche Umgebung das Worst-Case-Szenario für Hörgeräteträger dar – damals war die Filtertechnik noch nicht so weit.

Damit ich nicht immer manuell am Hörgerät oder Smartphone das Hörprogramm umstellen muss, merkt sich die App den Standort und das gewählte Hörprogramm und wechselt automatisch dahin, wenn ich diesen Ort besuche. So hat sich die App bereits beim dritten Besuch der Stammbar gemerkt, dass ich hier den Restaurantmodus aktiviert haben möchte. Im Golem.de-Büro stellt sich der Naturmodus ein; beim Arbeiten möchte ich besonders die Umgebungsgeräusche stark gefiltert haben, auch das hat sich die App gemerkt. Und so höre ich dank des Hörgeräts die Tastaturen der Kollegen stark gedämpft.

Bereits jetzt stelle ich fest: Solche Funktionen und Filter könnten die Hearables der Zukunft durchaus attraktiv machen. Auch wenn es nur vermeintlich kleine Verbesserungen sind, machen sie den Alltag angenehmer.

Die Vernetzung ist noch ein Problem

Da das Hörgerät direkt mit dem Smartphone verbunden ist, kann es wie ein Bluetooth-Kopfhörer eingesetzt werden und ich kann Musik über das Gerät hören. Viele nutzen es auch zur Navigation des Autos, da die gesprochenen Befehle der Navigationssoftware so für die meisten Hörgerätenutzer wesentlich verständlicher sind. Aber auch das Audiosignal des Fernsehers kann an das Hörgerät übertragen werden. Hierfür gibt es spezielles Zubehör, das direkt an den Fernseher angeschlossen werden kann.

Die Vernetzung ist allerdings immer noch ein Problem. Eine große Baustelle ist laut dem Geschäftsführer von Resound Deutschland, Joachim Gast, immer noch die Kommunikation zwischen Hörgerät und Smartphone: Träger von Hörgeräten erwarten Akkulaufzeiten von mehreren Tagen – idealerweise eine Woche. Würde einfach Bluetooth 4.0 zur Datenübertragung verwendet, würden die Hörgeräte durch die kompakte Bauweise und die kleinen Batterien kaum einen Tag halten.

Ein angepasstes Bluetooth

Deswegen verwendet Resound zur Kommunikation ein angepasstes Bluetooth-LE-Protokoll, um auch Audiodaten übertragen zu können; der Standard sieht das eigentlich nicht vor. Das angepasste Protokoll wurde von Apple entwickelt und ist deswegen nur in Geräten mit iOS implementiert. Eigentlich könnten es auch die vielen Hersteller von Android-Geräten mit ihren Custom-ROMs unterstützen, doch sparen sich die meisten die Arbeit. Laut Resound ist es auch schon vorgekommen, dass Hersteller mit einem Update das angepasste Protokoll wieder entfernt haben, so dass sich Nutzer von Hörgeräten mit einem entsprechenden Smartphone nicht mehr mit diesem verbinden konnten.

Apple dagegen ist bemüht, sein Betriebssystem möglichst barrierefrei zu gestalten: So finde ich auf meinem iPhone für die Hörgeräte einen eigenen Menüpunkt in den Einstellungen, in dem ich noch einmal Feinabstimmungen vornehmen kann. Hier wähle ich auch aus, ob Klingeltöne und Benachrichtigungen auf das Hörgerät übertragen werden sollen.

Induktionsspule: wenig elegant, dafür kompatibel

Um Kompatibilitätsprobleme auszuschließen, wählen andere Hersteller wie Phonak einen anderen Weg und setzen die weit verbreitete Induktionsspule zur Übertragung von Sprache und Musik ein. Das Smartphone wird mit einem zigarettenschachtelgroßen Dongle verbunden, das der Nutzer zur Sendung der passenden Induktionssignale um den Hals tragen muss. Im Vergleich zur Bluetooth-Lösung ist diese Variante weniger elegant.

Doch scheint es für die Datenübertragung bald eine Lösung zu geben: Mit dem Ende vergangenen Jahres festgelegten neuen Bluetooth-LE-Standard soll die Audio-Übertragung offiziell unterstützt werden. Resound will dazu beitragen, das neue Protokoll als Standard für die Vernetzung von Hörgeräten zu etablieren. Bisher ist das Zubehör der verschiedenen Hersteller auch nicht kompatibel.

Für mich sind die Funktionen des Hörgeräts ganz nett, einige Probleme stehen vor einer Lösung – aber was sagt die Hauptzielgruppe zu den Geräten?

Die Krankenkassen wollen nicht zahlen

Ohne Hörgerät wäre für Wolfgang Buchholz keine Kommunikation möglich, da er nahezu taub ist. Der Neubrandenburger engagiert sich seit Jahren im Deutschen Schwerhörigen Bund e. V. und hat zuvor als Sozialarbeiter dort gearbeitet. Der Rentner nutzt seit 43 Jahren Hörgeräte, aktuell trägt er ein vernetztes Modell von Phonak. Dafür braucht er aber noch ein Dongle mit Induktionsschleife, das er unter seinem blau-weiß karierten Hemd und dem grauen Pullover trägt, da sein Hörgerät nicht direkt mit dem Smartphone verbunden werden kann.

Wie er seine Umwelt ohne Hörgerät wahrnimmt, zeigt er mir mit einer speziellen Software. In dieser hat Buchholz sein vom Hörgeräteakustiker gemessenes Hörprofil eingespeichert und kann so simulieren, wie er verschiedene Klänge wahrnimmt: viele gar nicht! Von Gesprächen bekommt er ohne Hörgerät nur wenig mit, statt Stimmen hört er dumpfes Gebrabbel. Deswegen braucht Buchholz ein Hörgerät mit besonders starker Verstärkungsleistung, ganz so schlank wie mein Modell fällt es nicht aus.

Gemeinsam fernsehen und telefonieren dank Vernetzung

Die smarten Funktionen weiß Buchholz sehr zu schätzen: Ohne die Vernetzung von Hörgerät und Fernseher müsste er Letzteren sehr laut stellen, was wiederum für seine Frau unerträglich wäre. Dass beide zusammen Filme oder Nachrichten schauen, wäre also kaum möglich. Aber auch sonst schränkt der Hörverlust sogar mit Hörgerät das soziale Leben stark ein: Einfaches Telefonieren wäre für Buchholz ohne die Vernetzung mit dem Smartphone kaum möglich.

Doch die Krankenkassen zahlen nicht für Hörgeräte mit entsprechenden Funktionen oder Zubehör, das auch älteren Hörgeräten die Vernetzung ermöglicht. Hörhilfen bezuschussen die gesetzlichen Kassen pauschal mit einem Festbetrag von 987 Euro – für vernetzte Hörgeräte reicht das nicht. Wenn Hörgeschädigte ein solches Gerät haben wollen, um wieder halbwegs normal am sozialen Leben teilhaben zu können, müssen sie die Restkosten selbst tragen. Oft sind das mehrere Tausend Euro.

Die Kassen halten Vernetzung für Luxus-Feature

Gegen diesen pauschalen Festbetrag wehren sich Buchholz und der Deutsche Schwerhörigen Bund seit Jahren. In einem Grundsatzurteil im Jahre 2009(öffnet im neuen Fenster) entschied das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel für einen schwerhörigen Baden-Württemberger und urteilte, dass Menschen mit Behinderung – dazu zählen auch Hörgeschädigte – Anspruch auf einen möglichst weitgehenden "unmittelbaren Behinderungsausgleich" haben müssen.

Die Richter entschieden, dass Hörgschädigte Anspruch auf Hörgeräte haben, "die nach dem Stand der Medizintechnik die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben." Dazu zählt auch die Vernetzung mit dem Smartphone, um überhaupt wieder telefonieren zu können. Doch wehren sich die Krankenkassen gegen das Urteil und zahlen in den meisten Fällen immer noch lediglich den Festbetrag. Und so klagt auch Buchholz aktuell gegen seine Krankenkasse. Ein Urteil steht noch aus. Doch ist er zuversichtlich, immerhin haben viele weitere Hörgeschädigte erfolgreich geklagt.

In den Augen der Krankenkassen ist die Vernetzung nicht nötig und eher ein Luxus-Feature. Buchholz hat auf die weiteren Pläne der Hörgerätehersteller jedoch einen anderen Blick – zumindest teilweise.

Wie viel Vernetzung ist nötig?

Einige Hersteller vernetzen ihre Hörgeräte bereits jetzt noch stärker als Resound und unterstützen Plattformen wie IFTTT(öffnet im neuen Fenster) . Das Hörgerät wird Teil des Internets der Dinge und Hörgeräteträger können einfache If-this-then-that-Scripte programmieren. So sind Benachrichtigungen zur Medikamenteneinnahme denkbar. Oder aber die vernetzte Kaffeemaschine gibt aufs Hörgerät Bescheid, wenn der Kaffee fertig ist.

Auch GN Resound arbeitet an der weiteren Vernetzung der Hörgeräte, konzentriert sich aber eher auf die Vernetzung mit der smarten Stadt. So will es Ansagen an Bahnhöfen und Flughäfen direkt auf das Hörgerät streamen – natürlich nur die, die auch den Nutzer betreffen. Schon bald soll in einem Pilotprojekt mit der Bahn ein solcher Test starten. Und auch was die Vernetzung von Hörgeräten mit dem Smart Home angeht, will Resound noch in diesem Jahr Neues ankündigen. Buchholz freut sich auf diese Neuerungen. Das Problem, an Bahnhöfen Ansagen nicht gut zu verstehen, kennt er.

Und auch bei der Vernetzung mit dem Smart Home sieht er Potenzial: Viele Hörgeschädigte haben etwa Probleme, die Türklingel zu hören. Buchholz hat von der Krankenkasse schon vor vielen Jahren ein Klingelsystem mit Blitzlampe bekommen. In Zukunft könnte das Audiosignal der Klingel einfach auf das Hörgerät gestreamt werden.

Viele sind mit den Funktionen überfordert

Doch warnt Buchholz auch vor zu vielen Funktionen; schon jetzt seien viele mit ihren Hörgeräten überfordert. Besonders ältere Nutzer täten sich schwer, neue Dinge zu lernen. Schon heute schaffen es laut Buchholz viele Hörgeräteakustiker nicht, alle Funktionen im Detail zu erklären, dazu fehle einfach die Zeit.

Viele Träger von Hörgeräten wollen sich auch nicht allzu sehr damit beschäftigen und nutzen viele Funktionen einfach nicht. Die Hersteller versuchen daher, alles so einsteigerfreundlich wie möglich zu halten, denn sie wissen auch: Wer einmal eine der smarten Funktionen nutzt, will sie meist nicht mehr missen.

Die perfekte Welt ist gefiltert

Eines ist klar: Die Hörgeräte der Lifestyle-Generation zeigen zwar, was die Hearables der Zukunft leisten können, sie werden diese aber nicht ersetzen. Zu unterschiedlich sind die Zielgruppen. Für Hörgeschädigte wird weiterhin der Ausgleich ihrer Hörschädigung im Vordergrund stehen. Und solange die Krankenkassen die Kosten der vernetzten Geräte nicht voll übernehmen, wird sich wohl nur ein Teil der Zielgruppe den Luxus der Zusatzfunktionen leisten – so überzeugend sie sind.

In den kommenden Jahren werden weitere hilfreiche Funktionen für Hörgeschädigte hinzukommen. Bereits jetzt sind zahlreiche Projekte an Bahnhöfen oder mit Museen in Planung, bei denen Ansagen oder Texte direkt auf das Hörgerät gestreamt werden sollen. Es ist zu hoffen, dass solche Funktionen in einiger Zeit auch in günstigere Geräte integriert werden.

Doch irgendwann wird sich die Branche die Frage stellen: Wie viel Vernetzung ist eigentlich nötig? Besonders bei der Vernetzung mit dem Smart Home wird sich zeigen, wie sinnvoll diese ist. Wenn die Waschmaschine fertig ist oder der Kaffeeautomat entkalkt werden möchte, müssen solche Informationen nicht unbedingt auf das Hörgerät gestreamt werden.

Einfach nicht alles hören müssen

Einige solcher Informationen und vor allem die Möglichkeit, nur zu hören, was man hören will, sind aber tatsächlich auch für gut Hörende interessant. Sie machen das Hören einfach angenehmer. Die Pläne verschiedener Hersteller, Hearables als neue Wearables der Zukunft zu etablieren, sind daher durchaus vielversprechend – sofern die Geräte erschwinglich werden.

Es wird interessant, in den kommenden Jahren zu beobachten, wie die verschiedenen Filterfunktionen aus der Medizintechnik in Hearables und Apps integriert werden. Die Richtung ist klar: Wir werden uns die Welt zurechtfiltern, wie wir gerade Lust haben. Das haben schon jetzt zahlreiche Startups erkannt. Die smarten Kopfhörer von Here(öffnet im neuen Fenster) etwa bieten Filter für verschiedene Umgebungen und Alltagssituationen – im Grunde genau wie ein Hörgerät.

Schon jetzt tauscht sich GN Resound mit dem Schwesterunternehmen Jabra intensiv aus und teilt Erfahrungen und Wissen. Das zeigt sich auch in den Produkten von Jabra: Die Sportkopfhörer Elite Sport ermöglichen das Zuschalten von Umgebungsgeräuschen – natürlich nur die wichtigen. Und zukünftig sollen noch weitere Funktionen folgen.

Der Markt der Hearables wird in der kommenden Zeit stark wachsen. Anders als Smartwatches oder Fitnessarmbänder unterstützen uns die Geräte nicht nur mit ihren Funktionen, sondern verändern, wie wir die Welt wahrnehmen – oder eben nicht: Für so manches Bargespräch oder schreiende Baby wünscht sich wohl jeder eine Filtermöglichkeit.


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