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Die härteste Regatta

Escoffier stieg - bei fünf Meter hohen Wellen und starkem Wind - in die Rettungsinsel um. Gut zwei Stunden später traf der Franzose Jean Le Cam, der am nächsten an Escoffier dran war, an der Unglücksstelle etwa 840 Seemeilen südwestlich vom Kap der Guten Hoffnung ein. Auch Herrmann, Simon und Yannick Bestaven wurden von der Regattaleitung dorthin beordert. Knapp zwölf Stunden musste Escoffier in der Rettungsinsel ausharren, bevor es Le Cam um 2 Uhr nachts gelang, ihn zu sich an Bord zu nehmen.

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Damit machte die Vendée Globe ihrem Ruf als eine der härtesten Regatten der Welt wieder alle Ehre: Es ist eine Non-Stop-Regatta für Einhandsegler rund um die Welt. Start und Ziel ist Les Sables-d'Olonne in der Vendée an der französischen Atlantikküste - daher der Name.

Gesegelt wird im rauen Südmeer

Rund 24.000 Seemeilen, über 44.000 Kilometer, gilt es zurückzulegen, ein Großteil davon in den hohen südlichen Breiten, den berüchtigten Roaring Forties und Howling Fifties. Gesegelt wird auf 60 Fuß (18 Meter) langen Einrumpf-Booten, den Open 60 oder Imoca 60. Es ist ein offene Klasse, das heißt die International Monohull Open Class Association (Imoca) gibt einige Parameter vor, wie die Länge von 59 bis 60 Fuß, oder einen Tiefgang von maximal 4,5 Meter. Innerhalb dieser Grenzen haben die Konstrukteure Spielraum.

Die Vendée Globe wird solo gesegelt. Mit den Open 60 werden aber auch andere Regatten gesegelt, bei denen eine zweiköpfige Crew an Bord ist. Eng wurde es an Bord der Malizia II im Sommer vergangenen Jahres: Herrmann hatte der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg angeboten, sie zum Klimagipfel der Vereinten Nationen nach New York zu bringen.

An Bord der Open 60 Malizia II war damals eine fünfköpfige Crew: Herrmann, sein Co-Skipper Pierre Casiraghi, Neffe des monegassischen Fürsten Albert I., Thunberg, ihr Vater Svante Thunberg sowie der schwedische Dokumentarfilmer Nathan Grossman.

Da die Vendée eine französische Regatta ist, ist das Gros des Teilnehmerfeldes französisch, Herrmann und Isabelle Joschke sind die ersten Deutschen überhaupt, die daran teilnehmen, wobei Joschke neben der deutschen auch die französische Staatsbürgerschaft hat und in Frankreich lebt. Sie ist eine von sechs Frauen aus dem Feld.

Herrmann will die Hydrogeneratoren reparieren

Aktuell hofft Herrmann auf ein ruhigeres Wetterfenster, um seine beiden Hydrogeneratoren zu reparieren. Das ist nicht ungefährlich, denn dabei muss er sich über das Heck hängen. Das nötige Material hat er an Bord: In fünf großen Taschen lagern 130 Kilogramm Ersatzteile wie Kohlefaserplatten, ein Stück Mastschiene, Elektrik und Elektronikteile, eine Tauchausrüstung, eine Bilgepumpe. Hinzu kommen weitere 130 Kilogramm Verpflegung sowie ein 30 Kilogramm schweres Ersatzruder. Nach jeder Wende und jeder Halse muss Hermann die gesamte Ladung auf die andere Bootseite wuchten.

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Bis die Hydrogeneratoren wieder arbeiten, liefern Solarzellen auf Deck den Strom. Herrmann habe schon die Datenverbindung eingeschränkt und übertrage Daten vom Boot nicht mehr in Echtzeit zum Team an Land, erzählt Harris. Möglicherweise muss die Dieselmaschine genutzt werden, um Strom zu produzieren - was jedoch Herrmanns Anspruch, nur sauberen Strom zu nutzen, widerspricht.

Thomsen holte im Atlantik auf

Herrmann liegt aktuell in einer Gruppe von acht Booten, die zwei Spitzenreiter verfolgen. Sein Rückstand auf den Führenden, Charlie Dalin, beträgt 375 Seemeilen. Da ist noch alles drin für den Hamburger: Bei der letzten Vendée Globe vor vier Jahren etwa führte Armel Le Cléac'h am Kap Hoorn mit 800 Seemeilen Vorsprung auf Alex Thomson.

  • Boris Herrmanns Boot Seaexplorer ist eine hochtechnisierte Yacht. (Bild: Jean-Marie Liot/Malizia)
  • Das Boot ist aus CFK gebaut und mit Foils ausgestattet. Mit den u-förmigen Schwertern wird das Boot schneller. (Bild: Jean-Marie Liot/Malizia)
  • Sie sind aktuelle Technik und wurden Anfang des Jahres angebaut. (Bild: Yann Riou/Malizia)
  • Der Bordcomputer ist die Zentrale des Bootes. (Bild: Andreas Lindlahr/Malizia)
  • Hier wertet Herrmann Wetterdaten aus und plant seine Strategie. (Bild: Andreas Lindlahr/Malizia)
  • Der Autopilot steuert zwar, aber die Segel muss Herrmann selbst trimmen. (Bild: Andreas Lindlahr/Malizia)
  • Knochenarbeit: Nach jeder Wende und jeder Halse müssen mehrere hundert Kilo Gepäck umgepackt werden. (Bild: Pierre Bouras/Malizia)
  • Der Segler aus Hamburg ist allein an Bord - es ist eine Solo-Regatta. (Bild: Jean-Marie Liot/Malizia)
  • Herrmann ist der erste Deutsche, der an der Regatta teilnimmt, die als eine der härtesten gilt. (Bild: Jean-Marie Liot/Malizia)
  • Herrmann setzt sich für den Klimaschutz ein. (Bild: Arctique Race)
  • Er legt Wert auf sauberen Bordstrom, der unter anderem von Solarzellen erzeugt wird. (Bild: Andreas Lindlahr/Malizia)
  • 2019 brachte Herrmann Greta Thunberg mit seinem Boot zum UN-Klimagipfel nach New York. (Bild: Jen Edney/Malizia)
  • Auf der Regatta sammelt Herrmann Meeresdaten für die Klimaforschung. (Bild: Yvann Zedda/Malizia)
  • Wenn die Seaexplorer hält, hat Herrmann gute Chancen auf einen der vorderen Plätze. (Bild: Andreas Lindlahr/Malizia)
Auf der Regatta sammelt Herrmann Meeresdaten für die Klimaforschung. (Bild: Yvann Zedda/Malizia)

Im Atlantik holte der Brite dann massiv auf. Im Ziel fehlten ihm nur noch 30 Meilen auf Le Cléac'h. Kein Wunder, dass Thomson in diesem Jahr als großer Favorit galt - bevor er mit einem kaputten Ruder ausschied. Anders als Herrmann hatte er keinen Ersatz an Bord.

Erst einmal ankommen

Bisher sind fünf Boote ausgefallen. Es werden aber wahrscheinlich noch mehr: Im Schnitt kommt bei einer Vendée Globe nur etwas mehr als die Hälfte der Teilnehmer ins Ziel. Wer aus der Spitzengruppe ankommt, hat also eine gute Chance auf den Sieg. Denn auch hier gilt das alte Bonmot von Ron Dennis, dem ehemaligen Chef des McLaren-Formel-1-Teams: "To finish first you have to finish first."

"Man braucht sehr viel innere Kraft und Geduld, um sich immer wieder zu sagen: Jaja, morgen wird's schon besser sein. Ich komme ganz gut damit klar", sagt Herrmann. "Ich bin der Meinung, der menschliche Geist kann sich an alles gewöhnen, aber es sind harte Bedingungen, meine Güte. Verdammt nochmal, ich bin froh, wenn ich wieder zu Hause bin!"

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andkleves 19. Dez 2020 / Themenstart

Ja, genau - und nicht zu vergessen: um so ein Rennen um die Welt zu bestreiten, braucht...

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