Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Verdächtigungen im Internet: Attackiert, gedoxt, bedroht

Der Fall der verschwundenen Seniorin Nancy Guthrie zeigt, wie die Jagd nach Klicks und Aufmerksamkeit die Berichterstattung verändert hat.
/ Elke Wittich
33 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Ein Schild vor dem Haus von Nancy Guthrie in Arizona (Bild: Jan Sonnenmair/Getty Images)
Ein Schild vor dem Haus von Nancy Guthrie in Arizona Bild: Jan Sonnenmair/Getty Images
Inhalt
  1. Verdächtigungen im Internet: Attackiert, gedoxt, bedroht
  2. Digitale Spuren
  3. Einem Grundschullehrer wird das Leben zur Hölle gemacht
  4. Haltlose Spekulationen und Verdächtigungen
  5. Livestreams ohne Nachrichtenwert
  6. Der Appell einer Politikerin verhallt

Trotz Überwachungskameras, digitalen Spuren und großem Medien-Echo ist das Verschwinden der 84-jährigen Nancy Guthrie seit drei Monaten nicht aufgeklärt. Gleichzeitig verbreiten rund um die Uhr aktive Youtuber und Hobbydetektive Verschwörungserzählungen und Hetze und beschuldigen wahllos ihrer Meinung nach Verdächtige, die daraufhin bedroht werden.

Zahlreiche Fake News führten zudem dazu, dass Politiker und Experten bedroht werden – ein Phänomen, das mittlerweile auch hierzulande bekannt ist, aber in den USA unter anderem einem Grundschullehrer das Leben zur Hölle gemacht hat.

Der Fall Nancy Guthrie

Nancy Guthrie, die allein in ihrem Haus nahe Tucson/Arizona in einer ruhigen Wohngegend wohnt, besuchte am Samstag, den 31. Januar 2026, ihre in der Nähe wohnende Tochter Annie und deren Familie. Für die Hinfahrt buchte sie wie so oft ein Uber, zurück wurde sie von ihrem Schwiegersohn gebracht. Gegen 21:50 Uhr betrat sie, das ist durch Daten gesichert, ihr Haus durch die Garage, die danach automatisch geschlossen wurde.

Als Guthrie am nächsten Morgen jedoch nicht wie üblich am Livestream eines Gottesdienstes ihrer Gemeinde teilnahm, informierte ein Bekannter die Familie. Gegen 11 Uhr stellten Familienmitglieder fest, dass sie nicht zu Hause war, und alarmierten die Polizei, die rund eine Viertelstunde später eintraf.

Dass die Seniorin kaum freiwillig ihr Haus verlassen haben dürfte, stand schon früh fest. Nancy Guthrie ist gehbehindert und kann nur wenige Schritte allein laufen. Außerdem ist sie schwer herzkrank, trägt seit Jahren einen Herzschrittmacher und benötigt täglich ihre Medikamente(öffnet im neuen Fenster).

Gleichzeitig wird sie als mental fit und selbstständig geschildert. Allein zurechtzukommen, war sie schon seit Jahrzehnten gewohnt, 1988 kam ihr Mann Charles bei der Überprüfung einer Mine in Mexiko ums Leben. Die drei Kinder Savannah, Annie und Camron erzog sie danach allein.

Nach der polizeilichen Durchsuchung des Hauses stand fest, dass Guthrie persönliche Gegenstände wie ihr Handy zurückgelassen hatte. Suchen mit Hunden und Drohnen ergaben keinerlei Spuren von ihr. Der Einsatz eines Signal Sniffer, der laut Pressemeldungen angeblich per Helikopter Signale des Herzschrittmachers erkennen sollte, blieb ebenfalls ergebnislos. Tests von Blutspuren neben der Eingangstür wiesen nach, dass sie von der Verschwundenen stammten.


Relevante Themen