US-Wahlen: USA sollen papierlose Wahlcomputer ausmustern

Nach Ansicht eines Sicherheitsexperten hätten die Zwischenwahlen in den USA durchaus stärker manipuliert werden können. Für 2020 hofft er auf bessere Vorkehrungen der Behörden. Doch das kostet viel Geld.

Artikel veröffentlicht am ,
Ein papierloser Wahlcomputer aus den USA
Ein papierloser Wahlcomputer aus den USA (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Trotz Fortschritten bei der Absicherung des Wahlverfahrens in den USA sind Manipulationen des Wahlausgangs in den USA nach Ansicht eines Sicherheitsexperten weiterhin nicht ausgeschlossen. Die Bundespolitik müsse dafür sorgen, dass es in allen US-Bundesstaaten im Jahr 2020 die erforderlichen Sicherheiten gebe, sagte Alex Halderman von der Universität Michigan am Donnerstag auf dem 35. Chaos Communication Congress (35C3) in Leipzig. Halderman hält dafür eine Dokumentation der Stimmabgabe in Papierform für unabdingbar.

Stellenmarkt
  1. Lead Developer Delphi (m/w/d)
    Haufe Group, Bielefeld
  2. Mitarbeiter Online-Marketing (m/w/d)
    Blickle Räder+Rollen GmbH u. Co. KG, Rosenfeld
Detailsuche

Entsprechende Forderungen hatte Halderman bereits vor zwei Jahren auf dem 33C3 nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump aufgestellt. Der Kandidat der Republikaner war damals nur gewählt worden, weil in mehreren Staaten jeweils nur wenige Zehntausend Stimmen den Ausschlag gegeben hatten. Eine komplette Nachzählung der Stimmen in den drei Staaten war gescheitert.

Alle elektronischen Wahlcomputer austauschen

Die Ausgangslage habe sich in den vergangenen Jahren noch nicht grundlegend geändert, konstatierte Halderman. So würden weiterhin viele verschiedene Wahlcomputer eingesetzt. Dazu zählten auch Geräte, bei denen schon vor mehr als zehn Jahren Sicherheitsprobleme nachgewiesen worden seien. Zudem würden weiterhin sogenannte DRE-Wahlcomputer (direct-recording electronic) eingesetzt, bei denen die Stimme direkt im Gerät abgegeben wird und es keinen Stimmzettel auf Papier mehr gibt.

Doch laut Halderman, Mitbegründer von Let's Encrypt, ist inzwischen bei den verantwortlichen Wahlleitern das Bewusstsein gestiegen, die Wahlen sicherer zu machen. Unterstützung erhielt der Experte zudem von der Nationalakademie für Naturwissenschaften, Ingenieurswesen und Medizin, die sich in einer 160-seitigen Studie seinen Forderungen anschloss. Demnach sollten die DRE-Wahlcomputer "so schnell wie möglich aus dem Dienst entfernt werden". Die per Scanner ausgewerteten Stimmen sollten durch Nachzählungen oder Audits überprüft werden.

Bis zu 380 Millionen US-Dollar erforderlich

Golem Akademie
  1. Penetration Testing Fundamentals
    23.-24. September 2021, online
  2. Microsoft 365 Security Workshop
    27.-29. Oktober 2021, Online
Weitere IT-Trainings

Diese Vorgaben haben die US-Bundesstaaten bislang sehr unterschiedlich umgesetzt. So habe Pennsylvania inzwischen die DRE-Computer durch papierne Stimmzettel ersetzt. Ein "robustes" Audit werde für die Wahlen im Jahr 2022 angestrebt. Vorbildlich sei hingegen Colorado, wo landesweit Stimmzettel eingesetzt würden und schon für 2020 ein sogenanntes Risk-Limiting Audit (RLA, risikobegrenzendes Audit) angestrebt werde. Darunter wird eine händische Nachzählung auf Basis einer statistischen Auswahl verstanden.

Als Negativbeispiel diente hingegen der Bundesstaat Georgia. Dort würden weiterhin DRE-Wahlcomputer eingesetzt, so dass ein händische Überprüfung gar nicht möglich sei. Zudem habe es bei jüngsten Zwischenwahlen Anfang November Sicherheitsprobleme bei der Wählerregistrierung gegeben. In einem Bericht für den Geheimdienstausschuss des US-Senats (PDF) wurde ebenfalls festgehalten, dass russische Hacker 2016 "in wenigen Staaten" in der Lage gewesen wären, die Daten zu Wählerregistrierung zu ändern oder zu ersetzen. Laut Halderman nutzen sie jedoch ihre Möglichkeiten nicht aus und zogen es vor, "nicht den Abzug zu drücken".

Hoffnung setzt der Sicherheitsexperte inzwischen auch auf den US-Kongress. Dort wurde von Senator James Lankford bereits das Gesetz für sichere Wahlen (Secure Elections Act) eingebracht. Damit sollen Mittel zur Verfügung gestellt werden, um Sicherheitslücken zu schließen, DRE-Wahlcomputer zu ersetzen und Audits zu ermöglichen. Bis zu 380 Millionen US-Dollar sind laut Halderman erforderlich, um die US-Wahlen im Jahr 2020 sicherer zu machen. Hexerei dafür jedoch nicht nötig, meinte der Wissenschaftler.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Star Wars
Youtuber bekommt für Deep Fakes Job bei Lucasfilm

Mit Deepfakes schafft Shamook überzeugendere Varianten von Star-Wars-Figuren, als es Disney je gelungen ist. Jetzt arbeitet er bei ILM.

Star Wars: Youtuber bekommt für Deep Fakes Job bei Lucasfilm
Artikel
  1. Flight Simulator im Benchmark-Test: Sim Update 5 lässt Performance abheben
    Flight Simulator im Benchmark-Test
    Sim Update 5 lässt Performance abheben

    Die Optimierungen bei Bildrate und Speicherbedarf sind derart immens, dass wir kaum glauben können, noch den Flight Simulator zu spielen.
    Ein Test von Marc Sauter

  2. Sony: Zehn Millionen Exemplare der Playstation 5 verkauft
    Sony
    Zehn Millionen Exemplare der Playstation 5 verkauft

    Trotz Lieferengpässen ist die Playstation 5 vermutlich die am schnellsten verkaufte Konsole. Auch zum Absatz der Xbox Series X/S gibt es neue Zahlen.

  3. Sexismus: Entwickler wollen Inhalte von World of Warcraft ändern
    Sexismus
    Entwickler wollen Inhalte von World of Warcraft ändern

    Es rumort weiter bei Activision Blizzard: Entwickler wollen streiken und WoW überarbeiten. Konzernchef Bobby Kotick meldet sich erstmals.

Peter Brülls 28. Dez 2018

Das Problem ist, dass das mit dem zählen nicht so einfach ist und nicht einfach von Land...

plutoniumsulfat 28. Dez 2018

Es reichen trotzdem schon wenige manipulierte Geräte.



Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Samsung-Monitore Amazon Exclusive günstiger (u. a. G7 32" QLED Curved WQHD 240Hz 559€) • AKRacing Core EX-Wide SE Gaming-Stuhl 229€ • Thrustmaster TCA Officer Pack Airbus Edition 119,99€ • Flight Simulator Xbox Series X 69,99€ [Werbung]
    •  /