Vereinte Nationen: Auf dem Weg zu einem neuen Weltraumvertrag

Der aktuelle Vertrag zur Nutzung des Weltraums wurde 1967 geschlossen. Bei der UN könnte eine neue Arbeitsgruppe entstehen, die das Regelwerk prüft.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Ein Nasa-Astronaut im Weltraum. Hinter ihm befindet sich die Erde.
Ein Nasa-Astronaut im Weltraum. Hinter ihm befindet sich die Erde. (Bild: Nasa)

Vertreter des Vereinigten Königreichs haben am 1. November bei den Vereinten Nationen vorgeschlagen, eine Gruppe einzurichten, die neue Normen für das internationale Verhalten im Weltraum entwickeln soll. Damit könne man Missverständnisse vermeiden, die ansonsten zu einem Krieg führen könnten. Die Abstimmung des Ersten Ausschusses der Vereinten Nationen fiel mit 163 Ja-Stimmen überwiegend positiv aus. Lediglich acht Länder stimmten mit Nein und neun enthielten sich.

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Zu den Befürwortern gehören auch die USA. Unter den Gegnern sind jedoch die beiden großen Raumfahrtnationen Russland und China.

Der Vorschlag könnte nächsten Monat von der gesamten Generalversammlung der UN angenommen werden. Falls es dazu kommt, würde eine neue Arbeitsgruppe bei den Vereinten Nationen entstehen, die 2022 und 2023 jeweils zweimal pro Jahr in Genf tagen würde. Während dieser Zeit soll sich die Gruppe einig werden, welche neuen Regeln sie umsetzen wollen und welche Bereiche weitere Untersuchungen benötigen.

Der aktuelle Weltraumvertrag besteht seit 1967. "In der Zwischenzeit wird der Weltraum immer komplizierter", erklärte Victoria Samson gegenüber Wired. Sie ist die Leiterin des Washingtoner Büros der Secure World Foundation, einer unparteiischen Denkfabrik. Neben den USA, dem Vereinigten Königreich und dem heutigen Russland (der damaligen Sowjetunion) haben viele neue Akteure den Raumfahrtmarkt betreten. Bis Juli 2020 haben 110 Staaten dem Vertrag zugestimmt.

Von Anti-Satelliten-Raketen zu Weltraumschrott

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Mittlerweile kreisen Zehntausende Satelliten um die Erde, von denen einige sogar neuartige Waffen und Laser besitzen könnten, die "feindliche" Satelliten blenden, täuschen oder stören könnten. Die Gefahr kann aber auch aus Richtung Erde kommen: 2007 bestätigte die Volksrepublik China beispielsweise den Abschuss eines ausrangierten Satelliten vom Boden aus. Indien hat 2019 ebenfalls eine Anti-Satelliten-Rakete eingesetzt.

Der Planetenforscher und Mitbegründer des Outer Space Institute in Vancouver (Kanada), Aaron Boley, verurteilte gegenüber Wired solche Tests: "Ein Verbot von Anti-Satellitentests, bei denen Trümmerteile entstehen, ist ein Bereich, in dem es meiner Meinung nach eine breite Zustimmung geben könnte."

In einem offenen Brief vom 2. September spricht sich das Institut für ein Verbot solcher Waffentests aus. "Die Zahl der aktiven und nicht mehr aktiven Satelliten in der Erdumlaufbahn ist in den letzten zehn Jahren von 3.300 auf über 7.600 angestiegen, wobei in den nächsten zehn Jahren bis zu 100.000 aktive Satelliten hinzukommen könnten", heißt es dort unter anderem.

Durch solche Tests von Anti-Satelliten-Raketen würde sich das Aufkommen an Weltraumschrott erhöhen, was wiederum zu Kettenreaktionen führen könnte. Dadurch könnten intakte Satelliten beschädigt werden, was möglicherweise zu einer Provokation führen könnte. "Wir riskieren Konflikte, weil die Menschen im Moment keine Regeln für den Verkehr [im All] haben, wenn wir das nicht richtig hinbekommen. Das ist es, was wir schaffen wollen, aber das braucht Zeit", erklärte David Edmondson, Leiter der britischen Abteilung für Weltraumsicherheit.

Die Geschichte der Raumfahrt

Russland und China wollen einen ganz neuen Vertrag

Zwar haben die Raumfahrtnationen Russland und China gegen die Gründung eines neuen Arbeitskreises bei den Vereinten Nationen gestimmt. Gegen einen neuen Weltraumvertrag sind sie aber nicht. Denn neue Verträge zwischen allen Nationen wären leichter durchzusetzen und man könnte dadurch ein Wettrüsten im Weltraum verhindern. Außerdem fordern sie einen neuen Vertrag gegen die Stationierung von Waffen im Weltraum - bisher besteht nur ein Vertrag gegen die Stationierung von Atomwaffen im All.

Bisher haben US-Vertreter jedoch argumentiert, dass es im All keine Waffen gebe, weswegen ein Wettrüsten nicht stattfinde. "Die USA und ihre Partner waren maßgeblich daran beteiligt, jeden Fortschritt bei Verträgen und verbindlichen Normen zu blockieren", erörterte Cassandra Steer, Expertin für Weltraumrecht und Weltraumsicherheit an der Australian National University in Canberra, gegenüber Wired.

Steer vermutet, dass die Ausarbeitung von Normen für Aktivitäten, die Spannungen auslösen könnten oder Trümmer erzeugen, wahrscheinlich oberste Priorität für die Gruppe haben wird. Das Zustandekommen eines neuen Vertrags scheint angesichts der fehlenden Zustimmung wichtiger Raumfahrtnationen jedoch zweifelhaft.

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