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Verkehrssicherheit: Die Lehren aus dem tödlichen SUV-Unfall

Soll man tonnenschwere SUV aus den Innenstädten verbannen? Oder sollten technische Systeme schärfer in die Fahrzeugsteuerung eingreifen? Nach einem Unfall mit vier Toten in Berlin mangelt es nicht an radikalen Vorschlägen.

Eine Analyse von veröffentlicht am
Blumen und Bilder zum Gedenken an die Opfer am Unfallort in Berlin
Blumen und Bilder zum Gedenken an die Opfer am Unfallort in Berlin (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Noch steht gar nicht fest, aus welchem Grund am 6. September 2019 der Fahrer eines Porsche Macan in Berlin mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Fußgängergruppe gerast ist. Möglicherweise hatte er einen epileptischen Anfall erlitten. Für Verwirrung sorgt zudem, warum der Wagen nicht verzögerte, obwohl die Bremslichter leuchteten. Doch das hält viele Experten und Politiker nicht davon ab, bereits verkehrspolitische Schlüsse zu ziehen und ein Verbot der viel gehassten SUV in Innenstädten zu fordern. Zugleich wird diskutiert, ob technische Systeme solche Unfälle wie diesen mit vier toten Fußgängern künftig verhindern oder deren Folgen abmildern könnten. Doch im Grunde können nur autonome Autos das leisten - mit all seinen technischen und moralischen Implikationen.

Inhalt:
  1. Verkehrssicherheit: Die Lehren aus dem tödlichen SUV-Unfall
  2. Autos müssten im Grunde autonom fahren können

In der Debatte genannt werden automatische Notbremssysteme, die eine Kollision des Autos mit anderen Verkehrsteilnehmern verhindern sollen. So stellte Mercedes-Benz im Mai 2019 in einer Sicherheitsstudie einen verbesserten Notbremsassistenten vor. "Droht beispielsweise eine Kollision mit Fußgängern oder Radfahrern, die die Straße überqueren, in die das Fahrzeug einbiegt, werde der Fahrer optisch-akustisch gewarnt", versprach Mercedes. Notfalls erfolge eine autonome Bremsung.

Auch Teslas AEB-System (Autonomous Emergency Braking) erkennt Fußgänger und Radfahrer, die den Fahrweg des Autos kreuzen.

EU-Verordnung fordert Notbremsassistenten

Schon jetzt gibt es Assistenzsysteme, die ein Stauende erkennen können und vor einer Kollision automatisch eine Notbremsung einleiten. Bei Audi heißt das System Pre Sense, bei BMW iBrake, bei Daimler Pre-Safe-Bremse und bei Volkswagen Front Assist. Voraussichtlich 2022 könnten solche Notbremssysteme für Neuwagen vorgeschrieben werden. Für Fußgänger und Fahrradfahrer ist dabei entscheidend, dass die Sensorsysteme wie Kameras, Laserscanner und Radare sie zuverlässig erkennen.

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Eine neue EU-Verordnung, die 2022 in Kraft treten soll, sieht ebenfalls solche "Notbremsassistenzsysteme" vor. Der Parlamentsvorschlag (PDF) verlangt in einer zweiten Phase die "Ausweitung der Erkennungsfähigkeit auf Fußgänger und Fahrradfahrer vor dem Kraftfahrzeug". Ebenfalls Pflicht wird ein "intelligenter Geschwindigkeitsassistent" auf Basis der Positionsdaten und Verkehrszeichen.

Tempolimiter sinnvoll

Allerdings sind diese Geschwindigkeitsassistenten weit davon entfernt, einen Unfall wie am vergangenen Freitag in Berlin zu verhindern oder dessen Folgen einzuschränken. Denn deren Aufgabe ist laut Artikel 6 des Verordnungsentwurfs (PDF) lediglich, "dass der Fahrer über den Beschleunigungsregler oder über gezielte, angemessene und wirksame Rückmeldungen darauf aufmerksam gemacht wird, dass die geltende Geschwindigkeitsbeschränkung überschritten wird". Zudem schreibt die Verordnung eindeutig vor: "Die Möglichkeit des Fahrers, die vom System angeforderte Fahrzeuggeschwindigkeit zu überschreiten, darf nicht beeinträchtigt werden."

Das heißt: Wenn der Fahrer bewusst oder aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung das Tempolimit deutlich überschreitet, passiert zunächst gar nichts. Erst vor einer möglichen Kollision könnten die Notbremssysteme dann eingreifen. Dabei wäre es technisch kein Problem, sogenannte Tempolimiter in Innenstädten einzusetzen. Diese begrenzen die Geschwindigkeit auf das eingestellte Limit, egal wie beherzt der Fahrer auf Gas- oder Fahrpedal tritt.

Das ist vor allem bei Elektroautos sinnvoll, deren hohes Drehmoment im Stadtverkehr dazu führt, dass das Tempolimit schnell überschritten werden kann. Die von Golem.de getesteten Hyundai Ioniq Elektro und der Audi E-Tron verfügen über solche Begrenzer. Allerdings lässt sich beim E-Tron die eingestellte Geschwindigkeit überstimmen, wenn man das Fahrpedal über den Widerstand hinweg tritt (Kick down).

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Autos müssten im Grunde autonom fahren können 
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RobZ 21. Sep 2019

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