Verbraucherschutz: Smartphone-Reparaturkosten viel zu hoch

Das Recht auf Reparatur soll um Bonuszahlungen bei günstigen Geräten erweitert werden: Das ist eine neue Forderung des Verbraucherschutzes.

Artikel veröffentlicht am , /dpa
Reparatur von Smartphones in Frankreich
Reparatur von Smartphones in Frankreich (Bild: Nicolas Tucat/AFP via Getty Images))

Defekte Handys und andere Geräte sollen künftig besser repariert werden können. Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) hatte dies bereits angekündigt - die Verbraucherzentralen wollen bei dem geplanten Recht auf Reparatur nun mehr Tempo.

Die Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, hofft auf "echten Fortschritt", wie sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. Wie eine Umfrage zeigt, scheuen viele Nutzer wegen hoher Kosten eine Reparatur etwa ihres Smartphones.

Das Vorhaben eines Rechts auf Reparatur ist im Koalitionsvertrag der Ampelparteien verankert und umfasst mehrere Punkte. Lemke hatte dies als "wichtigen Schritt aus der Wegwerfgesellschaft" angekündigt. Aus Sicht von Pop müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein. So müsse schon beim Kauf die Lebensdauer eines Produktes absehbar sein.

Handy-Reparatur oft teuer

In einer Erhebung untermauerte der Verbraucherzentrale Bundesverband den Eindruck, dass sich mobile Endgeräte oft nur teuer reparieren lassen. Für gängige Reparaturen müssen Nutzer tief in die Tasche greifen - insbesondere bei günstigeren Modellen, wie die Erhebung zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Für die Studie waren 345 Reparaturangebote geprüft worden. Für einen Display-Austausch werden demnach bei günstigen Modellen 42 Prozent bis 73 Prozent des Neupreises fällig. Bei Modellen über 600 Euro kostet dies weniger als die Hälfte des Neupreises.

Tatsächlich lassen viele ihr defektes Smartphone nicht reparieren. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen sagten 47 Prozent der befragten Smartphone-Besitzer, an deren Gerät in den vergangenen 24 Monaten ein Defekt aufgetreten war, dieses nicht reparieren zu lassen. Von ihnen gab knapp die Hälfte an, dass dies zu teuer gewesen wäre.

Reparierbarkeitsindex gefordert

Für ein Recht auf Reparatur nannte Pop wie bereits zuvor Lemke einen Reparierbarkeitsindex als zentral. Die Verbraucherschützerin sagte: "Andere Länder wie Frankreich gehen voran." Mit dem französischen Reparaturindex könnten Verbraucher Geräte danach beurteilen, wie gut sie reparierbar seien. "Das wäre für Deutschland nicht nur denkbar, sondern auch wünschenswert."

Denn viele wünschten sich, dass die Geräte länger halten, betonte Pop. Die Produkte sollten nicht kurz nach dem Ende der Gewährleistung kaputt gehen, wie das häufig der Fall sei. "Immer mehr Menschen sagen: Ich muss ja nicht sofort neu kaufen, nur weil etwas kaputt gegangen ist", sagte Pop. "Wir sehen aber auch, dass relativ hohe Reparaturkosten viele dann doch abschrecken."

Reparaturbonus bei günstigen Geräten

Pop hat einen weiteren Vorschlag: "Denkbar wäre, dass man ein Recht auf Reparatur mit einem Reparaturbonus zusammenbringt, um die teils hohen Kosten ein Stück weit aufzufangen", sagte sie.

Natürlich überlege man gerade bei Geräten, die vielleicht nicht ganz so teuer gewesen seien, ob man nicht doch lieber neu kaufen solle. "Mit einem Reparaturbonus würde die Reparatur unterstützt", sagte Pop. "Der würde bei bestimmten Reparaturleistungen dann ausgezahlt."

Ein Recht auf Reparatur sei zeitgemäßer denn je, sagte Pop. "Durch die Störung von Lieferketten ist nicht mehr jedes Produkt ständig verfügbar." Reparatur statt Neukauf könne auch eine beträchtliche finanzielle Entlastung in Zeiten einer hohen Inflation mit sich bringen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


minnime 29. Aug 2022

Ich finde den Meisterzwang ganz gut, das ist ein Versuch um einigermaßen Qualität in der...

rubberduck09 29. Aug 2022

Und warum muss jede neue Generation eines X-beliebigen elektronischen Geräts immer...

Vögelchen 29. Aug 2022

Subventionen sind einfach eine saublöde Idee! Und was bekomme ich, wenn ich es selbst...

derSid 29. Aug 2022

Also die JoyCons meiner Kinder wurden auch hier in DE gratis repariert - ich selbst hatte...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Augen
Besser sehen bei der Bildschirmarbeit

Arbeitsplatzbrille, Blaulichtfilter, Glaukom: Was ist bei langen Arbeitszeiten am Monitor zu beachten? Eine Augenärztin gibt Tipps.
Von Peter Steinlechner

Augen: Besser sehen bei der Bildschirmarbeit
Artikel
  1. Energieversorgung: Nachfrage nach Wärmepumpen kühlt ab - außer in Deutschland
    Energieversorgung
    Nachfrage nach Wärmepumpen kühlt ab - außer in Deutschland

    Der Europäische Wärmepumpenverband zeigt sich wegen sinkender Absatzzahlen besorgt, aber hierzulande bleibt das Interesse groß.

  2. Elektroauto: Tesla will den Cybertruck schwimmfähig machen
    Elektroauto
    Tesla will den Cybertruck schwimmfähig machen

    Teslas elektrischer Pick-up soll laut Elon Musk mindestens 100 Meter weit durchs Wasser schwimmen.

  3. Frigate: Intelligente Videoüberwachung ohne Cloudzwang
    Frigate
    Intelligente Videoüberwachung ohne Cloudzwang

    Mit der Open-Source-Software Frigate lässt sich eine moderne Videoüberwachung realisieren - ohne Hersteller-Cloud und unabhängig von der Hardware.
    Von Dominik Haas

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MSI XMAS-Sale • Crucial P5 Plus SSD 500GB 39,99€ • Nur noch kurz: 3 für 2 Games-Aktion (PS5, PS4, Xbox, PC) • Apple Week • AVM Fritz Box 7510 74,99€ • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar, AC: Mirage & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ [Werbung]
    •  /