US-Kongressbericht: Von schäbigen Startups zu gefährlichen Monopolisten

Auf mehreren 100 Seiten geht der US-Kongress hart mit den großen IT-Konzernen ins Gericht. Von Zerschlagungen und Übernahmeverboten ist die Rede.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Die Chefs der IT-Konzerne in der virtuellen Videokonferenz des Ausschusses
Die Chefs der IT-Konzerne in der virtuellen Videokonferenz des Ausschusses (Bild: Getty Images North America)

Den großen IT-Konzernen droht auch in den USA eine deutlich schärfere Wettbewerbskontrolle. Eine umfangreiche Untersuchung des US-Repräsentantenhauses kommt zu dem Schluss, dass die Firmen ihren einzigartigen Zugriff auf Marktdaten dazu missbraucht hätten, um sich Vorteile gegenüber Wettbewerbern zu verschaffen. Darüber hinaus hätten die Firmen ihre über dem Wettbewerbsniveau liegenden Gewinne dazu verwendet, sich Zugang zu anderen Märkten zu verschaffen. Der 449-seitige Abschlussbericht (PDF) empfiehlt unter anderem "strukturelle Zerschlagungen" und ein Verbot für dominante Plattformen, in benachbarten Sektoren aktiv zu werden.

Inhalt:
  1. US-Kongressbericht: Von schäbigen Startups zu gefährlichen Monopolisten
  2. Monopolmissbrauch durch Google

"Um es einfach auszudrücken: Unternehmen, die einst schäbige, unterlegene Startups waren und den Status quo herausforderten, sind zu Monopolen geworden, die wir zuletzt in der Ära der Ölbarone und Eisenbahntycoons gesehen haben. Obwohl diese Firmen der Gesellschaft klare Vorteile gebracht haben, hat die Dominanz von Amazon, Apple, Facebook und Google ihren Preis", heißt es im Vorwort des Ausschussvorsitzenden David Cicilline von der Demokratischen Partei. Der Softwarekonzern Microsoft war nicht Gegenstand der Untersuchung.

Hunderte Übernahmen durch die großen Vier

Der Bericht wurde vom Unterausschuss Wettbewerbsrecht erstellt. Dazu gab es unter anderem sieben Anhörungen im US-Kongress, zu denen im Juli 2020 auch die Chefs der vier untersuchten IT-Konzerne Google, Apple, Facebook und Amazon geladen waren. Anschließend zeigte sich Cicilline überzeugt, dass diese Unternehmen in ihrer heutigen Form eine "Monopol-Macht" besäßen. "Einige sollten zerschlagen werden, andere muss man angemessen regulieren", forderte der Politiker.

Diese Forderungen finden sich nun auch in dem Bericht wieder. Kritisiert wird in dem Papier darüber hinaus, dass die Firmen ihre Finanzkraft in den vergangenen Jahren dazu verwendet hätten, potenzielle Wettbewerber aufzukaufen. "Zusammen haben die vom Unterausschuss untersuchten Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren Hunderte von Unternehmen übernommen. In einigen Fällen hat ein dominantes Unternehmen offenbar aufstrebende oder potenzielle Wettbewerber erworben, um eine Wettbewerbsbedrohung zu neutralisieren oder die Dominanz des Unternehmens aufrechtzuerhalten und auszubauen", heißt es in dem Bericht.

Übernehmen und dichtmachen

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In anderen Fällen habe ein marktbeherrschendes Unternehmen kleinere Unternehmen aufgekauft, um diese anschließend zu schließen oder die zugrunde liegenden Produkte vollständig einzustellen. Solche Übernahmen würden treffend als "Killer-Akquisitionen" bezeichnet. Der Bericht listet auf mehr als 40 Seiten auf, welche Firmen von den vier Großkonzernen seit den 1990er Jahren übernommen wurden. Von den fast 100 Firmenkäufen durch Facebook sei lediglich die Übernahme von Instagram im Jahr 2012 durch die US-Handelsbehörde untersucht worden.

Dem Bericht zufolge hat Facebook sein Monopol durch eine Reihe wettbewerbswidriger Geschäftspraktiken aufrechterhalten. "Das Unternehmen nutzte seinen Datenvorteil für die Gewinnung überlegener Marktinformationen, um damit aufkommende Wettbewerbsgefahren zu erkennen und diese Unternehmen dann zu erwerben, zu kopieren oder zu zerstören", heißt es weiter.

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Monopolmissbrauch durch Google 
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