Verkehrssicherheit: Hightech-Schlagloch soll Raser stoppen
Mit einem Hightech-Schlagloch versucht die hessische Stadt Hanau, aus Rasern zivilisierte Verkehrsteilnehmer zu machen. Ort des Geschehens ist die Langstraße, die durch das Zentrum der nahe der bayerischen Grenze gelegenen Industriestadt führt. Die dort vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde hält kaum jemand ein. Radarmessungen mit nachfolgenden Bußgeldbescheiden brachten kaum Besserung. Jetzt sollen die Raser ihr Vergehen direkt und sogar körperlich spüren. Wenn sie sich der Messstelle nähern, erfasst ein Radargerät ihr Tempo. Ist es deutlich zu hoch, senkt sich blitzschnell eine Stahlplatte ab. Es entsteht eine sechs Zentimeter hohe Stufe, gegen die Vorder- und Hinterräder des schnellen Autos prallen. Wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, spürt nichts, weil die Abdeckplatte sich nicht absenkt.
Die Schwelle schadet Autos zwar nicht, doch das gefährlich klingende Poltern will sich wohl kein Autofahrer antun. Auch Motorradfahrer sind nach Ansicht des schwedischen Unternehmens Edeva(öffnet im neuen Fenster) , das das System entwickelt hat, nicht gefährdet. Auf Wunsch wird das künstliche Schlagloch jedoch mit einer Bilderkennung ausgestattet. Es identifiziert Motorradfahrer und sorgt dafür, dass sich die Platte nicht bewegt, auch wenn der Biker zu schnell ist.
Actibump(öffnet im neuen Fenster) heißt das System des Unternehmens aus Linköping, das sich nach eigener Aussage die Entwicklung von Verkehrssystemen zum Ziel setzt, die die Innenstädte lebenswert machen. Auf der Öresund-Brücke zwischen der schwedischen Stadt Malmö und der dänischen Hauptstadt Kopenhagen brachte das System den gewünschten Erfolg. Dort fährt kaum noch jemand zu schnell. Auch mehrere Städte in Schweden haben das Anti-Raser-Gerät bereits installiert. Außerdem sichert die University of Western Australia in Perth ihren Campus mit vier Actibumps. Auch in Tschechien ist das System bereits installiert.

Bei Rettungsfahrzeugen poltert es nicht
Von Feuerwehren und Rettungsfahrzeugen kann man nicht erwarten, dass sie zum Einsatzort schleichen. Aus diesem Grund erhalten sie ein Gerät, mit dem sie sich gewissermaßen eine Sondererlaubnis zum Rasen verschaffen. Die Platte bleibt dann waagerecht. Radler können sie übrigens leicht umfahren. Hanau zahlt für seine Stolperschwellen rund 50.000 Euro.
Edeva empfiehlt Actibump auch zur Sicherung von Radlern. Die Vorrichtung soll von beiden Seiten vor querenden Radwegen installiert werden, um die Autofahrer in ihrem Drang zu bremsen, schnell voranzukommen. Auch Zebrastreifen lassen sich so sichern. Fest installierte Bodenwellen oder sogenannte Kölner Teller helfen ebenfalls, doch diese stören auch Fahrer, die mit angepasster Geschwindigkeit unterwegs sind.
Die Hanauer Schwelle soll im Sommer eingebaut werden, wenn es nicht zu Problemen mit den Behörden und der Politik kommt. Das hessische Verkehrsministerium ist noch nicht sicher, ob Actibump ohne Zulassung der Bundesanstalt für Straßenwesen installiert werden darf.
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