Valar Atomics: Teuerster Kernreaktor aller Zeiten hat Strom produziert
Das US-Start-up Valar Atomics hat erstmals Strom mit einem eigens entwickelten, heliumgekühlten Kernreaktor erzeugt. Kurz vor dem 250. Geburtstag der USA konnte die Energie aus der Kernspaltungsreaktion in Strom umgewandelt werden, um den kleinen KI-Beschleuniger Nvidia Spark zu versorgen, wie das Unternehmen via Linkedin(öffnet im neuen Fenster) mitteilte.
Das ist erwähnenswert, weil 2025 angekündigt worden war, dass bis zum 4. Juli 2026 drei neuartige, kleine Atomreaktoren ihren ersten Testbetrieb aufnehmen würden. Nach Antares wäre Valar Atomics das zweite Unternehmen, das den Zeitplan hält.
Der Reaktor namens Ward 250 soll in seiner endgültigen Version zwischen 100 und 250 Kilowatt (kW) Leistung erreichen. Zunächst liegt die Leistung jedoch bei 100 thermischen kW(öffnet im neuen Fenster), die mit deutlichen Verlusten noch in Strom umgewandelt werden müssen. 40 bis 50 kW dürften erzeugt worden sein, was im Bereich eines privaten Hausanschlusses liegt.
Ohne Wasser, aber mit viel Beton
Für die Kernspaltung wird Triso verwendet, ein weiterentwickelter Kernbrennstoff, der besonders temperaturbeständig ist. Nur deshalb kann der Hochtemperaturreaktor bei 750 °C arbeiten. Gekühlt wird er mittels Helium.
Der Reaktor von der Größe eines Schiffscontainers wurde in mehreren Segmenten nach Utah transportiert, dort zusammengebaut und mit einer etwa 2 m dicken Betonhülle versehen. Ende Juni wurde der Reaktor kritisch.
Angedacht ist zudem eine Kooperation mit Nvidia, weshalb deren kleine Desktoplösung den ersten Strom erhielt. Zusammen mit zukünftig ohne Wasser gekühlten Rechenzentren soll auch der kleine Reaktor ohne Wasser auskommen. Das Gesamtsystem aus Reaktor und KI-Chips soll später einmal 30 Megawatt Leistung erreichen. Wie allerdings aus der Reaktorwärme Strom ohne Wasser erzeugt wird, bleibt noch abzuwarten.
Der Golem-Blick
Ziemlich sicher ist, dass Valar Atomics eines der teuersten Kraftwerke errichtet hat, wenn man die erzeugte Leistung betrachtet. Sollte der Ward 250 irgendwann die angestrebte thermische Leistung von 250 kW erreichen, ergäbe dies 100 kW elektrische Leistung.
Investiert wurden bisher laut Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) 130 Millionen US-Dollar. Angenommen, es wird kein weiteres Geld benötigt, um die finale Version des Atomreaktors fertigzustellen, hätte man eine Leistung, die weniger als dem zehntausendsten Teil des großen Atomreaktors entspricht.
Für dessen typische Reaktorleistung wären ungefähr 14.000 SMRs (Small Modular Reactors) nötig, die zusammen annähernd 2.000 Milliarden US-Dollar kosten würden, das 100-fache selbst im Vergleich zu in den vergangenen Jahren immer teurer gewordenen Reaktorneubauten. Das bedeutet, dass die Baukosten durch Skaleneffekte um mindestens das 200-Fache, eher das 400-Fache gesenkt werden müssten, um konkurrenzfähigen Strom zu produzieren.
Bis dahin dürften die USA den mit Abstand teuersten Atomreaktor in Testbetrieb genommen haben.
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