Vampire, Viren, Weltuntergang: Zehn tolle südkoreanische Science-Fiction-Filme

Seit Anfang der 2000er Jahre ist Südkorea eines der interessantesten Filmländer und hat eine ganze Reihe herausragender, international konkurrenzfähiger Filme hervorgebracht. Thriller, Action, Historisches, Dramen – aus Südkorea kamen einige Highlights. Auch im Bereich Science-Fiction hat Südkorea einiges zu bieten. Wir stellen zehn tolle Filme vor, die einen guten Ausgangspunkt bilden, um das südkoreanische Kino zu erkunden. Serientipps gibt es hier .
Ein Monster schlägt zu: The Host (2006)
In Südkorea gehört Bong Joon Ho (Oscar mit Parasite(öffnet im neuen Fenster) ) zu den Erfolgsregisseuren. In seinem Monsterfilm The Host erhebt sich ein Monster aus dem Han River und attackiert Seoul, wobei besonders eine Familie gefragt ist, gegen das Untier anzugehen, um ein Familienmitglied zu retten.
Der Film wurde in Südkorea von mehr als zehn Millionen Menschen gesehen. Er war damit ein phänomenaler Hit, der auch den Weg nach Europa fand, wenn auch nicht ins Kino. Die Monstereffekte sind top, die Action ist mitreißend, nur der Humor ist gewöhnungsbedürftig, aber das ist bei asiatischen Filmen häufig der Fall. Sehenswert ist dieser Monsterfilm, der an die Science-Fiction der Fünfzigerjahre erinnert, nur mit besseren Effekten, aber allemal.
Buchbar bei Prime Video und Apple TV+.
Save the Green Planet (2003)
Byung ist ein SF-Nerd. Er glaubt, dass Außerirdische aus der Galaxis Andromeda die Invasion der Erde vorbereiten. In einem Konzernchef sieht er einen Infiltrator und entführt ihn, um aus ihm Informationen herauszupressen, die der Rettung der Menschheit dienen sollen.
Save the Green Planet ist ein aufregender, weil tonal völlig wilder Film, der als schwarze Komödie durchgeht, aber starke Sci-Fi-Bezüge hat und sich in drastischen Szenen ergeht, die wirklich schlucken lassen. Mehr zu verraten, würde den Spaß verderben. Save the Green Planet ist ein Film, den man selbst entdecken muss.
In der Flatrate von Prime Video enthalten.
Wenn Wissenschaft auf Vampirismus stößt: Durst (2009)
Nach einem Experiment stirbt ein katholischer Priester, erwacht allerdings wieder zum Leben. Nicht, weil Gott gnädig ist, sondern weil er ein Vampir ist. Für seine Unsterblichkeit muss der Priester einen hohen Preis bezahlen.
Park Chan-wooks Filme(öffnet im neuen Fenster) sind immer ein Erlebnis. Er versteht es, Geschichten außerhalb der Norm zu erzählen, seine Interpretation eines Vampir-Stoffs macht da keine Ausnahme. Durst ist kein 30 Days of Night und kein Twilight, sondern ein cleveres Drama, das zu erfassen versucht, was es wirklich heißen würde, ein Vampir zu sein.
Wie seine früheren Filme lässt sich auch dieser mit folgenden Adjektiven beschreiben: poetisch, kunstvoll, traurig, grimmig, (schwarz)humorig, emotional. Ein weiteres Meisterwerk des Regisseurs.
Buchbar bei Prime Video und Apple TV+.
Eine Pandemie, der Mond und Killerhunde
Wie im echten Leben: Pandemie (2013)
In Seoul bricht das Chaos aus, als ein über die Luft übertragbares Virus eine Stadt etwa 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt in seinem Griff hat. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Seoul erreicht, doch die Panik schlägt schon vorher zu.
Der Film wirkt heute noch aktueller als damals, zeigt er doch auch, wie die Behörden auf eine solche Pandemie reagieren, wie sie Quarantänezonen einrichten und wie die Menschen langsam übereinander herfallen. Pandemie ist ein höchst spannender Katastrophenfilm, der 2013 so etwas wie eine böse Vorahnung war, nach der Covid-19-Pandemie zeigt sich jedoch, wie akkurat die Filmemacher vorhergesehen haben , was im Falle einer Pandemie passiert. 2013 interessierte sich in Deutschland niemand dafür, mit der Coronapandemie wurde er jedoch 2020 auch hierzulande veröffentlicht.
Buchbar bei Prime Video und Apple TV+.
Auf dem Mond: The Moon (2023)
Das südkoreanische Raumschiff Woori-ho wird auf dem Weg zum Mond von einer Sonneneruption beschädigt. Bei Reparaturarbeiten kommt es zu einer verheerenden Explosion. Einziger Überlebender ist der Astronaut Sun-woo, der mehrere Hunderttausend Kilometer von der Erde entfernt um sein Leben kämpfen muss.
The Moon hat einige Stärken. In erster Linie sind es die hervorragenden Spezialeffekte, die es mit Prestigeprojekten wie For All Mankind aufnehmen können. Die Handlung im All ist atemberaubend gut, bei der Katastrophe, der zwei Astronauten zum Opfer fallen, setzt man auf die Musik, verzichtet aber auf Geräusche und erschafft so ein einzigartiges, realistisches Feeling.
Überhaupt setzt der Film auf Realismus. Er beginnt wie eine Dokumentation mit Menschen des südkoreanischen Raumfahrtprogramms, die sich über die erste Mondmission und ihren fatalen Ausgang unterhalten. Auch beim Start und im All lebt der Film von seinem dokumentarischen Flair. Dagegen fallen die Spielszenen auf der Erde deutlich ab, sie sind letztlich zu gewöhnlich für das, was man bei einem Katastrophenfilm dieser Art erwarten würde.
In der Flatrate von Prime Video enthalten.
Killerhunde im Nebel: Project Silence (2023)
Auf einer Zubringerbrücke zum Flughafen zieht kilometerlanger dichter Nebel auf. Es kommt zur Massenkarambolage. Mittendrin: ein Militärkonvoi, der genetisch veränderte Hunde transportiert. Sie wurden für den Kriegseinsatz gezüchtet, attackieren aber nun im Nebel alles, was sich bewegt.
Das Blu-ray-Cover(öffnet im neuen Fenster) lässt es noch so aussehen, als handelte es sich um Roboterhunde. Ganz so ist es nicht, die Hunde sind aber allesamt geklont und so konditioniert, dass sie zu Mordmaschinen werden.
Die Szenen im Nebel sind eindrucksvoll umgesetzt, nicht unähnlich der Stephen-King-Verfilmung Der Nebel. Die Effekte sind erstklassig, die CGI-Hunde sehen überzeugend aus – anders als in manch teuren US-Blockbuster, in denen die CGI-Tiere im Vergleich geradezu lächerlich aussehen, zum Beispiel bei Kraven the Hunter.
Buchbar bei Prime Video, Magenta TV und Apple TV+.
Vom Weltuntergang, einer alternativen Zeitlinie und Zombies
Drei Geschichten vom Weltuntergang: Doomsday Book (2012)
Es gibt drei Geschichten in diesem Episodenfilm, die ein Thema vereint: den Weltuntergang. Er entfaltet sich körperlich, spirituell und global, die Geschichten wiederum sind apokalyptisch, skurril und philosophisch.
In der ersten geht es um einen jungen Mann, der sich bei einem Date verliebt, aber beginnt, sich in ein Monster zu verwandeln. In der zweiten Geschichte soll ein buddhistischer Roboter deaktiviert werden. In der letzten rast ein Meteor auf die Erde zu.
Episodenfilme sind meist durchwachsen, hier sind aber alle drei Geschichten Highlights, die auf sehr unterschiedliche Art und Weise ihr Publikum ansprechen, aber immer überraschend und mitreißend sind. Der größte Feind erhabener Unterhaltung ist die Vorhersehbarkeit. Erfreulicherweise verweigert sich ihr dieser Omnibus-Film konsequent.
Buchbar bei Prime Video und Apple TV+.
Tolle Bilder, grandiose Musik: Wonderful Days (2003)
Ein bemerkenswerter Animationsfilm darf nicht fehlen: Wonderful Days ist ein wunderschöner Film, der im Jahr 2142 spielt. Umweltverschmutzung und Klimawandel haben den Großteil der Menschheit ausgelöscht. In der Stadt Ecoban gibt es noch Leben, die Armen werden aber von den Reichen unterdrückt. Doch die Revolution naht, während Kindheitsfreunde sich auf unterschiedlichen Seiten wiederfinden.
Der Film sieht phantastisch aus, er bietet Bilder, in denen man sich verlieren kann. Zugleich lebt er aber von dem grandiosen Soundtrack(öffnet im neuen Fenster) , der die Tragik der Geschichte unterstreicht.
Zurzeit hat ihn kein Streamingdienst im Angebot, es gibt ihn jedoch günstig auf DVD.
Eine alternative Zeitlinie: 2009: Lost Memories (2002)
Dieser Science-Fiction-Film aus dem Jahr 2002 erzählt eine Alternativwelt-Geschichte. Im Jahr 2009 ist alles anders, denn Japan hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen und Korea ist lediglich eine Kolonie. Rebellen kämpfen für die Freiheit des Landes, erringen kann man sie jedoch nur, wenn man an den Anfang zurückgeht. 100 Jahre zuvor muss die Gegenwart gerettet werden.
Die Geschichte ist packend und nutzt das Thema der Alternativwelt sehr effektiv, während der Film ergründet, wie es um die koreanische Identität steht, wenn das Land mehr als 60 Jahre besetzt ist. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Figuren langsam erkennen, was das verändernde Ereignis war. Getragen wird das alles von Actionszenen, die eines Blockbusters würdig sind, und einer Musik, die man nur als grandios bezeichnen kann.
Zurzeit hat ihn kein Streamingdienst im Angebot, es gibt ihn jedoch günstig auf DVD.
Der beste Zombie-Film des Jahrzehnts: Train to Busan (2016)
Immer, wenn man denkt, dass zum Thema Zombies alles gesagt wurde, gibt es einen Film, der überrascht. Im Jahr 2016 war das Train to Busan, der erzählt, wie Seoul von Zombies überrannt wird. Die Passagiere eines Zugs scheinen in Sicherheit, doch dann breitet sich die Infektion auch dort aus und jeder muss ums Überleben kämpfen.
Das wird mit schwindelerregenden Energie und Dynamik erzählt. Die Figuren sind ausgereift und sympathisch, man bangt und fiebert mit ihnen mit. Die Action ist schnell und in jeder Hinsicht überragend. Neben all der Dramatik gibt es aber auch Momente für Humor, der dezent, aber effektiv eingesetzt wird. Train to Busan ist einer der besten Zombie-Filme aller Zeiten.
Buchbar bei Prime Video und Apple TV+.