Ventana Veyron: RISC-V kommt ins Rechenzentrum

Das Start-up Ventana stellt offiziell seine erste CPU für Hyperscaler vor. Ein ungewöhnliches Produktkonzept soll ARM und x86 Konkurrenz machen.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Im Rechenzentrum sieht Ventana Microsystems noch viel Platz für RISC-V.
Im Rechenzentrum sieht Ventana Microsystems noch viel Platz für RISC-V. (Bild: Flickr, RISC-V Foundation / Montage: Golem.de/CC-BY-SA 2.0)

Gerade erst fasst ARM mit Prozessoren wie dem Ampere Altra (Test) oder Amazons Graviton in Rechenzentren Fuß, da kündigt Ventana Microsystems bereits Konkurrenz an. Das Start-up hat auf dem RISC-V Summit die erste Version seines RISC-V-Prozessors namens Veyron V1 vorgestellt (via The Register). Der richtet sich an Hyperscaler und soll sich an die Anforderungen der Kunden anpassen lassen.

Bei der Personalisierung geht Ventana einen recht ungewöhnlichen Weg: Neben dem Prozessor hat das Start-up einen Ein-/Ausgabe-Chip (IO-Hub) entwickelt. Wie bei AMD werden die Prozessorsysteme aus einem Die mit dem IO-Hub und einem oder mehreren Prozessor-Dies (Chiplets) zusammengesetzt. Kunden kaufen IO-Hub und Prozessor-Dies bei Ventana und können selbstentwickelte Beschleuniger-Dies ergänzen. Ventana kümmert sich dann darum, die Dies zu integrieren (Packaging).

Normalerweise verkaufen Unternehmen wie Ventana kein fertiges Silizium, sondern ihr Prozessordesign als sogenanntes Intellectual Property (IP). Um die Halbleiterfertigung kümmert sich dann der Kunde, eventuell passt er noch den Prozessor an. Dieses Modell will auch Ventana anbieten, das fertige Silizium soll allerdings das Kerngeschäft sein. Ziel sind Unternehmen wie Investor Cisco, aber auch AWS und Google, die so weniger Arbeit mit der Entwicklung eigener Prozessoren haben, da sie nur noch ihre spezifischen Beschleuniger als abgeschlossenen Chip entwickeln müssen. Die Integration anderer Komponenten entfällt.

Bis zu 192 Prozessorkerne pro Package

Jedes Prozessor-Die soll 16 der selbstentwickelten RISC-V-Kerne enthalten, die mit 3,6 GHz takten und über 48 MByte gemeinsamen L3-Cache verfügen. Verbunden werden die einzelnen Dies über eine parallele Schnittstelle, mit der Ventana eine deutlich geringere Latenz erreichen will als bei anderen Chiplet-Designs. Sie soll mit 7 ns nur wenig über den in einem monolithischen Chip erreichbaren Werten liegen. Die Schnittstelle hat Ventana nach eigenen Angaben selbst entwickelt, langfristig ist aber ein Umstieg auf Universal Chiplet Interconnect Express (UCIe) denkbar. Das könnte für Kunden die Auswahl an Beschleunigern vergrößern, die technischen Daten von UCIe sind den von Ventana genannten vergleichbar.

Bis zu 12 Prozessor-Dies sollen Kunden in einem Chip montieren können, der dann 192 Kerne hätte. Gefertigt und verpackt werden die Chiplets vorerst bei TSMC, das Prozessor-Die in einem 5-nm-Prozess, das IO-Hu -, wie auch bei AMD - mit einem nicht näher benannten älteren Prozess. Langfristig könnte Ventana zu Intels Foundry Service wechseln, hier gab Intel Anfang 2022 eine Kooperation mit mehreren Entwicklern von RISC-V-Prozessoren bekannt.

Potenzielle Kunden sollen Muster des Veyron V1 im zweiten oder dritten Quartal 2023 bekommen, ein Jahr später als ursprünglich geplant. Dann soll allerdings bereits die zweite, deutlich verbesserte Version fertig sein, die Ventana parallel zum V1 entwickelt.

Ventana-Entwickler sind keine Unbekannten

Hinter Ventana Microsystems steht ein Team mit einiger Erfahrung bei der Entwicklung von Prozessoren für Rechenzentren. CEO Balaji Baktha war an der Entwicklung des ersten Prozessors für Rechenzentren mit ARM-Architektur beteiligt, aus dem der X-Gene von Applied Micro wurde. Der war allerdings wenig erfolgreich, da das Software-Ökosystem fehlte. Ob der Veyron erfolgreicher wird, muss sich zeigen, allerdings sind Kunden gegenüber alternativen Prozessorarchitekturen mittlerweile deutlich offener. Der starke Trend zu RISC-V in China dürfte zudem dazu führen, dass die Anpassung von Software an RISC-V deutlich schneller geht als seinerzeit bei ARM.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Grim Fandango
Toller Trip durch das Reich der Toten

Morbide und lustig: Grim Fandango war kein Erfolg und gilt trotzdem als Klassiker. Golem.de hat es erneut durchgespielt - und war wieder begeistert.
Von Andreas Altenheimer

25 Jahre Grim Fandango: Toller Trip durch das Reich der Toten
Artikel
  1. Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
    Star Wars
    Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

    Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

  2. Autonomes Fahren: Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt
    Autonomes Fahren
    Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt

    Landmaschinen ohne Fahrer, Traktoren, die mit Gesten gesteuert werden - autonome Systeme sollen in der Landwirtschaft gleich mehrere Probleme lösen.
    Ein Bericht von Werner Pluta

  3. Lohn und Gehalt: OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr
    Lohn und Gehalt
    OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr

    Die Firma hinter Chat-GPT zahlt im Vergleich zu Unternehmen wie Nvidia besonders gut. Erfahrene Forscher und Entwickler auf dem Gebiet sind Mangelware.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Crucial P5 Plus 2 TB mit Kühlkörper 114,99€ • Crucial Pro 32 GB DDR5-5600 79,99€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • Anthem PC 0,99€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /