Verdeckte Werbung: Wikipedia stoppt Armee der Sockenpuppen
Die englischsprachige Wikipedia will konsequent gegen die Unterwanderung des Onlinelexikons durch bezahlte PR-Autoren vorgehen. Zum Schutz des Projekts hätten Wikipedianer mehr als 250 Nutzeraccounts gesperrt, teilte Wikimedia-Direktorin Sue Gardner am Montag mit. Recherchen von Wikipedia-Autoren(öffnet im neuen Fenster) haben ergeben, dass eine Werbeagentur mit dem Namen Wiki-PR offenbar eine "Sockenpuppen-Armee" mit Hunderten Accounts angelegt hat, um "Tausende Artikel" über Personen, Organisationen und Produkte einzutragen, die nicht den Qualitätsmaßstäben des Lexikons entsprechen. Um die Relevanz vorzutäuschen, wurden nach Angaben von The Daily Dot(öffnet im neuen Fenster) beispielsweise zahlreiche Verweise verlinkt, die sich jedoch nicht auf den eigentlichen Artikel bezogen. Bei Löschdiskussionen unterstützten sich die sogenannten Sockenpuppen-Accounts gegenseitig, um den Artikel zu verteidigen. Als Sockenpuppen(öffnet im neuen Fenster) werden zusätzliche Accounts eines Nutzers bezeichnet.
Gardner verwies darauf, dass bezahltes Schreiben für Werbezwecke in der Wikipedia "extrem problematisch" sei und die Grundprinzipien verletzte, die Wikipedia für viele Menschen so nützlich mache. Die Leser wüssten, dass das Lexikon nicht perfekt sei, ihnen aber niemals ein Produkt verkaufen wolle oder sich für Propaganda einspannen lasse. Gardner forderte von Unternehmen, sich an die Nutzungsbedingungen zu halten und ihr Engagement in der Wikipedia transparent zu machen.
Firmenchef verteidigt Konzept
Die Firma Wiki-PR wirbt offen damit(öffnet im neuen Fenster) , dass ihre 45 Wikipedia-Autoren und -Administratoren dabei behilflich sind, einen Eintrag anzulegen, der den Regeln und Maßstäben der Wikipedia entspricht. Sogar eine Krisen-PR wird angeboten, wenn sich der Kunde auf Wikipedia ungerecht behandelt fühlt. Auf Anfrage des Wall Street Journals Deutschland verteidigte Firmenchef Jordan French sein Angebot(öffnet im neuen Fenster) . "Wir machen bezahltes Redigieren und nicht bezahlte Interessenarbeit" , habe French geschrieben. "Unser vorrangiges Ziel ist es, Wikipedia zu verbessern." Gardner kündigte an, dass die Wikimedia Foundation die Recherchen genau verfolgen werde. Derzeit würden alle Optionen geprüft. In den kommenden Wochen werde noch Stellung dazu genommen.
- Anzeige Hier geht es zu Linux: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.