Synthesizer-Firma Vermona: Aus DDR-Ruinen auferstanden

Hier wird das Techie-Herz erwärmt: Diese Serie ist für alle von euch, die sich jeden Tag eine kleine Auszeit von der Weltlage wünschen. Es gibt täglich eine Geschichte für euch aus unserem Archiv - geeignet für ein wenig fröhlichen Eskapismus. Viel Spaß!
Der Instrumentenbau hat eine jahrhundertelange Tradition im Musikwinkel(öffnet im neuen Fenster) zwischen Klingenthal, Schöneck und Markneukirchen. Auch heute noch bauen dort über 100 Firmen Geigen, Gitarren, Harmonikas und weitere Orchesterinstrumente.
Zu DDR-Zeiten befand sich hier auch die Fertigung elektrischer und elektronischer Klangerzeuger. Auf der zweimanualigen E-Orgel ET 6(öffnet im neuen Fenster) fand sich 1972 erstmals das Logo mit dem Schriftzug Vermona. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Name(öffnet im neuen Fenster) zum Inbegriff für DDR-Musikinstrumente und professionelle Beschallungstechnik.
In den 1980er Jahren arbeiteten zeitweise über 3.000 Menschen bei Vermona.
Nach der Wende gab es kaum noch Nachfrage nach der als veraltet geltenden Technik, Vermona wurde abgewickelt. Allerdings machten sich drei Ingenieure aus der Entwicklungsabteilung des ehemals staatseigenen Betriebes in den 1990ern kurzerhand selbstständig und bauten fortan, was benötigt wurde: von Telefonanlagen bis zu Bestellsystemen für Restaurants - es gab kaum Bereiche, in denen Lothar Dietrich, Thomas Buchheim und Bernd Haller nicht tätig wurden.
Nur Musikinstrumente gehörten fortan nicht mehr zum Spektrum der Firma HDB, deren Name einfach aus den Anfangsbuchstaben der Gründer besteht.
Thomas Haller ist der Sohn des 2015 verstorbenen Firmengründers Bernd Haller und jetzt Geschäftsführer des Unternehmens. Er hat die ersten Jahre auch noch miterlebt: "Die drei Herren, die die Firma gegründet hatten, hatten zunächst keine Ahnung vom Markt und davon, was eigentlich los ist in der Musikbranche."





Das änderte sich jedoch in den 2000er Jahren, als der Zufall ins Spiel kam. Es hatte sich nämlich ein ehemals westdeutsches Unternehmen vor Ort mit einer Zweigstelle angesiedelt - und brauchte Expertise. Zunächst ging es nur um Bassverstärker, aber schnell stellte sich heraus, dass auch die eigentlich als veraltet geltenden analogen Synthesizer wieder nachgefragt waren.
Die mittlerweile aufblühende Techno-Kultur sorgte für einen neuen Markt für alte Geräte.
Von der Auftragsherstellung zur Eigenentwicklung
HDB ging zur Auftragsproduktion für Warwick, Stanton Magnetics und Pro Audio über und begann ab 1999, wieder eigene Komponenten herzustellen. Die Retro-Welle hatte zur Folge, dass der Name Vermona wieder passte - also sicherte sich HDB die Rechte an Marke und Logo.
Die ersten unter dem klassischen Namen erschienenen Produkte waren zwei Effektgeräte und eine analoge Drum-Machine(öffnet im neuen Fenster) . Die Palette wurde in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich erweitert. Der Schwerpunkt liege dabei auf der handwerklichen Qualität, sagt Thomas Haller:
"Die Bezeichnung 'deutsche Ingenieurskunst' ist vielleicht übertrieben, aber das ist schon, wie wir das angehen. Wir legen Wert darauf, dass es ein ordentliches Metallgehäuse ist und dass ein Regler, wenn man ihn anfasst, nicht wackelt und alles ordentlich aufgebaut ist."
Weil die Geräte in Deutschland produziert werden, sind die Preise vergleichsweise hoch, die Stückzahlen eher klein. Trotzdem hat sich Vermona als elektroakustische Manufaktur erneut einen Namen gemacht - wer die Geräte heute kauft, wisse oftmals gar nicht, dass die Firma eine DDR-Vorgeschichte hat, sagt Thomas Haller.
Der Zufall blieb ein wesentliches Element bei Vermona. So ist eines der erfolgreichsten Produkte der Melodicer(öffnet im neuen Fenster) - ein Sequenzer, der in einem vorgegebenen Rahmen Zufallswerte erzeugt, die sich in rhythmische Klänge umsetzen lassen.
Wie die anderen Geräte von Vermona lebt er von seiner Haptik. Knöpfe und Regler statt Software, das führt intuitiv auch für musikalisch eher wenig begabte Menschen schnell zu erstaunlich gut klingenden Ergebnissen. Die meisten Geräte des Herstellers sind solche kreativen Werkzeuge, die den Spieltrieb bedienen.
Kreativität ist auch bei der Entwicklung der analogen Geräte gefragt, denn einige Bauteile sind zunehmend schwerer zu bekommen:
"Bei manchen Sachen, die früher in Schaltkreise integriert waren, müssen wir inzwischen einen größeren Aufwand betreiben und das diskret aufbauen. Sprich, mit Widerständen und Transistoren, um dieselbe Funktionalität zu erhalten. Manchmal ist das sogar besser, aber mit Sicherheit nicht so effizient und schon gar nicht preiswert." sagt Haller.
Trotzdem wagten sich die Vogtländer im 25. Jahr ihrer Neugründung an einen vollwertigen großen Synthesizer(öffnet im neuen Fenster) mit Klaviatur. Der war zwar schon lange Zeit vorher in Entwicklung, kam aber erst 2016 mit einer Gesamtauflage von 222 Stück auf den Markt.
Sein Aussehen und sein monophoner Klang wurden von der Fachpresse gelobt(öffnet im neuen Fenster) - aber er bleibt wohl dennoch eher ein Ausreißer in der Produktpalette. Zu aufwendig ist die Herstellung, und bei einem Preis von fast 2.500 Euro richtet er sich eher an die Liebhaber- und Sammlergemeinschaft.
Die Sounds(öffnet im neuen Fenster) aus dem Synthie lassen sich preiswerter mit dem Mono Lancet(öffnet im neuen Fenster) erzeugen, der natürlich als Modul wesentlich weniger Platz einnimmt. Gleich vier Kanäle bietet der Perfourmer MKII(öffnet im neuen Fenster) , der mit seinen Retro-Sounds(öffnet im neuen Fenster) stark an alte Heimcomputer erinnert.
Die gesamte Produktpalette umfasst rund zwei Dutzend Geräte, die allesamt unverkennbaren analogen Charme besitzen. Ausprobieren kann man sie entweder im Fachhandel(öffnet im neuen Fenster) oder auf der jährlich stattfindenden Superbooth-Messe(öffnet im neuen Fenster) in Berlin.
Update:
Der Artikel wurde auf seine Aktualität überprüft.



