Verdi: Streik bei Amazon an zwei Standorten

Eine Lohnerhöhung um zwei Prozent führt zu mehrtägigen Streiks bei Amazon Deutschland. Die Unterschiede zum Tarifvertrag blieben damit bestehen.

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Arbeiter bei Amazon streken
Arbeiter bei Amazon streken (Bild: Verdi)

Am 19. September 2018 hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten am Amazon Standort Bad Hersfeld zum Streik aufgerufen. Die rund 1.900 Beschäftigten bei Amazon Kobern-Gondorf werden am 20. September ganztägig streiken.

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Bereits gestern wurde mit Streiks in Bad Hersfeld begonnen. Grund ist die vom Unternehmen angekündigte Lohnerhöhung von 2 Prozent. "Für uns und die Amazon-Beschäftigten ist das Lohnniveau des Tarifvertrages für den Einzel- und Versandhandel nach wie vor das Maß", sagte Marcel Schäuble, Verdi-Gewerkschaftssekretär. Die angekündigte Erhöhung von 2 Prozent ginge nicht über die Tariferhöhung der Branche hinaus, die bereits zum April 2018 erfolgte. Es bleibe laut Verdi die Differenz von minus 10 Prozent für langjährige Beschäftigte und minus 25 Prozent für neue Arbeitsverhältnisse bei Amazon zum Tarifvertrag bestehen.

Das Lohngefälle, das bis zu 450 Euro zum tariflichen Entgelt ausmache, sei für die Beschäftigten viel Geld. Für Amazon wäre es aufgrund der Gewinnsituation leicht, die Forderung der Beschäftigten zu gewähren: Der Konzern hat Anfang des Monats bei seiner Marktkapitalisierung die Marke von 1 Billion US-Dollar überschritten. Amazon hatte im zweiten Geschäftsquartal 2018 einen Gewinn von 2,5 Milliarden US-Dollar erzielt. Der Umsatz wuchs um 39 Prozent auf 52,9 Milliarden US-Dollar.

Um 10:30 Uhr findet am 20. September auch eine Kundgebung der streikenden Beschäftigten in Koblenz statt. "Die Menschen streiken nicht aus Jux und Tollerei, sie streiken für das Mindeste, was Amazon tun kann - faire, tarifliche Bedingungen", sagte Maria Rinke, zuständige Gewerkschaftssekretärin bei Verdi. Sie hat den Eindruck, dass systematisch kranke Beschäftigte "aussortiert" würden.

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Die Beschäftigten kämpfen seit Mai 2013 für eine etwas höhere Bezahlung, Urlaubsgeld und tarifliches Weihnachtsgeld durch einen Tarifvertrag sowie bessere Arbeitsbedingungen. Urlaubsgeld fehlt bei Amazon komplett, das Weihnachtsgeld ist deutlich niedriger als die tariflichen 1.058 Euro. Amazon verweigerte von Anfang an Gespräche mit Verdi.

Amazon nimmt Stellung

Ein Amazon-Sprecher sagte Golem.de: "Amazon führt an allen Standorten jährlich eine Lohnüberprüfung durch. Die Geschäftsleitung in Bad Hersfeld hat dem Betriebsrat für 2018 eine Erhöhung des Basislohns um 2 Prozent für alle Versandmitarbeiter vorgeschlagen. Der Einstiegslohn würde mit dieser Erhöhung bei umgerechnet 11,18 Euro brutto die Stunde liegen; für Mitarbeiter mit 2 Jahren Betriebszugehörigkeit umgerechnet bei 13,04 Euro brutto. Der Betriebsrat in Bad Hersfeld muss der Verteilung der Lohnerhöhung noch zustimmen."

In Koblenz würden die Beschäftigten nächste Woche über das Ergebnis der Lohnüberprüfung informiert. Auch dort werde es eine Lohnerhöhung geben.

"An beiden Standorten verdienen Versandmitarbeiter mit 2 Jahren Betriebszugehörigkeit derzeit (2018) einen rechnerischen Jahreslohn von über 30.000 Euro brutto - hier sind Aktien von Amazon.com, Boni und eine Jahressonderzahlung, die es auch in diesem Jahr geben wird, eingerechnet. Für den Job als Versandmitarbeiter sind keine Vorqualifikationen erforderlich", erklärte der Sprecher.

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