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USA: KI-Rechenzentren müssen chinesische E-Technik kaufen

Der US-Boom bei KI -Infrastruktur hängt von China ab. Ohne Transformatoren, Schaltanlagen und Akkus von dort kommen viele Projekte nicht vom Fleck.
/ Andreas Donath
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Transformatoren für Rechenzentren (Bild: Maddox)
Transformatoren für Rechenzentren Bild: Maddox

Laut Analysten droht fast der Hälfte der für dieses Jahr geplanten US-Rechenzentren eine Verzögerung oder Absage. Das zentrale Problem sind nicht Kapital oder Grundstücke, sondern Transformatoren, Schaltanlagen und Akkus, also die vermeintlich unspektakulären elektrischen Komponenten, ohne die kein Rechenzentrum funktioniert. Die heimische Fertigungskapazität hat mit der explodierenden Nachfrage nicht Schritt gehalten.

"Es gibt schlicht nicht genug inländische Kapazität, also sind die Leute mehr oder weniger gezwungen, auf den Exportmarkt zu gehen" , sagt Benjamin Boucher, leitender Analyst bei Wood Mackenzie, dem Nachrichtenportal Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) . Dieser Exportmarkt ist in vielen Fällen China.

Im Januar besuchte eine Gruppe amerikanischer Versorgungsunternehmen eine Transformatorenfabrik in China – und beobachtete laut Bloomberg, dass etwa die Hälfte der dort aufgereihten Exporteinheiten für die USA bestimmt war. Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 importierten US-Versorger mehr als 8.000 Hochleistungstransformatoren aus China, verglichen mit weniger als 1.500 im gesamten Jahr 2022.

Lieferzeiten von bis zu fünf Jahren

Die Preise für Transformatoren sind seit 2021 stark gestiegen, als KI-Unternehmen begannen, ihre Bauprogramme hochzufahren. Lieferzeiten, die einst bei 24 bis 30 Monaten lagen, haben sich in einigen Fällen auf bis zu fünf Jahre ausgedehnt.

Die Branche reagiert mit unterschiedlichen Strategien. Crusoe, das Unternehmen, das den Abilene-Campus für OpenAI(öffnet im neuen Fenster) baut, bestellte Großgeräte bereits vor gesicherten Verträgen. Daneben entwickelte Crusoe eigene Schaltanlagen in modularer Bauweise, die inzwischen auch an andere Rechenzentrumsbetreiber verkauft werden. Equinix wiederum investiert mindestens 350 Millionen Dollar in ein neues Schaltanlagenwerk in Irland, das die Lieferzeiten um 10 bis 15 Prozent verkürzen soll.

Chinas Dominanz bei Akkus bleibt ein Problem

Besonders schwer verschiebbar ist die Abhängigkeit bei Akkus. Chinesische Anbieter decken mehr als 40 Prozent des US-Importvolumens ab – ein Anteil, der sich trotz jahrelanger Zölle und Industriepolitik kaum verändert hat. China kontrolliert weite Teile der Lieferkette, von Rohstoffen bis zum fertigen Produkt, und dieser Vorsprung dürfte so schnell nicht schrumpfen.

Die Trump-Regierung hat im März zwar einen Rahmen für schnellere Genehmigungen neuer Kraftwerke für Rechenzentren vorgelegt. Die Engpässe bei elektrischer Ausrüstung adressiert das aber nicht – und lässt viele in der Branche zweifeln, ob der Bauboom wirklich stattfinden kann.


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