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VDSL2-Nachfolgestandard: G.fast in Deutschland wohl kaum einsetzbar

G.fast könnte wirklich eine Brückentechnologie zwischen VDSL2-Vectoring und FTTH sein – aber nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz. Denn Distribution Points auf der Straße fehlen hierzulande meist. G.fast störe zudem Powerline sowie UKW und beeinflusse auch den Frequenzbereich von VDSL2+, warnen Experten.
/ Achim Sawall
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Andrea Weißenfels von Ewe.tel (Bild: Achim Sawall/Golem.de)
Andrea Weißenfels von Ewe.tel Bild: Achim Sawall/Golem.de

Der mögliche VDSL2-Nachfolgestandard G.fast lässt sich wohl im deutschen Festnetz kaum sinnvoll nutzen. "G.fast könnte sich auch als Luftnummer erweisen" , sagte ein Experte eines Telekommunikationsunternehmens Golem.de am Rande der Breko-Jahrestagung in Berlin(öffnet im neuen Fenster) . Der Standard verspricht laut Fachleuten die Geschwindigkeit von Glasfasern im Kupfernetz.

G.fast arbeitet im Frequenzbereich von 2,2 bis 106/212 MHz. Probleme träten darum durch Beeinflussung von VDSL2+ (17/30 MHz) und durch Störungen im Frequenzbereiches von Powerline-Internet, den Funkdiensten von BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), UKW und Kurzwelle auf, sagte Professor Kristof Obermann von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM).

Frequenzbereiche ausblenden?

Als mögliche Lösung nannte Obermann beim G.fast-Hintergrundgespräch des Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation) im Vorfeld der Jahrestagung das Ausblenden entsprechender Frequenzbereiche. Damit seien aber hohe Performance-Einbußen verbunden, so dass sich der Einsatz der Technik möglicherweise kaum noch lohne. Dies werde in Feldtest der THM gründlich geprüft, sagte Obermann.

Je nach Ort der Einspeisung unterscheidet man zwischen der G.fast-Nutzung direkt am Hausanschluss, der meist im Keller eines Gebäudes liegt, und dem Einsatz an einem speziellen Einspeisepunkt (FTTdp – Fibre To The Distribution Point), der auf der Straße, meist unter dem Gehweg, liegen kann. Diese Variante wird auch als FTTS (Fibre To The Street) bezeichnet. In Deutschland gibt es bislang nur sehr wenige Distribution Points, sie müssten für G.fast eigens errichtet werden.

Distribution Points: Anderes Festnetz in der Schweiz

In der Schweiz seien die Distribution Points dagegen gut ausgebaut. Im Festnetz der Deutschen Telekom seien hier stattdessen meist nur Muffen zu finden, erklärte Andrea Weißenfels, Referentin für Recht und Regulierung bei dem Telekommunikationsunternehmen Ewe.tel. Daher würde sich die Errichtung solcher Distribution Points durch die Telekom-Konkurrenten wirtschaftlich nicht lohnen. Möglich sei aber auch, dass die Telekom hier selbst aktiv werde und viel Geld investiere, um G.fast selbst zu nutzen. Die Regulierung ist hier noch ungeklärt.

Der Breko hat eine eigene Taskforce für G.Fast eingerichtet. Ewe.tel ist das Unternehmen in dem Verband, das die Technologie in seinem Netzwerk erproben wird.

Breko: 400.000 Haushalte mit FTTB oder FTTH

Laut Planungen der Breko-Unternehmen für 2015 sollen weitere 10.500 Kabelverzweiger mit Glasfaser erschlossen werden, wodurch zusätzliche 600.000 Haushalten FTTC erhalten sollen. Daneben wollen die Mitgliedsunternehmen rund 400.000 Haushalte mit FTTB oder FTTH anschließen. Mitte 2014 betrieben die Breko-Firmen laut eigenen Angaben rund 850.000 der in Deutschland rund 1,7 Millionen verfügbaren FTTB- und FTTH-Zugänge.


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