Verdeckte Werbung: Bezahlte Wikipedia-Autoren sollen sich zeigen

Das Online-Lexikon Wikipedia will die Unterwanderung durch PR-Agenturen eindämmen. Letztlich bleibt die Enzyklopädie aber auf den guten Willen der PR-Firmen angewiesen.

Artikel veröffentlicht am ,
Zweifelhafte Eigen-PR: Der Streit über das bezahlte Editing hat schon einen eigenen Wikipedia-Artikel.
Zweifelhafte Eigen-PR: Der Streit über das bezahlte Editing hat schon einen eigenen Wikipedia-Artikel. (Bild: Wikipedia.org/Screenshot: Golem.de)

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia verlangt die Offenlegung von bezahlter Mitarbeit. In den neuen Nutzungsbedingungen, die die Wikimedia Foundation am Montag veröffentlichte, heißt es dazu: "Wenn Sie für Ihre Bearbeitung bezahlt werden, müssen Sie diese bezahlte Bearbeitung offenlegen, um die neuen Nutzungsbedingungen einzuhalten. Sie müssen Ihre Zugehörigkeit in Ihrer Bearbeitungszusammenfassung, Benutzerseite oder Diskussionsseite angeben, um Ihre Perspektive fair offenzulegen." In den FAQ zu den Richtlinien verweist die Foundation auf rechtliche Konsequenzen, die sich aus der verdeckten Artikelbearbeitung ergeben könnten.

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Die Stiftung reagiert damit auf einen Vorfall im vergangenen Oktober, als eine ganze "Armee von Sockenpuppen" enttarnt worden war. Als Sockenpuppen werden zusätzliche Accounts eines Nutzers bezeichnet. Die Firma Wiki-PR hatte offen damit geworben, dass ihre 45 Wikipedia-Autoren und -Administratoren dabei behilflich seien, einen Eintrag anzulegen, der den Regeln und Maßstäben der Wikipedia entspricht. Sogar eine Krisen-PR wurde angeboten, wenn sich der Kunde auf Wikipedia ungerecht behandelt fühlte. Rund 250 Accounts wurden nach der Enttarnung gesperrt. Im November forderte die Stiftung die Firma per Unterlassungserklärung auf, jegliche Mitarbeit an der Online-Enzyklopädie einzustellen, solange die Nutzungsbedingungen der Community nicht eingehalten würden.

Relevanzkriterien übergangen

Diese Nutzungsbedingungen bezogen sich damals vor allem auf eine neutrale Darstellung eines Sachverhaltes sowie die Einhaltung der Relevanzkriterien, die eine gewisse Schwelle für das Anlegen neuer Artikel bedeuten. Die Firma soll "Tausende Artikel" über Personen, Organisationen und Produkte eingetragen haben, die nicht den Qualitätsmaßstäben des Lexikons entsprachen. Um Relevanz vorzutäuschen, wurden nach Angaben von The Daily Dot beispielsweise zahlreiche Verweise verlinkt, die sich jedoch nicht auf den eigentlichen Artikel bezogen. Bei Löschdiskussionen unterstützten sich die sogenannten Sockenpuppen-Accounts gegenseitig, um den Artikel zu verteidigen.

Ob sich PR-Firmen an die neuen Nutzungsbedingungen halten, ist ihnen letztlich jedoch selbst überlassen. Schließlich lässt sich nicht ohne weiteres erkennen, ob ein anonymer oder angemeldeter Autor für den Beitrag bezahlt wird. Zudem gibt es weiter die Möglichkeit, dass Mitarbeiter eines Unternehmens einen Artikel über ihre Firma bearbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden. In diesem Fall ist eine Offenlegung nicht erforderlich, da es ausdrücklich darum geht, Entgelt für die Wikipedia-Mitarbeit zu erhalten.

Wikipedia-PR als unlauterer Wettbewerb

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Die Stiftung verweist allerdings auf rechtliche Konsequenzen, die durch verdeckte Werbung drohen. So sei gemäß der EU-Richtlinie 2005/29/EG über unlautere Geschäftspraktiken der Einsatz "redaktioneller Inhalte [...] zu Zwecken der Verkaufsförderung [verboten, wenn] der Gewerbetreibende [...] diese Verkaufsförderung bezahlt [hat], ohne dass dies [daraus] eindeutig hervorgehen würde". Zudem könne die Werbung zu negativen Schlagzeilen für Unternehmen, Kunden und Einzelpersonen führen. "Wir haben festgestellt, dass die Presse solche Fälle genau verfolgt. Die Nichtoffenlegung eines bezahlten Beitrags kann zu einem Vertrauensverlust in der allgemeinen Öffentlichkeit führen, zusätzlich zu der Wikimedia-Community", heißt es weiter.

Letztlich ist die Community aber auf den guten Willen der PR-Firmen angewiesen. Immerhin haben sich einige US-amerikanische Firmen zuletzt verpflichtet, die Richtlinien von Wikipedia einzuhalten. 25 Firmen haben inzwischen diese Verpflichtung unterzeichnet, darunter Ogilvy & Mather, Fleishman-Hillard, Edelman und Glover Park Group. In dem Statement wird die Rolle Wikipedias als einzigartige und wichtige öffentliche Wissensquelle anerkannt. Die Firmen wollen nicht nur ihre eigenen Mitarbeiter anhalten, die Richtlinien anzuwenden, sondern auch bei Kollegen und Kunden dafür werben.

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twil 18. Jun 2014

Es gibt aber auch nirgends wo ein bereich wo nicht im sinne von Profit Korruption und...

JTR 18. Jun 2014

IP kann man fälschen bzg. andauernd ändern. Wenn schon wäre es begrüssenswert, wenn man...

KritikerKritiker 18. Jun 2014

Aber die durchnittliche Bewertung wird doch trotzdem angezeigt, oder Irre ich mich? Und...

_moep_ 18. Jun 2014

gibt es, zeigt dir aber über den Username alle an. Heißt du findest nur die, die sich...



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