US-Gesetz: Google löscht Pornos von Sexarbeitern

Google hat Werke von Sexarbeitern aus Google Drive gelöscht, Craigslist stellt seine Rubrik für persönliche Anzeigen ein. Betroffene vermuten einen Zusammenhang zu einem umstrittenen US-Gesetz gegen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung.

Artikel veröffentlicht am ,
Das Kapitol ist Sitz des Kongresses, dem Parlament der USA. Der Kongress hat Fosta verabschiedet.
Das Kapitol ist Sitz des Kongresses, dem Parlament der USA. Der Kongress hat Fosta verabschiedet. (Bild: Raul654/Wikimedia.org/CC-BY-SA 3.0)

In der vergangenen Woche ist in den USA ein Gesetzespaket (Fosta, vorher Sesta) verabschiedet worden, das eigentlich dazu gedacht ist, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung zu verhindern beziehungsweise zu erschweren. Erreicht werden soll das unter anderem dadurch, dass Onlineplattformen sogar für illegale Inhalte haftbar gemacht werden können, von denen die Betreiber keine Kenntnis haben. Die US-Bürgerrechtsorganisation EFF ist allerdings der Ansicht, dass das Gesetz den Opfern mehr schadet als nützt. Und offenbar werden auch viele Sexarbeiter in ihrer legalen Arbeit eingeschränkt.

Stellenmarkt
  1. Embedded Linux-Programmierer (m/w/d) Entwicklung
    wenglor MEL GmbH, Eching
  2. Informatiker/IT-Fachkraft (w/m/d)
    Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg, Duisburg
Detailsuche

Letzteres berichtet das Magazin Motherboard unter Verweis auf die Aussagen verschiedener Sexarbeiterinnen. Demnach sind einige von deren Pornovideos einfach aus Google Drive verschwunden. Der Darstellung zufolge wurden die Videos genau genommen nicht direkt gelöscht, sondern der Zugriff auf die Inhalte ist schlicht nicht mehr möglich. Dadurch ist auch das Teilen von Videos mit Kunden nicht mehr möglich.

Auf Anfrage von Motherboard verweist Google auf seine Benutzungsrichtlinien, wonach weder sexuell explizite noch pornografische Bilder und Videos erlaubt seien. Darüber hinaus seien insbesondere jene Inhalte verboten, die kommerzielle Pornografie unterstützten. Diese Begründung halten viele der Betroffenen dem Bericht zufolge aber nur für vorgeschoben - einerseits weil sie Google Drive teilweise schon seit Jahren benutzen und andererseits weil nun eine große Anzahl von Sexarbeitern in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum von den Problemen betroffen ist. Sie vermuten deshalb einen direkten Zusammenhang mit dem Fosta.

Löschen statt Klagen riskieren

Die EFF kritisiert, dass das Gesetz viel zu allgemein gefasst sei. Außerdem erweitere das Gesetzespaket bereits bestehende Regeln auf Internetangebote, die Prostitution "erleichtern und befördern". Aus diesen Punkten folgert die EFF, dass Unternehmen künftig lieber "Inhalte zensieren" als möglicherweise jahrelange und ruinöse Klagen zu riskieren. Dies scheint Google nun sehr großflächig umzusetzen.

Golem Karrierewelt
  1. CEH Certified Ethical Hacker v12: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    14.-18.11.2022, Virtuell
  2. Apache Kafka Grundlagen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    22./23.11.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Im Gegensatz zu Google mit seinen eher zurückhaltenden Äußerungen und der fehlenden direkten Erklärung für die betroffenen Nutzer setzen die Betreiber der Anzeigeseite Craigslist einige Maßnahmen mit direktem Bezug auf Fosta um. Die seit Beginn der Seite im Jahr 1995 vorhandenen Rubriken für persönliche Anzeigen, wie etwa "casual encounters" (zufällige Begegnungen), "misc romance" (Romantik, Vermischtes) oder "strictly platonic" (rein platonisch) zeigen nun keine Inhalte mehr. Stattdessen verweist die Seite laut Motherboard auf Fosta und das damit verbundene Risiko für die Betreiber. Aus Deutschland führt der Zugriff auf die Rubriken für Städte in den USA zu einem 404-Fehler, für Städte in Deutschland sind die Rubriken zurzeit aber weiterhin verfügbar.

Kritik an dem Gesetz übt nicht nur die auf das Internet fokussierte Organisation EFF. So sieht die Bürgerrechtsorganisation ACLU ebenso die Meinungsfreiheit in Gefahr, "während behauptet wird, ein Problem zu lösen, das auf andere Weise angegangen werden könnte", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die EFF verweist außerdem darauf, dass sogar das US-Justizministerium Fosta kritisiert. Demnach sei eine Ausweitung bestehender Gesetze nicht notwendig und Fosta könnte sogar Ermittlungen der Behörden unterlaufen.

Die EFF hat bereits angekündigt, weiter gegen das Gesetz vorzugehen. Auch die ACLU könnte folgen. Beide Organisationen sind für ihre Klagen bekannt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


IT-Nerd-86 30. Mär 2018

Naja, wenn du alles verschlüsselst, dann war es das mit On Demand Zugriff ^^ Aber bei so...

IT-Nerd-86 27. Mär 2018

Google gewährt sich genau dieses Recht bei E-Mails. Natürlich automatisiert. Zur Analyse...

Yash 27. Mär 2018

Oder Youtuber? :D Person of Color hör ich heute zum ersten Mal. Ja, aber Hure ist eine...

Yash 26. Mär 2018

Und EU/DE-Clouds sind sicher vor europäischer/deutscher Zensur?



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Superbase V
Zendures Solarstation mit 6.400 Wh kommt mit hohem Rabatt

Vor dem Verkaufsstart über die eigene Webseite verkauft Zendure seine Superbase V über Kickstarter - mit teilweise fast 50 Prozent Rabatt.

Superbase V: Zendures Solarstation mit 6.400 Wh kommt mit hohem Rabatt
Artikel
  1. Tesla Optimus: Elon Musk zeigt Roboter-Prototyp
    Tesla Optimus
    Elon Musk zeigt Roboter-Prototyp

    Roboter könnten für Tesla aus Sicht von Elon Musk bedeutender werden als Elektroautos. Der Konzern zeigte seinen ersten Roboter-Prototypen.

  2. Google: Nutzer fordern Bluetooth-Freigabe für Stadia-Controller
    Google
    Nutzer fordern Bluetooth-Freigabe für Stadia-Controller

    Mit der Einstellung von Stadia können auch Tausende der speziellen Controller ohne ein Update nicht mehr drahtlos genutzt werden.

  3. Microsofts E-Mail: Modern Auth in Exchange macht Admins Arbeit
    Microsofts E-Mail
    Modern Auth in Exchange macht Admins Arbeit

    Ab dem 1. Oktober 2022 müssen Exchange-Clients zwingend Microsofts moderne Authentifizierung nutzen. Das bedeutet Mehrarbeit.
    Eine Analyse von Oliver Nickel

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • MindStar (u. a. LC-Power LC-M27-QHD-240-C-K 389€) und Damn-Deals (u. a. Kingston A400 240/480 GB 17,50€/32€, NZXT Kraken X73 139€) • Alternate: Weekend Sale • Razer Strider XXL 33,90€ • JBL Live Pro+ 49€ • PCGH-Ratgeber-PC 3000 Radeon Edition 2.500€ • LG OLED65CS9LA 1.699€ [Werbung]
    •  /