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Verbrenner: Chinesische Autobauer umgehen EU-Zölle mit Hybrid-Trick

BYD, MG und Geely setzen verstärkt auf Plug-in-Hybride statt reine E-Autos , um die EU-Strafzölle von bis zu 45 Prozent zu vermeiden.
/ Michael Linden
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MG HS (Bild: MG)
MG HS Bild: MG

Chinesische Automobilkonzerne wie BYD, MG und Geely setzen verstärkt auf Plug-in-Hybridfahrzeuge für den europäischen Markt. Diese Strategie ermöglicht es ihnen, die seit Oktober 2024 geltenden EU-Strafzölle von bis zu 45 Prozent auf reine Elektroautos zu umgehen.

Die Zahlen des Branchendienstes Dataforce belegen diese Entwicklung laut einem Bericht des Handelsblatts(öffnet im neuen Fenster) deutlich. BYD verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 bereits über 20.000 Zulassungen für Plug-in-Hybride in der EU. Das entspricht einer Steigerung von etwa 17.000 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Auch die britische Marke MG, die zum chinesischen Saic-Konzern gehört, verkaufte von Januar bis Juni mehr Teilstromer als im gesamten Jahr 2024. Bei Geelys Premiummarke Lynk & Co wurden rund 4.000 Zulassungen für das Plug-in-SUV Lynk & Co 01 registriert.

Die EU-Zollregelung erfasst ausschließlich reine Elektrofahrzeuge, während Hybridmodelle davon ausgenommen bleiben. Diese Lücke nutzen chinesische Hersteller gezielt aus, um ihre Marktposition in Europa zu stärken.

Rentabilitätsunterschiede bei Export nach Europa

Analysten von Rho Motion haben die Profitabilitätsunterschiede zwischen verschiedenen Antriebsarten berechnet. Für BYDs Elektroauto Atto 3 fallen derzeit 27 Prozent Zoll an, was bei einem Startpreis von 37.990 Euro etwa 10.000 Euro ausmacht.

Das meistverkaufte Plug-in-Modell Seal U hingegen verursacht bei einem Preis von 39.990 Euro nur 3.999 Euro Zollkosten. Bei Saic-Fahrzeugen sind die Unterschiede noch größer, da für deren E-Modelle die höchsten EU-Zölle von 45,3 Prozent gelten.

Diese Zollbelastung spiegelt sich in den Verkaufszahlen wider. MG ließ in den ersten sechs Monaten nur 12.000 vollelektrische Fahrzeuge in der EU zu, ein Rückgang um 60 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Zulassungen bei Plug-in- und Vollhybrid-Modellen.

Preisdruck auf europäische Konkurrenz

Chinesische Anbieter setzen auf aggressive Preisstrategien. Das Plug-in-SUV MG HS kostet ab 28.000 Euro, während Volkswagen für den Tiguan mindestens 40.000 Euro verlangt. Selbst Toyotas kleineres Plug-in-Modell C-HR liegt rund 6.000 Euro über dem MG-Preis.

Beatrix Keim vom Center Automotive Research in Duisburg sieht Europa "am Anfang einer Plug-in-Preisschlacht" . Die chinesischen Hersteller verfolgen dem Bericht nach eine doppelte Strategie: Sie senken Preise, erhöhen Markenbekanntheit und Marktanteile, um später Kunden auf Elektroautos umzuleiten.

Die EU-Kommission hat die Problematik erkannt, handelt jedoch nicht. Für neue Zölle auf Plug-in-Hybride müsste ein separates Antisubventionsverfahren eingeleitet werden. Ein Kommissionssprecher betonte lediglich die Bereitschaft zu Verhandlungslösungen mit China.


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