Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Verhandlungen: Niedrigere Zölle kosten Taiwan fünf weitere TSMC-Fabs

TSMC soll seine Investition in Arizona wohl nochmals aufstocken. Die Halbleiterfabrik wäre eine der weltweit größten – für TSMC durchaus nützlich.
/ Johannes Hiltscher
6 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das Hauptgebäude und die erste Produktionslinie der Fab21 in Arizona (Bild: TSMC)
Das Hauptgebäude und die erste Produktionslinie der Fab21 in Arizona Bild: TSMC

Seit fast einem halben Jahr verhandelt die Republik China, besser bekannt als Taiwan, mit der US-Regierung über niedrigere Zölle. Aktuell werden für Importe von der Insel in die USA 20 Prozent fällig, Halbleiter sind allerdings ausgenommen. Dennoch ist TSMC, der wichtigste Halbleiterhersteller der Welt, von Beginn an Teil der Verhandlungsmasse . Wie die New York Times berichtet(öffnet im neuen Fenster) , sollen die Verhandlungspartner sich mittlerweile einig sein.

Dem Bericht zufolge sollen die Zölle für Taiwan auf 15 Prozent sinken und TSMC im Gegenzug dafür mindestens fünf weitere Werke in den USA bauen. Offiziell ist dies bislang nicht, laut New York Times geht es aktuell aber nur noch um die rechtliche Ausgestaltung.

Es wäre die zweite Erweiterung der Pläne innerhalb eines Jahres. Erst Anfang März 2025 kündigte der Auftragsfertiger eine deutliche Aufstockung seiner US-Investitionen an .

Aktuell sehen die Planungen den Bau von sechs sogenannten Phasen und zwei Advanced-Packaging-Werken vor. Phasen nennt TSMC, was oft als Werk bezeichnet wird: einzelne Produktionslinien für Halbleiter, die jeweils mit unterschiedlichen Prozessen fertigen, aber einen großen Komplex bilden. Nach diesem Konzept baut TSMC in Taiwan seine Gigafabs – Teil des Erfolgsrezepts des Unternehmens.

Größeres Werk gleich geringere Kosten

Insgesamt käme das Werk in Arizona damit im Vollausbau auf mindestens elf Produktionslinien, wenn auch erst in den 2030er Jahren. Aktuell produziert bereits eine Linie , zwei weitere sind im Bau.

Das Gelände im Norden von Phoenix(öffnet im neuen Fenster) dürfte auch nach Abschluss der bislang angekündigten Erweiterungen noch Platz für weitere Produktionslinien bieten. Für TSMC wäre eine derart große Fabrik durchaus nützlich, da sie eine bessere Kostenstruktur hat als kleine Werke.

Nicht nur lassen sich Teile der Infrastruktur geteilt nutzen, auch Zulieferer sind leichter zur Ansiedlung in der Nähe zu bewegen. Das wiederum ermöglicht es, auf Probleme schneller zu reagieren.

In Taiwan, so schreibt Semianalysis(öffnet im neuen Fenster) , könne TSMC im Notfall Teile und Personal in maximal drei Stunden von einer Fab zur anderen bringen. Im US-Werk müssten Reparaturen hingegen teils Stunden warten, bis das Personal wieder da sei, da nicht alle Posten rund um die Uhr besetzt seien. All dies mache die US-Fertigung zumindest aktuell für TSMC deutlich teurer und komplizierter als in Taiwan.

US-Fertigung kostet TSMC aktuell Marge

Insgesamt dürfte eine Vergrößerung des US-Werks dieses für TSMC deutlich attraktiver machen. Nach Einschätzung von Semianalysis kostet die Fertigung eines 5-nm-Wafers aktuell verglichen mit den Werken in Taiwan im US-Werk rund das 2,4-Fache. Genannt werden 6.681 US-Dollar für Taiwan und 16.123 US-Dollar für die USA, womit die Marge derzeit bei nur 8 Prozent läge. Zwar verkauft TSMC die Wafer aus US-Produktion teurer, vollständig lassen sich die Mehrkosten aber wohl nicht weitergeben.

Der Hauptgrund für die deutlich höheren Kosten sind die fast viermal so hohen Abschreibungen, auch höhere Lohnkosten spielen eine Rolle. Für zusätzliche Phasen würden die Abschreibungen niedriger ausfallen, da Teile der Infrastruktur bereits abgeschrieben sind.

Die größte Herausforderung für TSMC dürfte sein, ausreichend Arbeitskräfte zu finden. Denn auch Samsung soll einen Ausbau seines US-Werks planen , Micron baut aktuell seine Kapazitäten ebenfalls stark aus.


Relevante Themen