US-Steuerbehörde: Hunderttausend Konten kompromittiert

Zwischen Februar und Mai 2015 haben Unbekannte versucht, sich Zugang zu über 200.000 persönlichen Konten bei der US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) zu verschaffen. Laut IRS waren die Datendiebe über 100.000-mal erfolgreich. Die internen Server der Steuerbehörde seien dabei aber nicht kompromittiert worden. Vielmehr hätten die Unbekannten zuvor erbeutete persönliche Daten genutzt, gab der IRS jetzt bekannt(öffnet im neuen Fenster) .
Über den von dem IRS bereitgestellten Onlinedienst Get Transcript können US-Steuerzahler unter anderem ihre Steuererklärung online einreichen. Für den Zugang müssen zunächst die Sozialversicherungsnummer und eine aktive E-Mail-Adresse eingegeben werden. Anschließend werden weitere persönliche Daten zur Legitimierung abgefragt, darunter das Geburtsdatum, die Adresse und der aktuelle Steuerstatus.
Zu einfache Zugangskriterien
Alle diese Informationen sind durch vorherige große Datendiebstähle inzwischen in einschlägigen Foren zu finden. Sie könnten beispielsweise von Einbrüchen bei großen US-Krankenversicherungen stammen, die in den vergangenen Monaten bekanntwurden.
In mindestens einem Fall wurde eine Steuerrückzahlung an ein fremdes Konto weitergeleitet. Eine Studentin hatte auf eine Annonce bei Craigslist geantwortet. Die Steuerrückzahlung wurde auf ihr Bankkonto überwiesen. Sie leitete einen Teil des Geldes über Western Union an einen Empfänger in Nigeria weiter und behielt eine zuvor ausgemachte Kommission für sich, wie der IT-Sicherheitsexperte Brian Krebs bereits im März 2015 berichtete(öffnet im neuen Fenster) . Krebs kritisierte schon damals die Zugangskriterien als viel zu lax.
Der IRS hat inzwischen den Get-Transcript-Dienst deaktiviert und will alle 200.000 Steuerzahler informieren, deren Konten von dem Vorfall betroffen sind. Von allen haben die Datendiebe zumindest die Sozialversicherungsnummer. Ihnen wird eine kostenlose Überwachung ihrer Geldtransfers angeboten. Allerdings werden sie auch in diesem und nächsten Jahr verstärkt von der Steuerbehörde auf Unregelmäßigkeiten beobachtet.



