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US-Dienste ersetzen: Proton statt US-Cloud

Wie ich innerhalb eines Nachmittags die wichtigsten Abhängigkeiten zu US-Cloud-Diensten gekappt habe.
/ Martijn Hols
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Proton ist mehr als ein Mail-Anbieter. (Bild: Proton / Montage: Golem)
Proton ist mehr als ein Mail-Anbieter. Bild: Proton / Montage: Golem

Dieser Artikel ist eine Übersetzung. Das Original ist hier(öffnet im neuen Fenster) zu finden.

Die Nutzung von US-Clouds in der EU ist schon seit Jahren fragwürdig. Immer wieder scheitern Datenaustauschabkommen zwischen der EU und den USA, was zeigt, dass die Datenschutzrechte der EU und die Spionagegesetze der USA einfach nicht kompatibel sind. Alle paar Jahre wird bekannt(öffnet im neuen Fenster), dass die USA noch mehr spionieren(öffnet im neuen Fenster) als gedacht.

Zwar ist jedem in der EU irgendwie klar, dass es praktisch unmöglich ist, personenbezogene Daten einigermaßen legal in US-Clouds zu speichern. Aber da jeder es tut und man also in guter Gesellschaft(öffnet im neuen Fenster) ist, fühlt es sich weniger schlimm an. Bald könnte es aber komplett illegal(öffnet im neuen Fenster) werden.

Alles in allem ist es höchste Zeit, sich von US-Cloud-Diensten zu verabschieden. In diesem Artikel werde ich erläutern, wie ich die Migration durchführe, zu welchem Anbieter ich gewechselt bin und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind.

Meine Abhängigkeiten

Bevor ich anfing, habe ich eine Liste der US-Cloud-Dienste erstellt, von denen ich abhängig bin. Ich habe mich entschieden, mich auf Clouddienste (und nicht auf Software und Hardware) zu konzentrieren, da dort die größten Risiken liegen. Meine vollständige Liste der Abhängigkeiten, grob nach Abhängigkeitsgrad geordnet:

  • Microsoft Office 365
  • E-Mail
  • Kalender
  • Onedrive
  • Bitwarden
  • Github
  • Google-Suche
  • Cloudflare/Google DNS
  • Docker Hub
  • NPM

Diese Liste konzentriert sich auf Clouddienste, die ich beruflich (für mein Unternehmen) nutze. Aber ich plane, auch private Dienste zu migrieren (privat nutze ich Whatsapp für die Kommunikation und iCloud für Back-ups und Notizen).

Die Abhängigkeiten ersetzen

Mit meiner Liste habe ich jede Abhängigkeit einzeln ersetzt. Ein nützliches Tool für die Suche nach Alternativen ist die Website European Alternatives(öffnet im neuen Fenster).

Auf Wiedersehen, Microsoft Office 365

Microsoft 365 war meine wichtigste Abhängigkeit. Dort befinden sich all meine E-Mails, einschließlich der Verlaufsdaten, die ich gesetzlich aufbewahren muss, mein Kalender und die meisten meiner wichtigen Dateien, die ich gesetzlich langfristig aufbewahren muss. Der Zugriff auf diese Dienste darf nicht verloren gehen.

Mit der Nutzerfreundlichkeit von Microsoft 365 hatte ich schon lange meine Probleme, besonders mit Onedrive für Mac, das ständig meinen Akku belastete und meine CPU überhitzte. Dadurch wurde der Wechsel noch attraktiver.

Ich habe mich deshalb auf die Suche nach einer All-in-One-Lösung gemacht: E-Mail, Kalender und Speicherplatz – vor allem, weil das einfacher ist, aber auch, weil ich nicht für alles separat bezahlen möchte. Letztendlich habe ich mich für Proton entschieden.

Ich hatte von Proton Mail als auf Datenschutz ausgerichtetem, hochverschlüsseltem E-Mail-Anbieter gehört, mich aber nicht genauer damit beschäftigt, da ich keinen echten Bedarf dafür hatte und davon ausging, dass dies auf Kosten der Benutzerfreundlichkeit und des Preises gehen würde.

Doch die Proton-Software hat mich positiv überrascht. Die Apps sind gut gemacht und sehr benutzerfreundlich – die Nutzererfahrung ist sogar besser als bei Microsoft. Es ist beeindruckend, wie gut alles funktioniert, ohne dass die Privatsphäre leidet.

Die Proton Business Suite mit 1 TByte für E-Mail, Kalender, VPN, Pass und Drive kostet nur 12,99 Euro pro Monat (die Nicht-Business-Variante kostet 9,99 Euro). Und genau wie Microsoft 365 bietet sie umfassende Unterstützung für Teams.

An Proton hat mich außerdem beeindruckt, wie einfach der Wechsel von Microsoft 365(öffnet im neuen Fenster) war. Das Easy-Switch-Tool(öffnet im neuen Fenster) hat den gesamten Datenimport mit nur wenigen Klicks für mich übernommen. Ich musste lediglich die DNS für meine Domains manuell aktualisieren. Als Bonus ermöglicht Proton die Einrichtung von 15 benutzerdefinierten E-Mail-Domains, so dass ich all meine separaten E-Mail-Hostings kündigen und alle meine Postfächer zentralisieren kann.

Ein weiterer Bonus: Der Proton Business Plan beinhaltet ein VPN. Weil ich nur sehr selten eines brauche, hat sich ein Abonnement nie gelohnt, daher ist das ein netter Zusatzvorteil.

Bitwarden ersetzen

Beim Passwort-Manager habe ich einen Wechsel lange vor mir hergeschoben. Bitwarden, das ich über vier Jahre lang benutzt habe, war trotz einiger Probleme mit der Benutzerfreundlichkeit ein wichtiger Bestandteil meiner Toolbox.

Aber ich wollte ja unbedingt Clouddienste vermeiden, und so habe ich mich nach einem Ersatz umgesehen. Zwar sind meine Tresore verschlüsselt, aber sie werden eben doch von Bitwarden gehostet und das Unternehmen kann meinen Zugriff nach eigenem Ermessen einschränken.

Das Naheliegendste war Proton Pass(öffnet im neuen Fenster), da es im Paket der Proton Business Suite enthalten war. Wenn schon 1Password-Benutzer umstiegen(öffnet im neuen Fenster), musste es gut sein.

Und tatsächlich ist es das auch. Es bietet alle Funktionen, die ich in Bitwarden genutzt habe, und noch mehr: Die für mich besten Zusatzfunktionen sind die Freigabe von Passwörtern über einen Link und die Rückkehr des Drop-down-Menüs für die Anmeldung in Anmeldeformularen. Wie sehr habe ich das vermisst!

Die Migration war sogar noch einfacher als bei E-Mails: einfach in Bitwarden exportieren und in Proton Pass importieren, fertig. Selbst TOTP-Codes und sichere Notizen werden nahtlos übertragen.

Die Github-Herausforderung

Ich bin stark an Github gebunden, da ich meine Build-Pipelines(öffnet im neuen Fenster) umfassend angepasst(öffnet im neuen Fenster) habe, damit sie auf dieser Plattform funktionieren. Daher habe ich noch nicht mit der Migration begonnen.

Github hostet nur meine Repositories und CI; ich speichere keine persönlichen Daten auf Github und verwende es auch nicht zu deren Verarbeitung. Ich habe Kopien meiner Repositories auf meinem Computer und erstelle gelegentlich Back-ups. Das einzige echte Risiko besteht darin, dass die SSD meines Macs genau zur gleichen Zeit kaputtgeht; dann würde ich ein paar Tage Arbeit verlieren.

Dennoch bin ich für meine Projekte stark auf Github angewiesen, so dass die Migration Zeit brauchen wird. Ich werde irgendwann einen neuen Ort für meine Repositories finden, aber angesichts der Auswirkungen wird das wahrscheinlich das Letzte sein, das ich migriere. Mit Alternativen habe ich mich deshalb noch nicht so recht beschäftigt.

Der Google-Suche (fast) entkommen

Wer schon einmal alternative Suchmaschinen ausprobiert hat, weiß: Die Google-Suche ist wirklich sehr, sehr gut. Es ist sehr schwer, eine Alternative zu finden, bei der man nicht wieder zurückwechseln möchte. Aber ich habe sie gefunden: Startpage(öffnet im neuen Fenster).

Startpage ist eine niederländische Suchmaschine, die "kompromisslosen Datenschutz" verspricht. Trotzdem war ich wirklich überrascht von der Qualität der Suchergebnisse. Dann stellte sich der einfache Grund dafür heraus. Es handelt sich eigentlich um einen Google-Proxy. Schade!

Auch wenn Startpage von Google abhängig ist – mit unklaren Folgen für den Datenschutz -, ist es immer noch viel besser, als Google direkt zu verwenden. Die Abhängigkeit von der US-Cloud wird so jedoch nicht beseitigt. Leider sind vollständig europäische Alternativen, die einen Wechsel attraktiv machen, Mangelware.

Die Verbindung zu Cloudflare/Google DNS kappen

Das Versprechen einer optimalen DNS-Leistung hat mich zu den DNS-Servern von Cloudflare und Google hingezogen, aber auch sie bringen Datenschutzprobleme und eine Abhängigkeit von der US-Infrastruktur mit sich. Im Rahmen meiner Abkehr von den USA habe ich mich entschieden, sie durch Quad9(öffnet im neuen Fenster) zu ersetzen. Das ist ein kostenloser, in der Schweiz ansässiger DNS-Dienst, der sich auf Sicherheit und Datenschutz konzentriert.

Der Wechsel zu Quad9 ist ganz einfach: Einfach die DNS-IPs(öffnet im neuen Fenster) in den Router eingeben oder ein Bereitstellungsprofil auf dem Mobilgerät installieren(öffnet im neuen Fenster) – fertig.

Docker Hub abschaffen

Docker Hub (eine Registrierungsstelle für Docker-Images) ist für meine CD-Pipeline unverzichtbar. Dort werden die privaten Images gespeichert, die meine Server automatisch abrufen(öffnet im neuen Fenster), um neue Versionen meiner Apps zu installieren. Ich möchte Docker Hub unbedingt abschaffen.

Ein Fan von Docker Inc. bin ich schon lange nicht mehr, weil das Unternehmen ganz offensichtlich seinen Fokus ausschließlich auf Unternehmenskunden legt. Der Abstieg von Docker begann mit der Abschaltung von Docker Cloud(öffnet im neuen Fenster). Später hat Docker wegen seiner "Fair Use"-Klausel sogar mein Abo gekündigt, weil es seine eigenen Protokolle falsch interpretiert hatte (HTTP-HEAD-Anfragen(öffnet im neuen Fenster) wurden als Image-Abrufe gezählt).

Da meine Anforderungen simpel sind, erwog ich zunächst, eine Docker-Registry mit einem europäischen S3-kompatiblen Backend selbst zu hosten, und sah mir OVH und Scaleway Object Storage(öffnet im neuen Fenster) an. Aber die selbst gehosteten Docker-Registrys erschienen mir zu komplex und der Aufwand war nicht lohnenswert.

Stattdessen entschied ich mich für Scaleway Container Registry(öffnet im neuen Fenster). Es wird komplett gemanagt, ist einfach zu bedienen und speichert meine Images in der EU. Letztendlich brauchte ich weniger als zwei Stunden für die Einrichtung und werde wahrscheinlich weniger als 1 Euro pro Monat dafür bezahlen. Das ist unschlagbar.

NPM

Eine zentrale Herausforderung für NPM (eine Node-Paket-Registry) ist die Abhängigkeit von öffentlichen Paketen. Sie werden bei jedem CI-Build und jedes Mal, wenn jemand das Projekt klont, heruntergeladen und installiert. Sie werden zwar gecacht, trotzdem würde eine Nichtverfügbarkeit von NPM die meisten Tools lahmlegen.

Leider konnte ich keine öffentlichen europäischen NPM-Mirrors finden (sagt Bescheid, wenn ich etwas übersehen habe). Wahrscheinlich liegt es daran, dass die meisten großen Unternehmen ihre eigenen privaten Mirrors hosten. Ich habe Verdaccio bereits als private Registry und Cache verwendet, und die Einrichtung sollte mit einem Docker-Image recht einfach sein.

Dazu muss jedoch zunächst ein persistenter Speicher eingerichtet werden. Sobald das erledigt ist, richte ich Verdaccio(öffnet im neuen Fenster) ein. Auf diese Weise habe ich auch dann noch Zugriff auf die von mir verwendeten Versionen, wenn NPM nicht verfügbar ist, und andere können diese Registry nutzen, um loszulegen.

Zusammenfassung

Die Migration weg von US-Clouddiensten war einfacher, als ich erwartet hatte. Es gibt zwar noch einige Herausforderungen zu bewältigen, aber die Migration meiner wichtigsten Abhängigkeit (Microsoft 365) dauerte nur einen Nachmittag. Das ist vor allem Proton zu verdanken, das sich als überraschend gute Alternative zu Microsoft 365 erwiesen hat.

Der Ersatz von Docker Hub erforderte mehr Recherche, vor allem, weil ich vorher noch keine benutzerdefinierte Docker-Registry oder persistenten Speicher eingerichtet hatte – etwas, das ich schon längst hätte tun sollen.

Andere Dienste wie Github werden länger dauern. Aber auch das steht auf meiner Liste und scheint machbar zu sein. Es macht sogar Spaß, europäische Alternativen zu erkunden. Vielleicht werde ich auch selbst etwas hosten.

Die Google-Suche hingegen scheint nach wie vor unschlagbar zu sein, da auch ihr bester Ersatz sie im Hintergrund immer noch nutzt. Hoffentlich werden noch mehr Alternativen auftauchen, aber vorerst scheint die Verwendung eines datenschutzorientierteren Proxys die einzige praktikable Option zu sein.

Wer darüber nachdenkt, seine Abhängigkeit von US-Clouddiensten zu verringern, sollte es jetzt tun. Die Risiken in Bezug auf den Datenschutz und die Kontrolle über die Infrastruktur lassen sich immer schwerer ignorieren. Meine Erfahrung zeigt, dass einige Migrationen viel einfacher sein können, als man vielleicht erwartet. Zumindest aber sollte man zweimal nachdenken, bevor man sich bei US-Diensten anmeldet – und stattdessen europäische Dienste in Betracht ziehen.

Der Niederländer Martijn Hols ist freiberuflicher React-Entwickler. Sein Blog(öffnet im neuen Fenster) ist hier zu finden.

Übersetzung: Juliane Gunardono mit Unterstützung von DeepL


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