Verbraucherzentrale: Wie beim Bezahlen von Onlinekäufen abgezockt wird
Wer im Internet einkauft, wird bei der Bezahlungsabwicklung zunehmend abgezockt. Das ergab eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in 120 Onlineshops, die am 18. Juni 2015 vorgestellt wurde(öffnet im neuen Fenster). Der Test reichte von Air Berlin bis Zalando, vom Zoo-Versandhaus bis Amazon. Zahlungen per Rechnung und Lastschrift, Nachnahme und Kreditkarte, Paypal und Amazon Payments belegen viele Händler mit Aufschlägen, im schlimmsten Fall mit weit über 100 Euro.
Die Mehrheit der Shops im Test der Verbraucherzentrale (70 von 120) kassierte für mindestens eine Zahlart, jeder vierte für mehrere. Aufschläge gab es vor allem bei Paypal, Kreditkarten und den verbraucherfreundlichen Rechnungskauf. Den verteuerte etwa Amazon um 1,50 Euro, Emotion sogar um fast zehn Euro. Auch Kunden, die Lastschrift, Amazon Payments oder Giropay bevorzugten, blieben nicht unbelastet.
Kräftige Aufschläge für das Bezahlen wollten vor allem Travel- und Technikshops. So verlangte die Fluglinie Germanwings für Rechnungskauf und Paypal 9,90 Euro, bei Abbuchung per Kreditkarte waren zwei Prozent des Gesamtpreises fällig: je 1.000 Euro also zusätzlich 20 Euro. Wie gesetzlich vorgeschrieben, bietet Germanwings mit der Variante Lastschrift zwar mindestens eine kostenlose gängige Bezahlart. Freigeschaltet war die Lastschrift aber erst "bis zu 5 Tage vor Abflug".
Praxis bei Fluege.de
Beim Reiseportal Fluege.de konnten Kunden laut Verbraucherzentrale bis zu einem Flugpreis von 1.000 Euro mit Lastschrift zahlen, bezahlten dafür aber eine "Service Fee" von 29,99 Euro, die sich für Hin- und Rückreise auf fast 60 Euro verdoppelte. In gleicher Höhe wurde der Einsatz von vier verschiedenen Kreditkarten berechnet, zwei blieben kostenfrei, so die Verbraucherschützer.
Deutlich weniger Zahlarten standen bei Einkäufen im Wert von über 1.000 Euro zur Verfügung. Hier standen nur diverse Kreditkarten zur Wahl. Ohne "ServiceFee" blieb lediglich die Abbuchung mit einer speziellen Mastercard Gold. Mit Visa, Mastercard oder American Express wurde es dagegen teuer: Wer zu zweit nach Dubai fliegen wollte, musste für Hin- und Rückflug insgesamt zusätzlich knapp 140 Euro zahlen (70 Euro pro Person). Soloreisenden berechnete Fluege.de jenseits der 1.000-Euro-Grenze sogar fast 100 Euro.
Fluege.de teilte Golem.de mit, dass die Gleichsetzung von Zahlungsgebühren und Service-Entgelt falsch sei. Fluege.de biete mit der klassischen Lastschrift die rechtlich erforderliche kostenfreie gängige Zahlungsmethode an. Bei Zahlung per Kreditkarte könnten Aufpreise fällig werden. Die Höhe der Entgelte für die jeweilige Zahlart bestimmt jedoch in aller Regel die Airline. Diese Kosten werden in gleicher Höhe an den Kunden weitergereicht.
Das Service-Entgelt sei für Reisebüros die wichtigste und häufig einzige Einnahmequelle. Provisionen werden im Fluggeschäft von den Airlines in aller Regel nicht mehr gezahlt. "Durch dieses Entgelt, welches bei Fluege.de transparent dargestellt wird, ist es überhaupt erst möglich, dass Reisebüros im Kundenauftrag Tausende von Airline-Tarife vergleichen und den günstigsten Flug ermitteln können", so ein Sprecher.
Ein Treue-Angebot für unsere Stammkunden sei die Fluege.de Mastercard Gold. Bei Nutzung dieses Angebots entfalle nicht nur ein Zahlungsentgelt, sondern der Kunde erhalte gleichzeitig einen Rabatt in Höhe des Service-Entgelts.
Kreative Zuschläge bei IT-Shops
Alternate bot sechs Zahlwege an, schlug aber ab 20 Euro Bestellwert für Sofortüberweisung, Paypal, Kreditkarte und Rechnungskauf bis zu 1,99 Euro auf, für Nachnahme 6 Euro. Ohne Kosten blieb nur die Vorkasse. Ebenso ging knapp ein Dutzend weiterer Shops vor.
Jeder vierte Shop in der Stichprobe stellte keine der Zahlarten wie Lastschrift oder Rechnungskauf zur Wahl – oder Einschränkungen verhinderten die Nutzung. So fanden die Verbraucherschützer Shops, die Bestellungen per Lastschrift drastisch einschränkten, Druckerzubehör beispielsweise auf nur 100 Euro.
5 Prozent des Kaufpreises
Ähnliche Hürden gab es bei vielen der 87 Händler, die den Kauf auf Rechnung ermöglichten. So wurde der Bestellwert auf "bis 250 Euro" beschränkt. Bei einem Zoo-Versandhaus stand die Zahlart erst nach einem oder mehreren problemlos verlaufenen Einkäufen zur Verfügung.
"4,5 Prozent vom Warenwert" wollte Lebensmittelhändler Saymo für den Kauf auf Rechnung. "5 Prozent des Kaufpreises" schlug 123Babyland drauf. Wer einen 1.000-Euro-Kinderwagen auf Rechnung bezahlen wollte, zahlte dafür 50 Euro extra. Beide Shops wird die Verbraucherzentrale abmahnen. Solche prozentualen Zuschläge sind nach Meinung der Verbraucherschützer unstatthaft. 14 weiteren Shops in der Stichprobe, die so kassierten, droht ebenfalls eine Abmahnung.
Die Technikshops Pixxass und Pearl versteckten die Aufschläge für das Zahlen in den Versandkosten. Per Bankeinzug bestellte Ware lieferte Pearl für 4,90 Euro, Kreditkarten-Zahler wurden mit 5,90 Euro belastet, Paypal- und Rechnungskauf mit 6,90 Euro.
Die Versandhäuser Otto und Baur nutzen die Smartphone-App Yapital, der Reiseveranstalter L'tur bietet Mpass. Dabei fielen je nach Reisevariante zwischen 8 und 15 Euro an.
Welche Zahlarten sicher sind
Beim Rechnungskauf lässt sich gelieferte Ware erst prüfen, bevor sie zu bezahlen ist. Bei der Lastschrift werden Händler zwar ermächtigt, die Kaufsumme vom Girokonto einzuziehen, doch das Geld lässt sich innerhalb von mindestens sechs Wochen ohne Angabe von Gründen problemlos zurückbuchen.
Sicherheit versprechen auch Paypal und Amazon Payments, doch hier sind Regeln genau einzuhalten, um erfolgreich zu reklamieren.
Problematisch sind dagegen alle Vorkasse-Zahlungen per Überweisung oder Kreditkarte, Sofortüberweisung oder Giropay. Kommt es hier zu Problemen, muss das Geld direkt beim Verkäufer eingefordert werden, zur Not vor Gericht.
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