Vendée Globe: Mit der Hightech-Yacht durch den wilden südlichen Ozean

Boris Herrmann segelt als erster Deutscher die Einhandregatta Vendée Globe mit. Sein Boot ist gespickt mit Technik.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Boris Herrmann auf der Seaexplorer: keine Zeit, das Boot zu steuern
Boris Herrmann auf der Seaexplorer: keine Zeit, das Boot zu steuern (Bild: Jean-Marie Liot/Malizia)

Boris Herrmann ist nicht gut drauf an diesem Freitagmorgen bei der Online-Pressekonferenz. Zu dem Zeitpunkt segelt er gerade südöstlich des afrikanischen Kontinents, im südwestlichen Indischen Ozean. Die Bedingungen sind rau, die Wellen kurz und hackig. In der Nacht zuvor hat er zuerst einen, dann den anderen Hydrogenerator verloren.

Inhalt:
  1. Vendée Globe: Mit der Hightech-Yacht durch den wilden südlichen Ozean
  2. Oscar erkennt Treibgut mit KI
  3. Der Computer steuert
  4. Die härteste Regatta

Hydrogeneratoren sind am Heck angebrachte Turbinen, die vom Aussehen her an einen Außenbordmotor erinnern. Werden sie ins Wasser abgelassen, erzeugen sie Strom für das Boot. Ihr Verlust ist ein Problem für den Hamburger Einhandsegler.

Ein Autopilot steuert das Boot

Segeln ist längst ein technischer Sport geworden - vergleichbar etwa mit der Formel 1. Herrmanns Boot, die Seaexplorer Yacht Club de Monaco - früher Malizia -, ist ein Hightech-Wasserfahrzeug, gebaut aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) und segelt auf Foils, u-förmigen Schwertern, die das Boot aus dem Wasser heben. Gesteuert wird die Seaexplorer Yacht Club de Monaco von einem Autopiloten, sie hat eine Datenverbindung per Satellit zum Senden und Empfangen, ist gespickt mit Sensoren, deren Daten ein Bordcomputer auswertet - und alle diese Systeme brauchen Strom.

Die technischen Systeme helfen enorm. "Man hat gar keine Zeit, das Boot zu steuern", erzählt der Co-Skipper der Malizia, Will Harris, im Gespräch mit Golem.de. Zwar seien Menschen besser darin, das Boot zu steuern, weil sie den Wind und die Wellen spüren. Einen Computer dazu zu bringen, so gut wie ein Mensch oder gar besser zu steuern, sei schwierig. "Aber wenn man eine Soloregatta segelt, hat man keine Zeit zum Steuern, weil man anderes an Bord zu tun hat."

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Herrmann macht viel vom Computer aus: Dort kommen die Wetterdaten an, die über Inmarsats Fleetbroadband oder Iridium Certus an Bord übertragen werden. Der Iridium-Dienst hat den Vorteil, dass er auch in den hohen Breiten, in den Herrmann gerade unterwegs ist, verfügbar ist.

Zweimal am Tag lädt der Segler die Daten herunter, jeweils etwa 20 MByte. Eine sogenannte Ocean Box sorgt dabei dafür, dass nur Daten übertragen werden, die unbedingt notwendig sind, um die Kosten im Rahmen zu halten. Um Strom zu sparen, ist der Computerarbeitsplatz außerdem nicht mit aufwendiger Hardware ausgestattet. Ein einfaches kleines Display muss reichen. Für den Fall, dass Computer oder Display den Geist aufgeben, hat Herrmann noch Ersatz im Gepäck.

Der Rechner macht Vorschläge

Mit einer Navigations-Software plant er Kurs und Strategie. Darin laufen Wetter- und Positionsdaten zusammen. Während der Vorbereitungen haben Harris und er zudem Analysen erstellt, welche Segel bei bestimmten Windrichtungen und -geschwindigkeiten die höchste Leistung bieten. Insgesamt hat Herrmann acht Segel an Bord. Anhand der Daten schlägt der Rechner ihm vor, welches Segel unter vergleichbaren Bedingungen am besten funktioniert hat, und wie die Foils eingestellt werden müssen.

Segeln: Das neue Praxishandbuch. Aktualisierte Neuauflage

Die Vorgaben aus dem Computer, die in der Vorbereitung hart erarbeitet wurden, erleichtern Herrmann die Entscheidungen über Segel-, Foils- und andere Einstellungen. Abnehmen können sie sie ihm aber nicht: Welche Segel er setzt, wie er sie trimmt, wie weit die Foils ausgefahren werden können, das kann er nur nach den vorherrschenden Bedingungen wie Wind und Seegang entscheiden.

Wichtig ist, dass bei den immensen Geschwindigkeiten - die Boote schaffen knapp 40 Knoten, also etwa 70 km/h - nichts kaputtgeht. Dafür sorgen Sensoren und das Kollisionsverhinderungssystem Oscar.

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andkleves 19. Dez 2020

Ja, genau - und nicht zu vergessen: um so ein Rennen um die Welt zu bestreiten, braucht...



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