Abo
  • Services:
Anzeige
Wähler an einer Wahlmaschine in Toledo, Ohio
Wähler an einer Wahlmaschine in Toledo, Ohio (Bild: J.D. Pooley/Getty Images)

US-Wahl: Der wahre Hack passiert in den Köpfen

Wähler an einer Wahlmaschine in Toledo, Ohio
Wähler an einer Wahlmaschine in Toledo, Ohio (Bild: J.D. Pooley/Getty Images)

Russische Hacker in den Wählerdatenbanken, unsichere Wahlmaschinen, peinliche Interna auf Wikileaks: Muss die US-Präsidentschaftswahl schon jetzt als manipuliert gelten?
Von Kai Biermann und Patrick Beuth

Es ist einfach, die Wahl zum US-Präsidenten zu hacken. Nein, es ist unmöglich. Ach was, es ist längst schon passiert. Alle drei Ansichten gibt es derzeit in den USA, einen Monat vor dem entscheidenden Wahlgang. Doch welche davon ist wahr? Und trifft eine der Aussagen vielleicht auch auf die Bundestagswahl zu?

Anzeige

Dass die US-Wahl manipuliert wird, behaupten sowohl Donald Trump als auch Hillary Clinton. Trump hat wiederholt erklärt, wenn er verliere, dann sei Wahlbetrug der Grund. Clinton hat bereits vor einem Monat unter Verweis auf damals noch inoffizielle Einschätzungen von Geheimdienst und FBI gesagt, Russland versuche, die Wahl zu beeinflussen.

Die Spekulationen der beiden Kandidaten ließen sich als aggressive Wahlkampfrhetorik abtun, die den jeweiligen Gegner in schlechtes Licht rücken soll. Wären da nicht eine ganze Reihe brisanter Nachrichten: über Wählerverzeichnisse, die bereits gehackt wurden, über Wahlmaschinen, die gehackt werden könnten und über Umfragen, nach denen rund ein Drittel der US-Bürger dem Wahlsystem schon jetzt misstraut. Und dann gibt es noch die Ankündigung von Wikileaks, schon sehr bald weitere Dokumente zu veröffentlichen, die für den Wahlkampf "von signifikanter Bedeutung" seien.

Die Wahl wurde schon gehackt

Die erste Theorie ist vergleichsweise handfest: Nach Angaben des FBI haben sich Hacker Zugang zu den Wählerverzeichnissen von Illinois und Arizona verschafft. ABC News berichtete, dass sogar die Wählerdatenbanken von mehr als 20 US-Bundesstaaten angegriffen wurden, vier davon erfolgreich. Die Täter haben im Auftrag der russischen Regierung gehandelt, glaubt das FBI. Analysten des Institute for Critical Infrastructure Technology (ICIT), einem Thinktank in Washington, D.C., fanden auf einem Darknet-Schwarzmarkt sogar ein Angebot über die Wählerdaten aus allen 50 Bundesstaaten zum Gesamtpreis von zwölf Bitcoin (etwa 6.500 Euro).

Aber selbst wenn das Angebot echt gewesen wäre, wenn also die Wählerdatenbanken aller 50 Staaten gehackt worden sein sollten, wäre das nicht das Ende der Präsidentschaftswahlen. Denn erstens gibt es zumindest bei den vom FBI überprüften Datenbanken keine Hinweise auf Manipulationen, sondern allenfalls auf Exfiltration von Daten. Die Täter wollen möglicherweise einfach nur Geld mit dem Weiterverkauf verdienen. Zweitens würden fehlerhafte Wählerverzeichnisse am Wahltag zwar zu einigem Chaos und stark verzögerten Ergebnismeldungen führen, aber wählen dürften die Wahlberechtigten letztlich trotzdem.

Wirkungsvoller dürfte der Hack des Democratic National Committee (DNC) gewesen sein. Das IT-Sicherheitsunternehmen Crowdstrike fand im Sommer zwei offenbar unabhängig voneinander arbeitende Hackergruppen in den Computersystemen des DNC, beide schreibt es dem russischen Geheimdienstumfeld zu. Eine der Gruppen soll auch für den Hackerangriff auf den Bundestag im Sommer 2015 verantwortlich sein. Als interne Dokumente und E-Mails des DNC erst einzeln, später dann von Wikileaks gesammelt veröffentlicht wurden, hatte das den Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz und haufenweise schlechte Presse für die Clinton-Kampagne zur Folge. Seit dem gestrigen Freitag sind im Übrigen auch der oberste Geheimdienstdirektor der USA und das Heimatschutzministerium offiziell davon überzeugt, dass die russische Regierung dahintersteckt.

Der Hack war keiner der Wahl selbst. Er funktionierte als klassische Schmutzkampagne. Indem Interna bekannt wurden, die zeigten, dass wichtige Menschen innerhalb der Demokratischen Partei Hillary Clinton favorisierten und sich über ihren Konkurrenten Bernie Sanders lustig machten, bildeten sich viele Wähler möglicherweise ein anderes Bild über Clinton.

Es ist nicht möglich, die Wahl zu hacken

Dass die Täter im Auftrag der russischen Regierung gehandelt haben könnten, ist für manche eine besonders erschreckende Vorstellung: "Eine feindlich gesinnte Regierung, die aktiv versucht, unsere freien und fairen Wahlen zu unterminieren, stellt die größte Bedrohung für unsere Demokratie seit dem Kalten Krieg dar", schrieb etwa der demokratische Senator Harry Reid an den FBI-Direktor.

Die zweite Theorie ist komplexer und hat mit den unterschiedlichen Wahlmaschinen zu tun, die in den USA im Einsatz sind. Zwar werden etwa 70 Prozent der Wähler, heißt es im US-Magazin Time, am 8. November ihr Kreuz noch auf Papier machen. Das ist nicht wirklich hackbar, schon gar nicht aus der Ferne. Rund 30 Prozent aber werden eine elektronische Wahlmaschine benutzen. Eine von vielen verschiedenen. Die sind praktisch alle anfällig, zumindest wenn ein Angreifer physischen Zugang zu dem einzelnen Gerät hat. Eine ausführliche Liste der verschiedenen potenziellen Schwachstellen hat das ICIT in einem Bericht mit dem Titel Hacking Elections is easy veröffentlicht.

Die Geschichte lehrt: Der Wahlausgang kann von Kleinigkeiten abhängen 

eye home zur Startseite
DrWatson 12. Okt 2016

Dann habe ich dich falsch interpretiert.

Grevier 11. Okt 2016

Niemand hat gesagt, dass es unmöglich ist. Es ist dafür aber wesentlich schwieriger...

quasides 11. Okt 2016

Ned nur zudem gilt seitdem das Firmenspenden als "freedom of Speech" anzusehen sind. Ist...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Software AG, Darmstadt
  2. Consors Finanz, München
  3. GIGATRONIK Stuttgart GmbH, Stuttgart
  4. Genossenschaftsverband Bayern e.V., München


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. Hobbit Trilogie Blu-ray 43,89€ und Batman Dark Knight Trilogy Blu-ray 17,99€)
  2. (u. a. Drive 7,79€, John Wick: Kapitel 2 9,99€ und Predator Collection 17,49€)
  3. Einzelne Folge für 2,99€ oder ganze Staffel für 19,99€ kaufen (Amazon Video)

Folgen Sie uns
       


  1. SuperSignal

    Vodafone Deutschland schaltet Smart-Cells ab

  2. Top Gun 3D

    Mit VR-Headset kostenlos ins Kino

  3. Übernahme

    Marvell kauft Cavium für 6 Milliarden US-Dollar

  4. Wilhelm.tel

    Weiterer Kabelnetzbetreiber schaltet Analog-TV ab

  5. Grafiktreiber

    AMDs Display-Code in Linux-Kernel aufgenommen

  6. Oneplus 5T im Test

    Praktische Änderungen ohne Preiserhöhung

  7. Vito, Sprinter, Citan

    Mercedes bringt Lieferwagen als Elektrofahrzeuge heraus

  8. JoltandBleed

    Oracle veröffentlicht Notfallpatch für Universitäts-Software

  9. Medion Akoya P56000

    Aldi-PC mit Ryzen 5 und RX 560D kostet 600 Euro

  10. The Update Aquatic

    Minecraft bekommt Klötzchendelfine



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Windows 10 Version 1709 im Kurztest: Ein bisschen Kontaktpflege
Windows 10 Version 1709 im Kurztest
Ein bisschen Kontaktpflege
  1. Windows 10 Microsoft stellt Sicherheitsrichtlinien für Windows-PCs auf
  2. Fall Creators Update Microsoft will neues Windows 10 schneller verteilen
  3. Windows 10 Microsoft verteilt Fall Creators Update

Orbital Sciences: Vom Aufstieg und Niedergang eines Raketenbauers
Orbital Sciences
Vom Aufstieg und Niedergang eines Raketenbauers
  1. Astronomie Erster interstellarer Komet entdeckt
  2. Jaxa Japanische Forscher finden riesige Höhle im Mond
  3. Nasa und Roskosmos Gemeinsam stolpern sie zum Mond

Ideenzug: Der Nahverkehr soll cool werden
Ideenzug
Der Nahverkehr soll cool werden
  1. 3D-Printing Neues Druckverfahren sorgt für bruchfesteren Stahl
  2. Autonomes Fahren Bahn startet selbstfahrende Buslinie in Bayern
  3. Mobilitätsprojekt Ioki Bahn macht Sammeltaxi zum autonomen On-Demand-Shuttle

  1. Re: #CDU 22% | #SPD 19% | #AfD 16% | #FDP...

    teenriot* | 04:01

  2. Re: mit 136 PS nur 155 Km/h?

    User_x | 03:00

  3. Valkyria Chronicles...

    IT-Kommentator | 02:50

  4. einen "deutschen" Macron ....

    pk_erchner | 02:21

  5. Verschenke meinen Oneplus 5T Invite mit 20¤ Rabatt

    TechnikMax | 02:06


  1. 17:26

  2. 17:02

  3. 16:21

  4. 15:59

  5. 15:28

  6. 15:00

  7. 13:46

  8. 12:50


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel