Smart Meter: Intelligentes Stromnetz kommt "spät, aber richtig"

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im VDE(öffnet im neuen Fenster) hat im Pressegespräch nach dem Kongress ZMP 2025(öffnet im neuen Fenster) die wichtigsten Eckpunkte zu den intelligenten Messsystemen für Netzanschlusspunkte und Verbraucher vorgestellt. Bis Ende 2025 sollen nach aktueller Gesetzeslage bereits 20 Prozent der Kunden mit mindestens 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch mit diesen Systemen ausgestattet sein. Das wären mehr als 2,5 Millionen solcher Geräte.
Endverbraucher sollen von der Umstellung möglichst wenig mitbekommen. Deshalb wurde zum Beispiel die Grenze für die Steuerbarkeit von Erzeugungsanlagen von 2 auf 7 Kilowatt Leistung angehoben.
Darüber hinaus soll die Regelung zukünftig im Netzanschlusspunkt stattfinden. Dort soll ein Korridor für Verbrauch und Stromeinspeisung vorgegeben sein, also eine Ober- und Untergrenze, bis zu der kein Eingriff erfolgt. Innerhalb dieses Bereichs können Endverbraucher den Strom nach eigenen Bedürfnissen nutzen oder auch einspeisen.
Flexibel und regelbar
Dass die private Solaranlage oder die Wallbox vor der eigenen Haustür unmittelbar geschaltet werden, soll dabei möglichst vermieden werden. Stattdessen wird darauf gesetzt, dass durch die Bündelung größerer Netze zumindest im lokalen Bereich schon vorab ein Ausgleich stattfindet. Die tatsächliche Steuerung des intelligenten Stromnetzes findet dann erst auf der Mittel- und Hochspannungsebene statt.
Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden des VDE FNN, Ingo Schönberg, genügt es dafür bereits, wenn 80 Prozent der Verbrauchsstellen erreichbar sind. Die zusätzlichen, vergleichsweise kleinen Schwankungen könnten ausgeglichen werden.
Für eine möglichst hohe Flexibilität sollen zukünftig produzierende Anlagen in ihrer Leistung regelbar sein, während Komplettabschaltungen vermieden werden sollen. Auch das bidirektionale Laden wird aller Voraussicht nach ausgebaut. Dann könnten heimische Speicher und die Akkus in Elektroautos bei Bedarf zusätzlichen Strom ins Netz einspeisen und dann geladen werden, wenn ein Überangebot herrscht.
Dabei helfen dynamische Stromtarife, nach denen vor allem die Endverbraucher gezielt ihren Verbrauch daran ausrichten, ob gerade ein Über- oder Unterangebot an Strom herrscht. Geregelt wird dies über den Preis für die verbrauchten beziehungsweise eingespeisten Kilowattstunden.
450 Megahertz noch ausbaufähig
Die Kommunikation erfolgt über ein eigenes Glasfasernetz, in dem alle Netzanschlusspunkte verbunden sind. Die intelligenten Messsysteme oder Smart Meter für zu Hause werden entweder über den Mobilfunk oder über 450 Megahertz verbunden. Eine Kopplung mit der heimischen IT wird es nicht geben.
Nach aktueller Planung sollen irgendwann alle Geräte über die Frequenz 450 Megahertz kommunizieren, aber hier gibt es je nach Landstrich und Standort des Stromzählers noch Nachholbedarf bei der Netzabdeckung.
Dieses eigene Netz und ein standardisiertes, integriertes Sicherheitsmodul sollen laut Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)(öffnet im neuen Fenster) durch Zertifizierungen eine vertrauenswürdige Kommunikation ermöglichen. Verschiedene Verbände sind in die Entwicklung und Absicherung eingebunden.
Spät, aber mit Vorsprung
Auf die Frage, warum Deutschland im Vergleich zu den europäischen Nachbarn so spät mit der Umstellung auf intelligente Messsysteme dran sei, antwortete Ingo Schönburg: "Spät, aber mit den richtigen Lösungen."
Andere Länder überwachen schon länger den Verbrauch, können aber nicht so flexibel eingreifen, wie es mit dem Smart Meter möglich sein soll. Deshalb setzen unter anderem die Niederlande auf ein fast identisches System, das ab 2027 starten wird.
Das komplette Gespräch kann auf Youtube(öffnet im neuen Fenster) nachverfolgt werden.



