Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Betrug an allen Ecken und garantierter Datenverlust

Unsere Erwartungen sind selbstverständlich hoch, schließlich wurde uns bei beiden Medien eine Anbindung über USB 3.1 oder sogar 3.2 und eine Zugriffsgeschwindigkeit von 520 MByte/s versprochen. Und selbstverständlich war das ironisch gemeint, denn praktisch kann der Aufbau solche Datenraten nicht erreichen. Auch ist zumindest beim angeblichen Xiaomi-Stick direkt zu erkennen, dass er niemals USB 3.2 unterstützt: Zwar ist der Stecker blau, er hat aber nur vier Kontakte, mehr als 480 MBit/s sind damit schon rein praktisch nicht drin.

Kopieren wir große Dateien, kommt er kurzzeitig auf eine Übertragungsrate von 29 MByte/s, danach sinkt sie aber immer weiter ab, pendelt erst zwischen 15 und 20 MByte/s und fällt teils deutlich unter 10 MByte/s. Der Sandisk-Fake kommt auf 4 bis 16 MByte/s, dabei sind regelmäßig starke Variationen zu beobachten. Meist liegt die Übertragungsrate zwischen 7 und 9 MByte/s – typische Werte für eine günstige SD-Karte. Lesen lässt sich das Medium mit im Mittel etwa 12 MByte nur unwesentlich schneller.

Mit diesen niedrigen Übertragungsraten wird es bereits zur Geduldsprobe, den real verfügbaren Speicher der Medien voll zu bekommen. Als wir manuell den Sandisk-Klon mit Daten beladen, sehen wir die Auswirkungen des begrenzten realen Speichers: Ein Verzeichnis mit Fotos wird zwar angelegt, direkt nach dem Übertragen können wir auch einige der Bilder noch ansehen. Nach dem Abstecken ist der Ordner allerdings leer, das Betriebssystem hatte offensichtlich die entsprechenden Einträge des Dateisystems gecached, auf die SD-Karte wurden sie aber nie geschrieben.

Gelöschte Dateien belegen weiterhin Speicher

Nachdem wir das Verzeichnis löschen, bleibt die als verfügbar angezeigte Kapazität unverändert. Da der Ordner leer war, fehlten auch die Informationen zu den Dateien – zur Größe und zum Start-Cluster.

Damit konnten die den Dateien zugeordneten FAT-Cluster nicht freigegeben werden. Da das Betriebssystem davon ausging, dass der Ordner leer ist und keine Dateien gelöscht wurden, wurde auch der Wert für den freien Speicherplatz nicht aktualisiert. Zumindest aber überschreibt der Controller nicht einfach den Anfang der SD-Karte.

Wir testen beide Datenträger noch mit dem Tool h2testw(öffnet im neuen Fenster) , um die nutzbare Kapazität zu bestimmen. Der angebliche Xiaomi-Speicher scheint real gerade einmal knapp über 7 GByte zu fassen. Wie erwartet, sind die ersten GByte des Laufwerks damit hinterlegt. Die ersten gespeicherten Daten bleiben also erhalten, eine Analyse der Rohdaten des Dateisystems zeigt, dass die Partition sequenziell von Anfang an beschrieben wird.

Die Ergebnisse des Sandisk-Fakes hingegen sind verwirrend: Zwar funktioniert der Datenträger teilweise, doch das Testprogramm meldet bereits nach wenigen MByte defekte Dateien. Dann tauchen nach einer Weile wieder lesbare Daten auf. Die wahrscheinlichste Erklärung hierfür ist, dass die SD-Karte entweder von vornherein Defekte aufwies oder in kürzester Zeit Defekte entwickelt hat.

Auch einige der überraschend wenigen negativen Kommentare bei Aliexpress berichten von Ausfällen nach kurzer Zeit. Zwar können die Medien als teilweise funktionsfähig betrachtet werden. Als Gag wären sie also denkbar, sind dafür aber zu teuer. Echte USB-Sticks mit vergleichbarer Kapazität kosten fast das Gleiche. Für die meisten Menschen gilt daher: Finger weg von den Fake-Speichern.


Relevante Themen