Vega 20: Die Grafikkarte, die AMD nie in den Handel brachte

Ein Reddit-Nutzer konnte eine Vega-20-Karte im Vollausbau auftreiben. Sie hätte Nvidia Konkurrenz gemacht, AMD hat sie aber nur an Apple verkauft.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Die Radeon Pro VII mit Vega-20-Vollausbau gab es nie zu kaufen.
Die Radeon Pro VII mit Vega-20-Vollausbau gab es nie zu kaufen. (Bild: AMD)

Gelegentlich kommen Vorserienmuster (Engineering Samples) von Hardware in die falschen Hände, zumindest aus Sicht der Hersteller. Dann zeigt sich oft nachträglich, was ein Hersteller mal gekonnt hätte, aber nicht umgesetzt hat. Einem Reddit-Nutzer gelang es, ein solches Engineering Sample von AMDs Vega 20 im Vollausbau zu ergattern (via Tom's Hardware). Auch zum Laufen bekam er die Karte, wenn auch mit Einschränkungen.

Die Vega 20 war die zweite Generation von Grafik-Chips, die AMD mit High-Bandwidth-Memory (HBM) bestückte. Die 7-nm-Chips kamen 2019 auf den Markt, für Endkunden gab es sie allerdings nur mit 60 aktivierten Compute Units (CUs). Mit 64 aktiven CUs kam der Chip nur im Rechenbeschleuniger Radeon Instinct MI60 und den Radeon-Pro-Modellen zum Einsatz, die exklusiv in Apples Mac Pro verbaut wurden. Bis zu vier Chips arbeiteten in der Workstation.

Als Instinct MI60 gibt sich auch das Engineering Sample anhand seiner Geräte-ID zu erkennen. Nachdem er Windows zwang, den Treiber für die Radeon Pro VII zu verwenden lieferte die Karte dann auch ein Bild. Im Test mit Aida64 erreichte die Karte eine Rechenleistung von 6,4 Tflops bei doppelter Genauigkeit bei einem Takt von 1,7 GHz, 14 Prozent weniger als die mit 1,8 GHz taktende MI60. Die Firmware – die Karte verfügt hier über zwei Varianten – hätte offensichtlich noch etwas Tuning benötigt. Der Reddit-Nutzer geht davon aus, dass die Karte als Radeon Pro V420 hätte in den Handel kommen können. Die GPU-Datenbank von Techpowerup hat hierfür einen Eintrag, AMD brachte das Modell aber nie auf den Markt.

Warum kam der Vollausbau nie in den Handel?

Über AMDs Gründe, den Vollausbau der Vega 20 nicht auf den Endkundenmarkt zu bringen, lässt sich nur spekulieren. Der naheliegendste Grund ist, dass die Ausbeute voll funktionsfähiger Chips dafür nicht ausreichte. Schließlich war der Chip nicht ausschließlich für Grafikkarten gedacht und als Rechenbeschleuniger besser aufgestellt. Die Vega 20 war zu Nvidias zeitgleich erhältlicher RTX 2080 nämlich, wie unser Test (g+) zeigte, nur leidlich konkurrenzfähig.

Um mit Nvidias Grafikkarten mithalten zu können, benötigte die Vega 20 selbst mit nur 60 CUs 300 Watt Leistung. Dazu kam der teure HBM-Speicher, die Karten konnten Nvidia auch preislich keine Konkurrenz machen. Der Vollausbau wäre noch einmal deutlich teurer geworden. Er hätte zwar der RTX 2080 Ti Konkurrenz machen können, allerdings vermutlich zu einem sehr unattraktiven Preis. Die genauen Gründe werden aber wohl AMDs Geheimnis bleiben.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Donald E. Knuth
30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar

Ein bisschen theoretische Informatik, Algorithmen oder Mathematik zu Weihnachten? Wer das mag, kann nun sogar alle Vorlesungen hintereinander ansehen.

Donald E. Knuth: 30 Jahre Weihnachtsvorlesungen frei verfügbar
Artikel
  1. 25 Jahre Grim Fandango: Toller Trip durch das Reich der Toten
    25 Jahre Grim Fandango
    Toller Trip durch das Reich der Toten

    Morbide und lustig: Grim Fandango war kein Erfolg und gilt trotzdem als Klassiker. Golem.de hat es erneut durchgespielt - und war wieder begeistert.
    Von Andreas Altenheimer

  2. Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
    Star Wars
    Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

    Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

  3. Updates für GPT-3 und GPT-4: GPT im Geschwindigkeitsrausch
    Updates für GPT-3 und GPT-4
    GPT im Geschwindigkeitsrausch

    OpenAIs Updates für GPT-4 und GPT-3 machen die Modelle zuverlässiger, vor allem aber anpassungsfähiger. Die Änderungen und neuen Features im Detail.
    Von Fabian Deitelhoff

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • TeamGroup Cardea Graphene A440 2 TB mit zwei Kühlkörpern 112,89€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • AVM FRITZ!Repeater 3000 AX 129€ • Philips Ambilight 77OLED808 2.599€ • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /