USB Typ C: Der neue USB-Stecker ist fertig und geht in Produktion
Das USB Implementors Forum (USB-IF) hat die Spezifikation 1.0 für den seit USB 3.0 ersten neuen Verbindungstyp "USB Type-C" veröffentlicht. Wie bisher verwendet Golem.de die deutsche Bezeichnung Typ C. Der neue Standard definiert Stecker wie auch Kabel und Buchsen, langfristig soll Typ C alle anderen USB-Verbindungen ersetzen. Für den Anfang sind Adapter für die älteren Buchsen vorgesehen.
Die Chancen, dass Typ C sich innnerhalb weniger Jahre durchsetzt, stehen äußerst gut, denn der neue Stecker vereint alle Vorteile von USB 3.1 und USB Power Delivery bei Tempo und Stromversorgung. Zudem kann der Stecker in beliebiger Richtung eingesteckt werden: Anders als beim von vielen Anwendern als "normal" empfundenen USB Typ A, der an PCs und Notebooks Standard ist, gibt es kein oben und unten mehr.
Der für die Gerätehersteller wichtigste Vorteil ist aber, dass Typ C mit einer für die Buchse nötigen Öffnung von nur 8,4 x 2,6 Millimetern so klein ist, dass er auch an sehr flachen Smartphones, Tablets und anderen Geräten Platz findet. Nicht nur die Dicke einer Buchse ist dabei entscheidend, sondern auch die Lage der Anschlüsse im Inneren für die Anbindung an den Rest der Elektronik.
Dies bestimmt, wie platzsparend und kostengünstig ein USB-Port gebaut werden kann. Durch die flache Buchse, deren Anschlüsse im Inneren auch auf nur einer Seite herausgeführt werden können, macht Typ C hier vieles besser als beispielsweise Micro-USB 3.0 mit seiner breiten, zweigeteilten Buchse und recht wackligen mechanischen Verbindung. Beide Seiten einer Platine können genutzt werden, und die Buchse kann mittig in einer Aussparung des Boards montiert werden.
Zudem sehen die Spezifikationen für jeden Typ C eine Haltbarkeit von 10.000 Ansteckvorgängen vor. Wer also jeden Tag sein Smartphone zum Laden anschließt, kann das mit Typ C über 27 Jahre lang tun – sofern die Buchse nicht anderweitig Schaden nimmt, etwa durch Herunterfallen bei eingestecktem Kabel.
Abwärtskompatibel zu USB 3.0, aber erweiterbar
Bisher sieht Typ C die maximale Geschwindigkeit von USB 3.1 mit 10 Gigabit pro Sekunde vor, eine Verdopplung zu USB 3.0 mit 5 GBit/s – wie üblich bleibt USB aber bei den Übertragungsraten abwärtskompatibel. Ein Smartphone mit Typ C lässt sich also am großen Typ A mit USB 3.0 eines Notebooks mit 5 GBit/s anschließen. Entsprechende passive Kabel, also ohne teure Elektronik wie Thunderbolt, sieht der Standard ausdrücklich vor. Kompatibel bleibt auch die Stromversorgung, sie sieht aber für Typ C auch die höheren Stromstärken und Spannungen von USB-PD vor, die eine Leistung von bis zu 100 Watt ergeben können – dafür mangelt es aber noch an Geräten. Mit USB 3.0 ohne die PD-Erweiterungen sind nur 4,5 Watt und mit 2.0 nur 2,5 Watt möglich. Zahlreiche Ladegeräte und auch USB-Ports an PCs liefern schon heute deutlich mehr, was jedoch durch keine Spezifikation abgedeckt und gesichert ist.
Für Typ C gibt es noch keine fertigen Designs in Form von realen Prototypen von Kabeln, Steckern und Buchsen. Selbst in einem umfangreichen Archiv(öffnet im neuen Fenster) mit den Spezifikationen, das derzeit noch auf den Seiten des USB-IF frei zugänglich ist, findet sich kein einziges Foto. Dafür gibt es viele Renderzeichnungen, die alle Eigenschaften der neuen Verbindungen zeigen.
Offenbar will sich noch kein Hersteller als erster aus der Deckung wagen, auch wenn die Ankündigung der Standardisierung (PDF(öffnet im neuen Fenster)) mit großen Namen nicht spart: HP, Intel, Microsoft, Renesas und Texas Instruments unterstützen Typ C. Damit ist von Herstellern von Betriebssystemen bis USB-Controllern jeder im Boot, der gebraucht wird, um den neuen Stecker schnell zu etablieren. Nur von den Herstellern der Mechanik selbst ist bisher noch wenig zu hören.
Mit der jetzigen Ankündigung hat auch USB-IF-Chef Jeff Ravencraft sein Wort gehalten, das er Golem.de auf der Computex 2014 gab: Mit etwas Glück könnten die ersten Typ-C-Geräte noch im laufenden Jahr erscheinen, sagte er. Dafür hat das Konsortium für September in den USA und für Oktober in Berlin weitere Entwicklerkonferenzen vorgesehen.


