USA & China: Grafikkarten rechnen auch fürs Militär

Die US-Regierung erschwert den Export von Rechen-Grafikkarten nach China. Sie könnten militärisch genutzt werden - was die USA selbst tun.

Eine Analyse von Johannes Hiltscher veröffentlicht am
Mit Rechengrafikkarten wie Nvidias H100 lassen sich Medikamente erforschen - aber auch Kernwaffen simulieren.
Mit Rechengrafikkarten wie Nvidias H100 lassen sich Medikamente erforschen - aber auch Kernwaffen simulieren. (Bild: Serve the Home, DoD/Montage: Golem.de)

Neue Beschränkungen, die den Export von Materialien und Maschinen nach China erschweren, verhängt die US-Regierung im Monatsrhythmus. Die Begründung ist stets die gleiche: Man fürchte, dass die Produkte für militärische Zwecke genutzt werden. Oft wirkt dies wie ein Vorwand, um die eigene wirtschaftliche Dominanz zu erhalten. Es gibt aber Ausnahmen.

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Hierzu zählt die kürzliche Beschränkung des Exports von Hochleistungs-Grafikkarten für wissenschaftliches Rechnen. Nvidia und AMD müssen zukünftig eine Genehmigung der US-Regierung einholen, wenn sie A100-, H100- oder MI250X-GPUs in die Volksrepublik China verkaufen wollen.

Auch hier lautet die Begründung wieder: möglicher Einsatz für militärische Zwecke. Dieses Szenario kennt die US-Regierung aus eigener Erfahrung, denn in den USA dienen die leistungsfähigsten Supercomputer auch der Waffenforschung. Sie unterstehen dem Energieministerium (Department of Energy, DoE).

Dieses ist nicht nur für die Berechnung von Windparks zuständig, sondern auch für die Instandhaltung des Kernwaffenarsenals der USA. In der aktuellen Top-500-Liste der leistungsfähigsten Supercomputer unterstehen vier der zehn schnellsten Systeme dem DoE. Bald wird ein weiterer am Los Alamos National Laboratory (LANL) hinzukommen, bestückt mit jenen H100-GPUs, deren Verkauf nach China streng kontrolliert wird. Das sogenannte Nuclear Stockpile Stewardship ist ganz offiziell Aufgabe des LANL.

Auch Militärs nutzen KI

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Natürlich folgt auch das Militär den technologischen Trends oder setzt sie selbst (g+). Entsprechend gewinnt künstliche Intelligenz für Prognosen und Bilderkennung an Bedeutung. Auch dafür spielen Hochleistungs-GPUs aufgrund ihrer enormen Rechenleistung eine große Rolle, zumal sie in den vergangenen Jahren um KI-Erweiterungen ergänzt wurden.

Dass auch in der Volksrepublik China die leistungsfähigsten Supercomputer fürs Militär rechnen, gilt als sehr wahrscheinlich. Die Systeme mit der höchsten Rechenleistung, die Tianhe-Reihe, entwickelt seit Jahren die National University of Defense Technology (NUDT) in Changsha. Sie untersteht der Volksbefreiungsarmee und betreibt den aktuell mutmaßlich leistungsfähigsten Supercomputer Tianhe-3.

Für solche Leuchtturmprojekte werden in China allerdings seit Längerem selbst entwickelte Prozessoren verwendet. Sie wurden entwickelt, nachdem die US-Regierung für einen Ausbau des Vorgängers Tianhe-2 den Export von Xeon-Phi-Beschleunigern sowie später von Xeon-CPUs verweigerte.

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Universitäten können geplante Systeme nicht beschaffen

Für kleinere Systeme setzte man in China allerdings bislang auf Hardware von US-Unternehmen. Wie Reuters berichtet, müssen mehrere chinesische Universitäten auf geplante Anschaffungen verzichten. Die dort genannten Systeme sind zwar recht klein, könnten allerdings zu einem leistungsfähigeren zusammengebaut werden. Die von Reuters erwähnten Systeme, das teuerste hätte 400.000 US-Dollar gekostet, sind zudem nur die Spitze des Eisbergs. Nvidia selbst geht für die verbleibenden Monate des Jahres von entgangenen Verkäufen in Höhe von 400 Millionen US-Dollar aus, was einiger Rechenleistung entspricht.

Das Problem: Computer sind seit ihrer Erfindung Dual-Use-Güter, sie können also sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden. Das weiß die US-Regierung als Vorreiterin des militärischen Rechnens nur zu gut. Angesichts der kürzlichen Zuspitzung im Konflikt um Taiwan scheint man China von dieser Möglichkeit ausschließen zu wollen.

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