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Vanguard 1: 67 Jahre alter Satellit könnte geborgen werden

Analysten haben die Bergung des zweiten US-amerikanischen Satelliten vorgeschlagen. Das Unterfangen birgt einige Hindernisse.
/ Patrick Klapetz
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Der kleine US-amerikanische Satellit Vanguard 1 (Bild: Encyclopædia Britannica)
Der kleine US-amerikanische Satellit Vanguard 1 Bild: Encyclopædia Britannica

Der US-amerikanische Satellit Vanguard 1 befindet sich seit 67 Jahren in der Erdumlaufbahn(öffnet im neuen Fenster) und könnte bald geborgen werden. Das Unterfangen wurde von dem Unternehmen Booz Allen Hamilton analysiert, das sich mit Verteidigungs- und nationalen Sicherheitsfragen befasst.

Während des Kalten Kriegs, als die Sowjetunion und die USA sich im Wettrennen um den Weltraum befanden, kam mit Sputnik 1 der große Schock für die Vereinigten Staaten. Die UdSSR beförderte am 4. Oktober 1957 den weltweit ersten Satelliten erfolgreich in den Orbit, während die USA im selben Jahr mit dem Start ihres ersten Satelliten scheiterten. Die Vanguard-Rakete der US-Marine wurde zerstört(öffnet im neuen Fenster) , als der Booster umkippte und explodierte.

Am 31. Januar 1958 beförderten die USA mit Explorer 1 schließlich ihren ersten künstlichen Satelliten ins All. Dieser verglühte im Jahr 1970 in der Erdatmosphäre. Als zweiter amerikanischer Satellit wurde am 17. März 1958 Vanguard 1 des Naval Research Laboratory (NRL) in die Umlaufbahn befördert. Es war der erste Satellit, der durch den Einsatz von Solarzellen Strom erzeugte.

Wo befindet sich Vanguard 1 heute?

Zwar ist Vanguard 1 seit 1964 nicht mehr im Betrieb, aber öffentlich zugängliche Trackingdaten zeigen seine Position und seine Umlaufbahn. Heute befindet er sich in einem elliptischen Orbit, mit einem Perigäum von etwa 660 Kilometern und einem Apogäum von etwa 3.822 Kilometern Entfernung von der Erde, mit einer Neigung von 34,25 Grad.

Ein ähnliches Szenario gibt es beim britischen Satelliten Skynet-1A, der 1969 ins All befördert und irgendwann in eine andere Umlaufbahn gebracht wurde – es weiß allerdings niemand, wer ihn dorthin gebracht hat und warum .

"Die Auswertung der Umlaufbahn von Vanguard-1 lieferte einen Großteil der ersten Daten, welche die Entdeckung und Einschätzung der Abflachung der Erde, ähnlich einer Birnenform, ermöglichten" , erklärte Bill Raynor, der stellvertretende Leiter der Abteilung für Raumfahrzeugtechnik des NRL.

Ein ungewisses Unterfangen

Ob der Satellit tatsächlich zur Erde gebracht wird, ist fraglich. Erst muss sich laut dem Booz-Allen-Forschungsanalysten Matt Bille ein Unternehmen finden, das über die erforderlichen Fähigkeiten verfügt und bereit ist, in eine solche Mission zu investieren. Immerhin ist Vanguard 1 eine Zeitkapsel des Weltraumzeitalters.

"Unsere Analysen haben ergeben, dass der Zustand der Solarzellen, der Batterien und der Metalle von Interesse sein könnte, ebenso wie die Anzahl der Mikrometeoriten- oder Trümmereinschläge über einen so langen Zeitraum" , erklärte Bille.

So könnte die Bergung ablaufen

Laut Bille und seinem Forschungsteam könnte Vanguard 1 in eine niedrigere Umlaufbahn gebracht und dort geborgen werden. Oder man könnte den Satelliten zur Internationalen Raumstation bringen und ihn von dort mit einer neuen Hülle zur Erde zurückschicken.

Die gesamte Mission soll den Vorschlägen zufolge in zwei Phasen unterteilt werden: Zunächst sollen Bilder von Vanguard 1 angefertigt werden, um seinen Zustand zu ermitteln, bevor eine Entscheidung über die Bergung getroffen wird. Danach würde die eigentliche Bergung erfolgen.

Das dürfte aber gar nicht so leicht sein. Vanguard 1 ist eine 15 Zentimeter große Aluminiumkugel mit einer Antennenspannweite von gerade einmal 91 Zentimetern und wiegt weniger als 1,5 Kilogramm. Die Bergung wäre laut Bille eine Herausforderung, aber machbar.

Raynor fügte hinzu: "Für Wissenschaftler und Ingenieure, die sich mit Material- und Strahlungseffekten befassen, wäre dies eine noch nie dagewesene Gelegenheit, die Auswirkungen langfristiger Umwelteinflüsse im Weltraum zu untersuchen."


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