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US-Investor: Groß-Gerau stimmt gegen Milliarden-Rechenzentrum

Das Stadtparlament im hessischen Groß-Gerau hat den Plan eines US-Investors für ein 2,5-Milliarden-Euro- Rechenzentrum abgelehnt.
/ Andreas Donath
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Groß-Gerau bekommt kein Rechenzentrum. (Bild: Pexels)
Groß-Gerau bekommt kein Rechenzentrum. Bild: Pexels

Die Stadtverordnetenversammlung von Groß-Gerau hat gegen die Ansiedlung eines großflächigen Rechenzentrums gestimmt. In der knapp 90-minütigen Debatte standen 18 Nein-Stimmen 14 Ja-Stimmen gegenüber; von 37 Mandatsträgern waren 32 anwesend, wie Hit-Radio FFH berichtete(öffnet im neuen Fenster) .

Für das Vorhaben votierten lediglich die CDU mit zwölf Stimmen und die Kombi-FWG – Freie Wählergemeinschaft Groß-Gerau mit zwei Stimmen. Dagegen stellten sich SPD, Grüne, FDP, Freie Wähler und Linke geschlossen. Das Projekt eines US-Unternehmens(öffnet im neuen Fenster) hätte ein Investitionsvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro umfasst und fünf Gebäudeblöcke auf einer Fläche von etwa 20 Fußballfeldern im Stadtteil Dornberg vorgesehen.

Anwohner reagieren erleichtert

Die direkt betroffenen Anwohner hatten sich zuvor in einer Bürgerinitiative organisiert. Sie kritisierten vor allem die geplante Dimension der Gebäude, die mit mehr als 30 Metern Höhe die größten Hochhäuser der Stadt deutlich überragt hätten.

Die Bürgerinitiative erklärte nach der Abstimmung, die Diskussion hätte zwar früher geführt werden müssen, das Ergebnis sei aber die richtige Entscheidung für Groß-Gerau. Die Bürgerinitiative hatte auch den Zeitdruck kritisiert: Das Projekt sollte offenbar noch vor der Kommunalwahl beschlossen werden.

Argumente gegen das Rechenzentrum

Auch SPD-Bürgermeister Jörg Rüddenklau hatte bezweifelt, dass das Rechenzentrum nennenswerte Arbeitsplätze oder relevante Gewerbesteuereinnahmen für die Stadt bringen würde. Das Rhein-Main-Gebiet gilt zwar als einer der wichtigsten Standorte für Rechenzentren in Europa – Frankfurt ist ein zentraler Internetknotenpunkt. Doch die konkreten Vorteile für Groß-Gerau blieben nach Rüddenklaus Einschätzung fraglich.

Die Grünen und die Linke hatten sich bereits vor der Sitzung gegen das Vorhaben positioniert. Ihre Argumente: erhöhte Umweltbelastung durch Hitze und Lärm, ein enormer Energiebedarf, der nur über eine eigens zu bauende Stromleitung gedeckt werden könnte, sowie die kaum realisierbare Nutzung der Abwärme. Die Gebäudehöhe empfanden die Kritiker als überdimensioniert für den Standort.


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