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US-Abgeordneter: Amazon-Arbeiter müssen "aus Zeitdruck in Flaschen urinieren"

Der neue Amazon -Chef lobt den Konzern mit einem Vergleich zu Bernie Sanders, woraufhin er mit harten Vorwürfen konfrontiert wird.
/ Achim Sawall
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Amazon-Arbeiter in Italien (Bild: MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images)
Amazon-Arbeiter in Italien Bild: MARCO BERTORELLO/AFP via Getty Images

Amazon hat auf Twitter Vorwürfe(öffnet im neuen Fenster) des US-Abgeordneten Mark Pocan zurückgewiesen, wonach Arbeiter zu wenig Toilettenpausen bekommen und in Wasserflaschen urinieren müssen. Mehrere Journalisten bezeugen jedoch solche Vorgänge. Der Demokrat Pocan (Wisconsin) hatte bei Twitter auf eine Nachricht des neuen Amazon-Chefs Dave Clark reagiert, in der sich Amazon selbst als "Bernie Sanders unter den Arbeitgebern" bezeichnet hatte.

Pocan twitterte: "Dass Sie Arbeitern 15 US-Dollar pro Stunde zahlen, macht Sie nicht zu einem 'fortschrittlichen Arbeitgeber', wenn Sie Gewerkschaften behindern und Arbeiter in Wasserflaschen urinieren lassen."

Amazons offizieller PR-Account wies das zurück: "Sie glauben nicht wirklich, dass jemand in Flaschen pinkelt, oder? Wenn das wahr wäre, würde niemand für uns arbeiten. Die Wahrheit ist, dass wir über eine Million unglaubliche Mitarbeiter auf der ganzen Welt haben, die stolz auf das sind, was sie tun, und vom ersten Tag an über hervorragende Löhne und Gesundheitsversorgung verfügen."

Amazon glaubt den Arbeitern nicht

Pocan entgegnete, dass er den Arbeitern glaube. Daraufhin meldeten sich mehrere Journalisten, die über die Arbeitsbedingungen recherchiert haben und bestätigten die Vorwürfe. Darunter ist auch der britische Journalist James Bloodworth, dessen 2018 veröffentlichtes Buch "Hired: Six Months Undercover in Low-Wage Britain" seine Erfahrungen mit schlecht bezahlter Arbeit für Unternehmen wie Amazon(öffnet im neuen Fenster) dokumentiert. "Ich war die Person, die den Urin in der Flasche gefunden hat. Glaubt mir, es ist wahr."

Weitere Belege zu den Vorwürfen(öffnet im neuen Fenster) kamen von dem Journalisten Ken Bensinger von Buzzfeednews, der solche Vorgänge bei Amazon-Vertragsfahrern mit einem Rundschreiben dokumentierte.

Auch Will Evans vom The Center of Investigative Reporting twitterte Stimmen von Arbeitern, die die Überausbeutung bei Amazon belegen, wo man nicht zur Toilette gehen könne, weil sonst der Akkord nicht geschafft werde. "Du musst das Pinkeln anhalten, oder du schaffst deine Zahlen nicht." Hier hätte man als Lagerarbeiter die Wahl.

Amazon-Deutschland-Sprecher Stephan Eichenseher sagte Golem.de auf Anfrage: "Ganz klar: Wer auf die Toilette muss, geht auf die Toilette. Wer etwas anderes behauptet, war noch nie in einem Amazon Logistikzentrum."

Amazon plant in Deutschland in diesem Jahr 5.000 neue Stellen zu schaffen, erklärte das Unternehmen. "Wir sind für die verschiedensten Talente und Qualifikationen offen" , sagte Ralf Kleber, Country Manager von Amazon.de(öffnet im neuen Fenster) . Die Zahl der Festangestellten hierzulande steige bis Jahresende von mehr als 23.000 auf voraussichtlich über 28.000, erklärte er.

Gesucht werden Arbeiter für die Kommissionierung und den Versand von Waren, Angestellte im Marketing, dem Finanzwesen oder Technik-Experten für die Forschung an Zukunftstechnologien.


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