Varjo angeschaut: Das VR-Headset mit dem scharfen Blick
Auf der Start-up-Konferenz Slush 2017 hat das finnische Start-up Varjo(öffnet im neuen Fenster) einen ersten Prototyp seines VR-Headsets gezeigt. Das Varjo-Headset sieht äußerlich wie viele andere Headsets aus, im Inneren bietet das Gerät allerdings ein interessantes technisches Detail.

Das Varjo-Headset hat nicht nur ein, sondern zwei Displays. Das Hauptdisplay, vom Hersteller als Context-Display bezeichnet, sitzt wie bei anderen Herstellern direkt vor den Augen des Nutzers. Das zweite Display sitzt im unteren Bereich des Headsets und ist dort im Grunde vom Nutzer nicht einsehbar.
Das zweite Display hat wie das Context-Display eine Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln, ist mit einer Bildschirmdiagonale von 0,7 Zoll allerdings wesentlich kleiner. Durch die Pixeldichte von fast 3.150 Pixeln bietet der winzige OLED-Bildschirm ein extrem scharfes Bild – wesentlich schärfer als das des Hauptbildschirms.
Spiegel wirft schärferes Bild auf das Hauptdisplay
Das Bild dieses Zusatzbildschirms wird mit Hilfe eines Spiegels auf das große Display gespiegelt, wo es dieselben Inhalte wesentlich schärfer anzeigt. Die Idee ist, dass mit Hilfe von Augen-Tracking der Sichtpunkt des Nutzers erfasst wird und dort immer das schärfere Bild des zweiten Displays angezeigt wird. Die Bewegung des Bildes soll mit Hilfe eines beweglichen Spiegels ermöglicht werden.
Varjo nennt dieses System Bionic Display, da es der Funktionsweise des menschlichen Auges entspricht. Auch hier ist nur der Teil scharf, auf den die Sicht konkret fällt; der Rest des Blickfeldes ist unschärfer.
Scharfer Bereich ermöglicht klare Details
Mit dem Bionic Display kann das Varjo-Headset VR-Szenarien mit weitaus besserer Schärfe auf den wesentlichen Details anzeigen, als es andere Headsets am Markt können. Der uns gezeigte Prototyp verfügt zwar nur über einen unbeweglichen scharfen Ausschnitt in der Mitte des Sichtfeldes, das Prinzip funktioniert aber auch hier schon gut.
In den uns gezeigten Demos können wir dank des scharfen Bereichs in der Mitte Schrift und andere Details überhaupt erst richtig erkennen. Schauen wir auf Details in der Mitte des Bildschirms, so sind diese deutlich erkennbar und gut auszumachen.
Übergang zwischen beiden Displays soll beim finalen Produkt nicht zu sehen sein
Der Übergang zwischen dem eingespiegelten zweiten Display und dem Hauptdisplay ist beim Prototyp noch sehr sichtbar. Varjo zufolge soll das beim fertigen Produkt nicht mehr so sein, mal abgesehen davon, dass der scharfe Bereich dort dem Blick des Nutzers folgen soll. Das uns gezeigte Gerät zeigt, dass die Grundidee des Konzeptes funktioniert.
Gedacht ist die Technik vor allem für Industriebetriebe, in denen es auf Details ankommt, beispielsweise beim Design oder bei mechanischen Konstruktionen. Bisher ist die Nutzung von VR-Headsets aufgrund von fehlender Schärfe nicht für alle Zwecke geeignet.
BMW verwendet bereits ein erstes Modell
Einer der ersten Partner von Varjo ist die BMW AG, die sich bereits kurz nach der Veröffentlichung erster Details an das Start-up gewandt hatte. BMW hat bereits einen erweiterten Prototyp in Verwendung und gibt Varjo entsprechendes Feedback.
Das Varjo-Headset kann mittels eines Software-Plugins herkömmliche VR-Inhalte anzeigen. Varjo plant, sein Headset Ende 2018 auf den Markt zu bringen. Der Preis soll laut Mitbegründer Jussi Mäkinen unter 10.000 Euro liegen, die Zielgruppe liegt damit auch preislich nicht im Consumerbereich.