• IT-Karriere:
  • Services:

US-Senat zum Patriot Act: NSA muss Überwachungsprogramm aussetzen

Der US-Geheimdienst NSA muss das massenhafte Sammeln von Daten in den USA vorerst einstellen: Der Senat konnte sich in einer Sondersitzung nicht auf eine Reform des umstrittenen Patriot Acts einigen.

Artikel von Johannes Kuhn/Süddeutsche.de veröffentlicht am
Senator Rand Paul am 31. Mai 2015: "Der Patriot Act läuft heute Nacht aus"
Senator Rand Paul am 31. Mai 2015: "Der Patriot Act läuft heute Nacht aus" (Bild: Mike Theiler/Reuters)

Erneuern? Verändern? Auslaufen lassen? Drei Optionen hatte der US-Senat, als er am Sonntagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkam. Um Mitternacht lief ein Teil des umstrittenen Anti-Terror-Gesetzes Patriot Act und damit das aktuelle Überwachungsprogramm der USA aus. Zwar einigte sich der Senat, mit der Debatte über die geplante Reform zu beginnen. Doch wurde diese nicht mehr vor Ablauf der Frist zum 1. Juni (Mitternacht Ortszeit, 06:00 Uhr MESZ) abschließend auf den Weg gebracht. Versuche, das bestehende Programm kurzfristig zu verlängern, wurden blockiert. Den Regeln zufolge wird die Kammer nun erst Mitte der Woche über den Gesetzentwurf abstimmen können. Die Fakten zur Diskussion.

Stellenmarkt
  1. Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth, Oldenburg
  2. Mentis International Human Resources GmbH, Raum westliches Nordrhein-Westfalen

Der Patriot Act versammelt die Anti-Terror-Gesetze der USA nach dem 11. September 2001. Nach der Sitzung des Senats endet nun nicht das Gesamtpaket, sondern nur drei Teile - der wichtigste betrifft das anlasslose Sammeln von Metadaten über Telefongespräche von US-Bürgern (Section 215), also eine Art amerikanische Vorratsdatenspeicherung. Die exzessive Auslandsspionage, wie sie die NSA durchführt, ist nicht betroffen - diese Regel (Section 702) läuft am 31. Dezember 2017 aus.

Weshalb die Verlängerung ins Stocken geriet

Vor den Enthüllungen durch Edward Snowden hätte der Kongress die Verlängerung wohl durchgewinkt - doch die Existenz der gigantischen Metadaten-Sammlung hat nicht nur US-Bürger verstört, sondern auch Politiker beider Parteien. Liberale Demokraten und libertäre Republikaner sträubten sich gegen eine Verlängerung.

Was der Kompromissvorschlag vorsah

Das Repräsentantenhaus hat bereits mit großer Mehrheit den USA Freedom Act verabschiedet. Die Gesetzesreform soll der NSA das massenhafte Sammeln von Telefondaten sowie von E-Mails und Daten zu Bewegungen im Internet ausdrücklich untersagen. In diesem Falle blieben die Metadaten auf den Servern der Telefonanbieter, die NSA müsste sie fallweise per Gerichtsbeschluss zur Analyse anfordern. Auch das Weiße Haus unterstützt das Gesetz.

Warum es zu keiner Abstimmung kam

Nach dem Repräsentantenhaus muss auch der Senat dem USA Freedom Act zustimmen. Auch diese Kammer wird von den Republikanern kontrolliert, doch ihnen fehlte die nötige Mehrheit von 60 Stimmen, um Blockaden zu verhindern. Vor allem die Republikaner sträuben sich: Mehrheitsführer Mitch McConnell wollte eigentlich die alte Regelung um fünf Jahre verlängern, nun sollen es nur zwei Monate sein, um ohne Druck debattieren zu können. Bürgerrechtler und Datenschützer sprachen sich dafür aus, die aktuellen Regelungen auslaufen zu lassen. Schon am Samstag hatte der Libertäre Rand Paul, der 2016 Präsident werden will, per Twitter angekündigt, dass er die Abstimmung blockieren und so das Ende der Massenüberwachung vieler Amerikaner erzwingen werde. So kam es: "Der Patriot Act läuft heute Nacht aus", sagte Paul nach der Sitzung.

Wie wichtig das Metadaten-Programm für Ermittlungen ist

Die US-Geheimdienste und Ermittlungsbehörden betonen stets, dass das Metadaten-Programm ihnen wichtige Hinweise liefert, um mögliche Schläfer-Zellen im eigenen Land zu enttarnen. Einer Studie der New America Foundation zufolge wurde in diesem Zusammenhang aber nur eine Geldüberweisung eines Taxifahrers aus San Diego an einen Al-Kaida-Ableger enttarnt, in anderen Fällen seien die Metadaten nicht entscheidend gewesen. Längst aber nutzen andere Behörden als die NSA die Daten: Auch der Auslandsgeheimdienst CIA verwendet Metadaten, das FBI griff in den vergangenen drei Jahren mehr als 50 Mal auf sie zu.

Was jetzt passiert - und wie es weitergeht

Am Sonntag um 16 Uhr Ortszeit begann die NSA damit, die Server herunterzufahren und die Logins zu den Datenbanken zu zerstören - das US-Justizministerium hat den Geheimdienst explizit dazu aufgefordert. Nach Verabschiedung eines neuen Gesetzes und eines entsprechenden Beschlusses durch das geheime Fisa-Gericht ließe sich allerdings innerhalb 24 Stunden die Sammlung neu starten.

Wie die Debatte die USA verändern wird

Wenn man so möchte, kämpfen die Vereinigten Staaten gerade mit dem Erbe des 11. September und der Frage, welche Freiheiten für die innere Sicherheit geopfert werden dürfen. Die Diskussion findet allerdings weiterhin unter der Prämisse statt, dass Sicherheit höchste Priorität hat.

Mit Material der Nachrichtenagenturen

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. 54,99€ (Bestpreis!)
  2. (u. a. Asus Geforce RTX 3070 DUAL für 599€, EVGA Geforce RTX 3070 XC3 Black Gaming für 619€)

boxcarhobo 01. Jun 2015

In der gleichen Rede sagt er auch SNA statt NSA. EDIT: Der Zeitstempel hat nicht...

Onsdag 01. Jun 2015

... als es noch "durchgewunken" hieß, war die Welt einfach noch ein Stück schöner :)

David64Bit 01. Jun 2015

Wär schön.

David64Bit 01. Jun 2015

Vorsicht! "Oberste" kann aus vielen Englischen Wörtern übersetzt werden. "first...

photoliner 01. Jun 2015

+1


Folgen Sie uns
       


Samsung Galaxy Note 20 (Ultra) - Hands On

Die neuen Galaxy Note 20 und Galaxy Note 20 Ultra von Samsung kommen wieder mit dem S Pen.

Samsung Galaxy Note 20 (Ultra) - Hands On Video aufrufen
Vivo X51 im Test: Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera
Vivo X51 im Test
Vivos gelungener Deutschland-Start hat eine Gimbal-Kamera

Das Vivo X51 hat eine gute Kamera mit starker Bildstabilisierung und eine vorbildlich zurückhaltende Android-Oberfläche. Der Startpreis in Deutschland könnte aber eine Herausforderung für den Hersteller sein.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Software-Entwicklung Google veröffentlicht Android Studio 4.1
  2. Jetpack Compose Android bekommt neues UI-Framework
  3. Google Android bekommt lokale Sharing-Funktion

Philips-Leuchten-Konfigurator im Test: Die schicke Leuchte aus dem 3D-Drucker
Philips-Leuchten-Konfigurator im Test
Die schicke Leuchte aus dem 3D-Drucker

Signify bietet mit Philips My Creation die Möglichkeit, eigene Leuchten zu kreieren. Diese werden im 3D-Drucker gefertigt - und sind von überraschend guter Qualität. Golem.de hat eine güldene Leuchte entworfen.
Ein Test von Tobias Költzsch

  1. Smarte Leuchten mit Kurzschluss Netzteil-Rückruf bei Philips Hue Outdoor
  2. Signify Neue Lampen, Leuchten und Lightstrips von Philips Hue
  3. Signify Neue Philips-Hue-Produkte vorgestellt

Energiewende: Wie die Begrünung der Stahlindustrie scheiterte
Energiewende
Wie die Begrünung der Stahlindustrie scheiterte

Vor einem Jahrzehnt suchte die europäische Stahlindustrie nach Technologien, um ihren hohen Kohlendioxid-Ausstoß zu reduzieren, doch umgesetzt wurde fast nichts.
Eine Recherche von Hanno Böck

  1. Wetter Warum die Klimakrise so deprimierend ist

    •  /