Verkehrssicherheit: In-Car-Systeme lenken Autofahrer vom Verkehr ab

Dass Infotainment-Systeme nicht unbedingt zur Verkehrssicherheit beitragen, wurde schon häufiger kritisiert. Verkehrsforscher in den USA haben untersucht, wie viel Aufmerksamkeit 30 aktuelle Systeme auf sich ziehen. Die überwiegende Mehrzahl lenkt den Fahrer sehr stark vom Verkehr ab.

Artikel veröffentlicht am ,
Cockpit des Tesla Model S mit großem Display: Systeme, die visuell und mental nicht anspruchsvoll sind
Cockpit des Tesla Model S mit großem Display: Systeme, die visuell und mental nicht anspruchsvoll sind (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Hände weg vom Infotainment-System: Autofahrer sollten beim Fahren möglichst wenig mit dem Infotainment-System ihres Fahrzeugs interagieren. Diese Systeme erfordern meist viel Aufmerksamkeit - das Unfallrisiko steigt stark an.

Stellenmarkt
  1. IT-Systemingenieur (m/w/d) Active Directory / Exchange
    Helios IT Service GmbH, Berlin
  2. Software Ingenieur*in (d/m/w) Equipment Integration
    OSRAM Opto Semiconductors Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Regensburg
Detailsuche

Forscher der University of Utah in Salt Lake City haben im Auftrag der AAA Foundation for Traffic Safety die Infotainment-Systeme in 30 aktuellen Fahrzeugen untersucht. Sie ließen eine Gruppe von Probanden die Systeme testen: Sie sollten bei der Fahrt per Sprachsteuerung, über den Touchscreen oder andere Bedienungsmöglichkeiten einen Telefonanruf einleiten, eine Textnachricht senden, das Radio und das Navigationssystem einstellen.

Die Infotainment-Systeme lenken Fahrer ab

Die Forscher erfassten, wie lange die Testpersonen dabei die Augen von der Straße nahmen und wie sehr sie die Bedienung vom Verkehrsgeschehen ablenkte. Dazu definierten sie vier Stufen: geringe, moderate, hohe und sehr hohe Aufmerksamkeit, die das System vom Nutzer erfordert. Die Stufe gering entspricht dabei, etwa einem Hörbuch oder Radiobeitrag zu folgen. Eine sehr hohe Aufmerksamkeit entspreche dem Versuch, während der Fahrt einen Scheck auszustellen.

Das Ergebnis war ernüchternd: Kein einziges der getesteten Systeme ließ sich mit geringer Aufmerksamkeit nutzen, sieben erforderten eine moderate Aufmerksamkeit. Die überwiegende Mehrzahl lenkte den Fahrer stark vom Verkehr ab: Elf Systeme brauchen hohe, zwölf sogar sehr hohe Aufmerksamkeit. Zu Letzteren gehört das Tesla Model S. Das Auto hat ein 17 Zoll großes Display in der Mittelkonsole, was schon Behörden und der ADAC kritisiert haben.

Zwei Sekunden Unaufmerksamkeit verdoppeln das Unfallrisiko

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    17.–18. Januar 2022, Virtuell
  2. Netzwerktechnik Kompaktkurs: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    6.–10. Dezember 2021, virtuell
Weitere IT-Trainings

Die Aufgabe, die die meiste Aufmerksamkeit erfordert, ist, das Navigationssystem zu programmieren. Im Schnitt waren die Testpersonen damit 40 Sekunden lang beschäftigt. Bei einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde legt ein Auto in dieser Zeit etwa 450 Meter zurück. Nach Erkenntnissen der Verkehrsforschung reichen bereits zwei Sekunden, in denen der Fahrer die Augen nicht auf der Straße hat, um das Unfallrisiko zu verdoppeln.

Die Systeme verlockten die Fahrer dazu, ihre Augen und ihre Aufmerksamkeit darauf statt auf den Verkehr zu richten und die Hände vom Lenkrad zu nehmen, sagt David Yang von der AAA Foundation for Traffic Safety. Das wiederum könne gefährliche Situationen zur Folge haben. "Wenn ein In-Car-System nicht richtig gestaltet ist, können einfache Aufgaben kompliziert werden, und der Aufwand für den Fahrer, sie zu erledigen, steigt."

Wenig Verständnis haben die Sicherheitsexperten dafür, dass die Fahrzeughersteller in die Systeme Funktionen einbauen, die nicht für Autofahrer geeignet sind wie etwa Nachrichten zu verschicken oder im Internet zu surfen. "Die Automobilhersteller sollten darauf achten, Ablenkung zu verringern, indem sie Systeme entwickeln, die visuell und mental nicht anspruchsvoller sind, als das Radio oder ein Hörbuch zu verfolgen", sagt Marshall Doney, Leiter der AAA Foundation for Traffic Safety. "Fahrer sollten sich der Versuchung entziehen, sich mit den Systemen zu beschäftigen, vor allem wenn es sich dabei um Aufgaben handelt, die nicht mit dem Fahren zu tun haben."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


quineloe 09. Okt 2017

Weil es leuchtet und jedes Licht im Innenraum eine Störung ist. Wenn ich nachts fahre...

nycalx 08. Okt 2017

Siehe letzte Änderung in der StVO. Man darf ja nicht mehr das Handy nehmen sondern ist...

ChMu 05. Okt 2017

Solche idiotischen Dinger sicher. Was war das? Merc? Und wieso redet er mit dem Navi...

ChMu 05. Okt 2017

Man braucht also Zeit bei der Eingabe im Navi? Klar. War schon immer so. Aber wieso...

nicoledos 05. Okt 2017

Sicherheitsabstand? Du meinst die Lücke vor dir, in die sofort einer rein fährt sobald...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Softwarepatent
Uraltpatent könnte Microsoft Millionen kosten

Microsoft hat eine Klage um ein Software-Patent vor dem BGH verloren. Das Patent beschreibt Grundlagentechnik und könnte zahlreiche weitere Cloud-Anbieter betreffen.
Ein Bericht von Stefan Krempl

Softwarepatent: Uraltpatent könnte Microsoft Millionen kosten
Artikel
  1. Amazon: Fire TV Stick 4K Max erhält erweiterte Heimkinofunktion
    Amazon
    Fire TV Stick 4K Max erhält erweiterte Heimkinofunktion

    Mit einem geplanten Update kann der Fire TV Stick 4K Max den Klang anderer Zuspielgeräte auf Echo-Lautsprechern ausgeben.

  2. Krypto: Angeblicher Nakamoto darf 1,1 Millionen Bitcoin behalten
    Krypto
    Angeblicher Nakamoto darf 1,1 Millionen Bitcoin behalten

    Ein Gericht hat entschieden, dass Craig Wright der Familie seines Geschäftspartners keine Bitcoins schuldet - kommt jetzt der Beweis, dass er Satoshi Nakamoto ist?

  3. Ladeinfrastruktur: Elektroauto-Laden soll barrierefrei werden
    Ladeinfrastruktur
    Elektroauto-Laden soll barrierefrei werden

    Der Umstieg auf Elektroautos geht einher mit dem Bau zahlreicher neuer Ladestationen. Diese sollen barrierefrei werden.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Kingston PCIe-SSD 1TB 69,90€ & 2TB 174,90€ • Samsung Smartphones & Watches günstiger • Saturn-Advent: Xiaomi Redmi Note 9 Pro 128GB 199€ • Alternate (u. a. Razer Opus Gaming-Headset 69,99€) • Release heute: Halo Infinite 68,99€ • MM-Aktion: 3 Spiele kaufen, nur 2 bezahlen [Werbung]
    •  /