Verdeckte Leiharbeit: Wenn die Firma IT-Spezialisten als Fremdpersonal einsetzt

Unternehmen setzen gerne IT-Spezialisten bei sich ein, für die sie Werkverträge mit Drittfirmen abschließen. Doch dies ist nicht ohne Risiko. Unangenehme Konsequenzen drohen, wenn sich herausstellt, dass es sich um Scheinwerkverträge handelt.

Artikel von Harald Büring veröffentlicht am
Manche IT-Firmen vergeben ihre Arbeit an Externe. Das geht aber nicht beliebig.
Manche IT-Firmen vergeben ihre Arbeit an Externe. Das geht aber nicht beliebig. (Bild: Djordje Petrovic/Pexels.com)

Leiharbeit ist nicht nur für IT-Firmen eine gute Möglichkeit zu sparen und flexibel zu bleiben. Denn Leiharbeiter kosten in der Regel weniger als Festangestellte und sie sind schneller wieder loszuwerden. Sie dauerhaft als Quasi-Festangestellte in der Firma zu beschäftigen, ist aber nicht erlaubt. Deswegen hat sich auch in der IT-Branche eine andere Praxis etabliert: Statt Leiharbeitsverträgen werden Werkverträge abgeschlossen.

Viele Unternehmen nehmen an, dass sie damit das Problem lösen, externe IT-Spezialisten nicht über einen längeren Zeitraum bei sich beschäftigen zu können. Denn für Werkverträge gelten nicht die gleichen Regeln wie für Leiharbeitsverträge. Konkret sieht die Vertragskonstellation zum Beispiel so aus: Die Firmen schließen einen Vertrag mit einer Drittfirma ab, die wiederum mit den IT-Spezialisten Werkverträge abschließt.

Doch dem eigentlichen Problem entgehen sie damit nicht, denn es kann sich hier um Scheinwerkverträge und damit um eine verdeckte Arbeitnehmerüberlassung handeln. Auch typische Maßnahmen helfen nicht immer, um ein Gericht zu überzeugen. Der Teufel steckt im Detail.

Strenge Regeln für Leiharbeit

Vereinfacht gesagt geht es um die Frage, ab wann ein externer Mitarbeiter die gleichen Rechte wie ein Festangestellter bekommen sollte. Denn dass jemand jahrelang als Leiharbeiter neben den Festangestellten arbeitet, dabei aber weniger verdient und insgesamt weniger Rechte hat, sollte nicht die Regel sein. Deswegen ist im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) unter anderem festgelegt, dass ein Leiharbeiter maximal 18 Monate am Stück an dieselbe Firma entliehen werden darf (§ 1 Abs. 1b Satz 1 AÜG).

Stellenmarkt
  1. IT-Systemelektroniker/-in / Systeminformatiker/-in / Kommunikationselektroniker/-- in für ... (m/w/d)
    Universitätsklinikum Tübingen, Tübingen
  2. Data Engineer (m/w/d)
    Matrix42 AG, Frankfurt am Main
Detailsuche

Außerdem schreibt das Gesetz vor, dass ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (also ein Leih- oder Zeitarbeitsvertrag) als ein solcher bezeichnet werden muss (§ 1 Abs.1 Satz 5 AÜG) - und nicht etwa als anderer Vertrag "getarnt" werden darf.

Verstößt ein Unternehmen gegen das AÜG, heißt das normalerweise: Der Leiharbeitnehmer ist als Arbeitnehmer des Unternehmens anzusehen, bei dem er eingesetzt wird (§ 9 Abs. 1 Nr. 1a AÜG, § 10 AÜG), und kann zum Beispiel auf Einstellung oder auf Schadenersatz für entgangenen Lohn klagen.

Es gibt Ausnahmen, etwa wenn der Leiharbeitnehmer schriftlich binnen eines Monats nach der geplanten Überlassung erklärt hat, dass er an dem Vertrag mit dem Leiharbeitsunternehmen (Verleiher) festhält. Oder wenn ein anders lautender Tarifvertrag abgeschlossen wurde (§ 1 Abs. 1b Satz 3 ff. AÜG). Aber die grundlegende Regel ist: Ein Unternehmen darf keine Leiharbeiter wie Festangestellte einsetzen, nur um Geld zu sparen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Wann ist ein Werkvertrag nur ein Scheinwerkvertrag? 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Bluejanis 19. Sep 2019

Ich arbeite selbst als Leiharbeiter und habe dadurch praktisch keine Nachteile...

max123 14. Aug 2019

Viele Stellen gibt es schon gar nicht mehr ohne erst als Leiharbeiter anzufangen. Da...

Bluejanis 09. Aug 2019

@Bankai: Es geht mir sehr ähnlich. Allerdings bin ich Leiharbeiter und bekomme mehr Geld...

nachgefragt 08. Aug 2019

Joa? die 3 Begriffe habe ich aber doch auch gar nicht verglichen? In dem Artikel geht...

treysis 05. Aug 2019

Gibt's da nicht so ne Regel, dass man nach 6 Jahren im öD einen unbefristeten Vertrag...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Waffensystem Spur
Menschen töten, so einfach wie Atmen

Soldaten müssen bald nicht mehr um ihr Leben fürchten. Wozu auch, wenn sie aus sicherer Entfernung Roboter in den Krieg schicken können.
Ein IMHO von Oliver Nickel

Waffensystem Spur: Menschen töten, so einfach wie Atmen
Artikel
  1. OpenBSD, TSMC, Deathloop: Halbleiterwerk für Automotive-Chips in Japan bestätigt
    OpenBSD, TSMC, Deathloop
    Halbleiterwerk für Automotive-Chips in Japan bestätigt

    Sonst noch was? Was am 15. Oktober 2021 neben den großen Meldungen sonst noch passiert ist, in aller Kürze.

  2. Pornoplattform: Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben
    Pornoplattform
    Journalisten wollen Xhamster-Eigentümer gefunden haben

    Xhamster ist und bleibt Heimat für zahlreiche rechtswidrige Inhalte. Doch ohne zu wissen, wer profitiert, wusste man bisher auch nicht, wer verantwortlich ist.

  3. China: Illegale Kryptominer zapfen Strom von Staatsfirmen an
    China
    Illegale Kryptominer zapfen Strom von Staatsfirmen an

    Im Kampf gegen Kryptomining haben chinesische Behörden entdeckt, dass auch in staatlichen Unternehmen und Behörden Strom abgezapft wurde.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Bis 21% auf Logitech, bis 33% auf Digitus - Cyber Week • Crucial 16GB Kit 3600 69,99€ • Razer Huntsman Mini 79,99€ • Gaming-Möbel günstiger (u. a. DX Racer 1 Chair 201,20€) • Alternate-Deals (u. a. Razer Gaming-Maus 19,99€) • Gamesplanet Anniversary Sale Classic & Retro [Werbung]
    •  /